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US-Bank mit seltener Verkaufsempfehlung für den Schweizer Aktienmarkt

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Diese Woche: Kursflaute bei den SMI-Schwergewichten, IPO-Bank setzt der Swiss Marketplace Group zu - Und: Ausgerechnet Cicor unterzieht sich einer Rosskur.

19.06.2026   11:00
Von cash Insider
Display mit Börsenkursen

Display mit Börsenkursen

Quelle: Pixabay

Der cash Insider berichtet auch im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf X/Twitter aktiv.

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Die gute Nachricht zuerst: Der Schweizer Aktienmarkt konnte diese Woche nahtlos an die Rekorde vom vergangenen Freitag anknüpfen. Zeitweise stiess der breit gefasste Swiss Performance Index (SPI) auf über 19'550 Punkte vor. Die schlechte Nachricht jedoch: Ohne die drei «Bremsklötze» Nestlé, Roche und Novartis hätte vermutlich noch mehr drin gelegen.

Diese Kursflaute bei den hiesigen Schwergewichten dürfte einem Strategiepapier der Citigroup geschuldet sein. Darin sehen die Autoren den Stoxx Europe 600 Index bis Mitte 2027 zwar auf 700 Punkte klettern. Das breit gefasste Börsenbarometer widerspiegelt die Aktienkursentwicklung der 600 grössten europäischen Publikumsgesellschaften – darunter auch zahlreiche aus der Schweiz.

Von der Indexprognose der amerikanischen Grossbank lässt sich aus heutiger Sicht ein Aufwärtspotenzial von knapp zehn Prozent ableiten. Die zu erwartenden Dividendenabgänge aufgerechnet, sind es sogar deren 13 Prozent.

Allerdings stufen die Strategen den Schweizer Aktienmarkt von «Neutral» auf «Underweight» herunter, was einer Verkaufsempfehlung schon sehr nahekommt.

Es macht ganz den Anschein, als wären wir mal wieder an einem Punkt angelangt, an dem unser Heimmarkt in amerikanischen Bankenkreisen aufgrund seiner defensiven Eigenschaften als träge, langweilig und deshalb als uninteressant gilt.

Endlich befindet sich auch der SPI in Rekordlaune (Quelle: www.cash.ch)

Ähnliche Phasen gab es in der Vergangenheit des Öfteren. Auf lange Sicht benötigt der Schweizer Aktienmarkt in Sachen Kursbilanz den Vergleich mit der Leitbörse in New York dennoch nicht zu scheuen – dem starken Franken sei Dank.

Dass die Strategen der Citigroup neuerdings auch den Deutschen Aktienmarkt mit «Underweight» einstufen, spendet aus Schweizer Sicht kaum Trost. Nicht immer ist geteiltes Leid auch halbes Leid...

Kommen wir an dieser Stelle auf die Swiss Marketplace Group zu sprechen. Am Dienstag fielen die Aktien der ImmoScout24-Mutter vorübergehend auf 24 Franken und damit auf den tiefsten Stand seit dem Börsendebüt im September. Dass mit J.P. Morgan ausgerechnet eine der Hauptverantwortlichen der Publikumsöffnung die Kurslawine lostrat, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Der für die amerikanische Investmentbank tätige Analyst Marcus Diebel senkte das Anlageurteil von «Overweight» auf «Neutral» und setzte sowohl bei seinen Gewinnschätzungen als auch beim Kursziel den dicken Rotstift an. Lag das Kursziel mit 46 Franken bisher auf dem seinerzeitigen Ausgabepreis vom September vergangenen Jahres, lautet es neuerdings gerade noch 28 Franken. Was für eine Schmach für all diejenigen Anlegerinnen und Anleger, welche damals Aktien aus der Emission zeichneten.

Der Analyst sieht zwar auch weiterhin Raum für steigende Gebühreneinnahmen sowie ein nicht unbeträchtliches Einsparpotenzial auf der Kostenseite. Neuerdings rechnet er bezüglich Technologie, Personal und Marketing jedoch mit einem höheren Investitionsbedarf.

Von den drei Hauptverantwortlichen des Börsengangs preist somit nur noch die UBS die Aktien der Swiss Marketplace Group zum Kauf an. Veranschlagte die Grossbank kurz nach der Erstabdeckung von Ende Oktober ursprünglich ein Zwölf-Monats-Kursziel von 57,50 Franken, lautet dieses seit Mitte März noch 51,90 Franken.

Nach der Kurszäsur der letzten Wochen und Monate wird zwangsläufig auch UBS-Analyst Joseph Barnet-Lamb bei seinen Annahmen und Prognosen über die Bücher gehen müssen. Lachende Dritte ist die Mobiliar. Die Berner Versicherungsgruppe nutzte den Börsengang zum Ausstieg und entledigte sich sämtlicher Aktien...

Seit Mittwoch ist bekannt, dass sich Cicor Technologies einer Rosskur unterzieht. Das Werk in Tunesien mit seinen 90 Mitarbeitenden wird für 1,3 Millionen Euro verkauft. Darüber hinaus sollen weitere 130 Stellen gestrichen werden. Das Elektronikunternehmen erhofft sich in diesem Zusammenhang jährliche Einsparungen von mehr als 10 Millionen Franken.

Bei dieser Gelegenheit bestätigt es die diesjährigen Finanzziele. Angestrebt wird ein operativer Jahresgewinn (EBITDA) von 70 bis 80 Millionen Franken bei einem Umsatz zwischen 700 und 750 Millionen Franken. Für die erste Jahreshälfte geht man neuerdings nur von einer operativen Gewinnmarge im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich aus.

Die Aktien von Cicor Technologies haben seit gut einer Woche einen eher schweren Stand (Quelle: www.cash.ch)

Die Analysten halten den Aktien denn auch die Treue. Bernd Laux von der Zürcher Kantonalbank ringt den angekündigten Massnahmen sogar positive Aspekte ab und fühlt sich in seinem «Übergewichten» lautenden Anlageurteil bestärkt. Auch sein Berufskollege Alexander Zienkowicz von MWB Research bestätigt trotz tieferer Gewinnerwartungen sowohl seine Kaufempfehlung als auch das Kursziel von 180 Franken. An dieser Stelle sei beiläufig erwähnt, dass sein Arbeitgeber von Cicor mit der Mitverfolgung der Aktien beauftragt und hierfür finanziell auch entschädigt wird.

Wenn ein gefeiertes Wachstumsunternehmen mit randvollen Auftragsbüchern – und dazu zählt der Zulieferer für die Rüstungsindustrie zweifelsohne – mehrere hundert Stellen abbaut und sich von einer Produktionsstätte trennt, werde ich stutzig. UBS-Analyst Marti Queral Ferre hatte übrigens schon vor einer Woche vor einer möglicherweise enttäuschenden ersten Jahreshälfte gewarnt, seine Gewinnschätzungen und das Zwölf-Monats-Kursziel von 172 Franken jedoch beibehalten. Auch er stuft die Valoren wie bis anhin mit «Buy» ein.

Ich begegnete dem Höhenflug der Aktien Ende Oktober bei Kursen um die 220 Franken mit folgenden Worten:

Und wenn wir schon beim Thema UBS sind: Da passt der Londoner Jefferies-Analyst Joseph Dickerson sein rekordhohes Kursziel von 55 Franken in Erwartung eines erfreulich starken zweiten Quartals mal eben schnell um weitere 5 Franken nach oben an und lässt die Aktien der grössten Schweizer Bank bei etwas mehr als 41 Franken auf den höchsten Stand seit der Finanzkrise steigen.

Dass Dickerson mit Blick auf die Quartalsberichterstattung gerade im amerikanischen Vermögensverwaltungsgeschäft mit einer dicken Überraschung rechnet, überrascht vermutlich nicht nur mich. Denn dort hatte die Grossbank in der Vergangenheit bekanntlich mit Vermögensabflüssen zu kämpfen.

Vorsichtigere Worte findet am Freitag der für die Finanzwertespezialisten von Keefe Bruyette & Woods tätige Analyst Thomas Hallett. Er erhöht sein Kursziel zwar leicht auf 38 (zuvor 36) Franken, straft die Aktien gleichzeitig aber von «Market Perform» auf «Underperform» ab. Seines Erachtens sind die Valoren der grössten Schweizer Bank zuletzt übers Ziel hinausgeschossen.

Ausserdem warnt er vor Margendruck in der Vermögensverwaltung. Der Analyst geht deshalb auch bei den Aktien des UBS-Rivalen Julius Bär von «Market Perform» auf «Underperform» und trimmt das Kursziel auf 70 (zuvor 74) Franken.

Regelmässige Leserinnen und Leser wissen, dass ich viel von den Aktien der UBS halte und in der Credit-Suisse-Rettung einen regelrechten Quantensprung für die Grossbank sehe. Doch genauso wie die Valoren damals bei Kursen von 18 Franken und weniger sträflich unterbewertet waren, scheinen sie mir jüngst etwas gar übers Ziel hinausgeschossen zu sein. Folglich bin ich zumindest momentan eher im «Team Keefe Bruyette & Woods» als im «Team Jefferies» anzutreffen.

Vielleicht bekennen kommende Wochen ja weitere Bankenanalysten Farbe. Falls ja, dann mehr dazu am nächsten Freitag, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.
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