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Bei den Genussscheinen von Roche werden heute Dienstag im frühen Handel in der Spitze Kurse von fast 387 Franken bezahlt. Das liegt über dem bisherigen Rekordhoch von Ende Dezember.

Für mich kommen diese neuen Rekorde überraschend, berichtete die renommierte Financial Times über das Wochenende doch davon, dass das japanische Investmentvehikel Softbank beim Pharma- und Diagnostikkonzern aus Basel mit Gewinn ausgestiegen sei.

Hintergrund ist, dass der als "Nasdaq Whale" gefürchtete Architekt der milliardenschweren Derivatwetten auf amerikanische Tech-Giganten, Akshay Naheta, bei Softbank per Ende März den Hut nehmen musste. Der Financial Times zufolge hatte dieser zuvor angeblich fast 5 Milliarden Dollar in den Sand gesetzt. Nun würden die verbleibenden Titelpositionen glattgestellt – darunter eben auch das Roche-Paket.

Die Roche-Kurse wollen nach oben: Die Inhaberaktien (rot) im 12-Monats-Vergleich mit den Genussscheinen (grün) (Quelle: www.cash.ch)

Zur Erinnerung: Vergangenen Sommer schrieb die Nachrichtenagentur Bloomberg, dass sich Softbank mit 5 Milliarden Dollar bei Roche eingenistet habe. Dem Bericht gingen eine grosse ausserbörsliche Blocktransaktion sowie eine auffällige Verteuerung der Inhaberaktien gegenüber den Genussscheinen voraus.

Der cash Insider zum Écart

Ungewöhnliche Handelsaktivitäten: Was tut sich denn da bei Roche? (vom 2. März 2021)
Seltenes Phänomen beim Écart des SMI-Schwergewichts Roche (vom 4. April 2021)
Ein Ebner-Moment bei Roche (vom 28. Mai 2021)

Erst am letzten Freitag berichtete ich in der Börsenwoche im Schnelldurchlauf darüber, dass der sogenannte "Écart" zwischen den beiden Titelpositionen wieder grösser geworden sei – begleitet von aggressiven Käufen in den Inhaberpapieren. Dabei brachte ich den Namen Softbank ins Spiel.

Wenn sich die Japaner beim Pharma- und Diagnostikkonzern tatsächlich von Titeln im Gegenwert von 5 Milliarden Dollar getrennt haben sollten, müssten die Kurse nun doch eigentlich tauchen?!

In den Handelsräumen hiesiger Banken werden die von der Financial Times hervorgebrachten Spekulationen "weitergesponnen": Entweder sei das Paket zu Marktpreisen bei einem anderen bedeutenden Aktionär untergebracht worden, oder aber man habe die Titel schon zwischen Mitte Januar und Anfang März still und leise veräussert. Dann wiederum wäre das jüngste Kursfeuerwerk wohl eine Reaktion auf den Abschluss der milliardenschweren Verkaufsorder.

Ich für meinen Teil wäre nicht überrascht, wenn die jüngsten Entwicklungen bei den Baslern den Weg in Richtung der Einführung einer Einheitsaktie ebnen würden.

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Kürzlich berichtete ich bei den Aktien von Meyer Burger von einer Kurslawine, losgetreten durch einen Bericht auf einem beliebten deutschen Börsenportal. Der russischstämmige Ankeraktionär Petr Kondrashev stehe im Verdacht, Geld in Richtung Ukraine-Feldzug zu leiten, so wurde behauptet.

Ich hielt wie folgt fest:

...und fragte mich, ob es sich bei diesen Behauptungen nicht sogar um eine gezielte Kampagne der Leerverkäufer handelt – hatten die Aktien des Solarunternehmens bis dahin innerhalb von gerade mal zwei Wochen doch um mehr als 50 Prozent an Kurswert dazugewonnen.

Die Aktien von Meyer Burger konnten ihre Kursdelle der letzten zwei Wochen wieder wettmachen (Quelle: www.cash.ch)

Es sollte rückblickend übrigens nicht bei einer Löschung des Berichts bleiben. Das deutsche Börsenportal veröffentlicht nun sogar einen Widerruf. Man habe sich davon überzeugen können, dass ein solcher Verdacht weder bestanden habe noch bestehe und entschuldige sich bei Petr Kondrashev in aller Form.

Mehr zur skurrilen Geschichte um Meyer Burger:

Ungeheuerliche Behauptungen: Läuft da eine gezielte Kampagne der Leerverkäufer gegen Meyer Burger?
Lacher der Woche: Meyer Burger kommt nicht zur Ruhe

Diese Entschuldigung ist das nächste und vorerst letzte Kapitel einer eher skurrilen Geschichte. Wenn da mal nicht jemand Post vom Anwalt erhalten hat...

Wer nun denkt, dass die Leerverkäufer ihre Wetten gegen Meyer Burger in den letzten Wochen tatsächlich ausgedünnt haben, der irrt. Wie neuste Erhebungen der Beratungsfirma IHS Markit zeigen, spekulierten Leerverkäufer beim Solarunternehmen zuletzt mit fast 18 Prozent aller ausstehenden Aktien auf rückläufige Kurse. Ende Februar waren es "bloss" 16 Prozent.

Zumindest diese Entwicklung spricht eher gegen eine gezielte Kampagne seitens von Leerverkäufern.

 

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