Die Auswirkungen des Krieges im Nahen Osten haben die Kurse von Bitcoin & Co eher unerwartet nicht gross belastet. Seit Beginn des Irankrieges hat Bitcoin 3,1 Prozent an Wert hinzugewonnen, Ethereum gar 6,3 Prozent. Trotzdem bleibt die Stimmung verhalten, weil die Kursgewinne aus der zwischenzeitlichen Erholungsrally von Mitte März wieder hergegeben wurden.
Für Aufregung sorgte dabei eine Research-Studie von Google Quantum AI in Zusammenarbeit mit Forschern der Ethereum Foundation und der Universität Stanford. Die Kernbotschaft: Die Verschlüsselungsverfahren, auf denen Bitcoin und fast alle grossen Blockchains basieren, sind durch zukünftige Quantencomputer wesentlich leichter angreifbar als bisher in der Fachwelt vermutet. Experten sind allerdings eher der Meinung, Quantencomputing bleibe für Bitcoin eine weit entfernte Überlegung. Systeme, die die aktuelle Kryptografie auf Basis elliptischer Kurven in grossem Massstab knacken könnten, benötigen noch Jahre bis zur Einführung, so der Tenor.
Auffallend ist in den letzten Wochen, dass die Bitcoin-Bullen deutlich ruhiger geworden sind. Die ausgerufenen Kursziele, welche vielfach deutlich über den jeweils bezahlten Preisen lagen, gehören für den Moment der Vergangenheit an. Eine schnelle Kurserholung des Bitcoin ist unwahrscheinlich. Die Bitcoin-Märkte konsolidieren seit nunmehr zwei Monaten, was zu einer sinkenden Volatilität und verhaltener Derivatepositionen führte. Während sich die Spotpreise nach dem vorherigen Rückgang stabilisierten, lag der 30-Tage-Durchschnittspreis von Bitcoin weiterhin 19 Prozent unter dem des Vormonats, was die schwächeren Preise zu Monatsbeginn widerspiegelt, wie Matthew Sigel, Leiter Digital Assets Research von VanEck, jüngst in einer Kundennotiz schrieb.
Die realisierte Volatilität sank deutlich von rund 80 auf knapp über 50, was auf einen deutlichen Rückgang der spekulativen Handelsaktivitäten in diesem Zeitraum hindeutet, so der VanEck-Experte weiter. Ebenso sei das Volumen auf der Blockchain weiter rückläufig. Auf der anderen Seite dürften die Kurse für den Moment gegen unten gut abgestützt sein, weil Absicherungstransaktionen gegen fallende Kurse verhältnismässig teuer sind.
Neben dem Irankrieg, den konjunkturellen Unsicherheiten und den zurückhaltenden Investoren kommen noch hausgemachte Probleme hinzu. Am Abend des 1. April wurde eine grosse Perpetual-Futures-Börse auf Solana Opfer eines Cyber-Angriffs. Das sogenannte «Drift Protocol» fiel einem ausgeklügelten Angriff zum Opfer, bei dem Vermögenswerte im Wert von 280 Millionen Dollar aus der Kasse des Unternehmens abgezogen wurden.
Die Angreifer nutzten eine Kombination aus Social-Engineering-Tricks und einer Sicherheitslücke im Transaktionssystem von Solana, um die Millionen von Dollars zu erbeuten, wie die Krypto-Beratungsfirma Sandmark am Donnerstag mitteilte. Drift, der Governance-Token der Börse, brach um mehr als 40 Prozent ein, als sich die Nachricht von dem Angriff im Internet verbreitete. Der Kurs von Solana fiel nach Bekanntwerden der Details um über 7 Prozent.
Stehen die Altcoins vor einem Revival?
Der Kryptomarkt leidet weiterhin unter den eskalierenden geopolitischen Spannungen und der damit einhergehenden Volatilität an den Finanzmärkten. Dies zeigt sich weniger am Kurs von Bitcoin, Ethereum oder Ripple. Besonders betroffen ist die Vielzahl an kleineren Altcoins. Sie standen in diesem Zyklus noch nie unter solch einem Druck, wie die Research-Boutique Cryptoquant am Mittwoch in einer Einschätzung festhielt.
Anfang dieser Woche haben mehr als 40 Prozent der Altcoins ein neues Allzeittief erreicht oder befinden sich in gefährlicher Nähe dazu. Dies ist noch höher als im vorherigen Bärenmarkt, wo der Wert bei rund 38 Prozent lag, so Cryptoquant weiter. Dabei sei nicht nur das Umfeld für Altcoins ungünstig.
Derzeit existieren insgesamt über 47 Millionen Kryptowährungen, darunter allein 22 Millionen auf Solana, über 18 Millionen auf Base und 4 Millionen auf der Binance Smart Chain. Die enorme Anzahl an Kryptowährungen führt direkt zu einer Liquiditätsverwässerung, wodurch Altcoins mit der Zeit immer fragiler werden, meinen die Experten von Cryptoquant. Dies erkläre, warum die Altcoins derzeit eine rekordverdächtige Underperformance hinlegen.
Die Konklusion von Cryptoquant macht jedoch gerade bei Altcoins Hoffnungen. «Gerade bei solch extremer Underperformance eröffnen sich attraktive Chancen für diejenigen, die die vielversprechendsten und widerstandsfähigsten Projekte sorgfältig auswählen.»

