Aktienmärkte - Strategen haben Glauben an höhere Kurse nicht verloren

Die Strategen von Credit Suisse und Barclays bleiben zuversichtlich für Aktien, jener von Kepler Cheuvreux kehrt von seiner negativen Haltung ab. - Und: Nach Novartis rücken weitere Firmen ins Visier der Leerverkäufer.
02.08.2018 12:30
cash Insider
Strategen haben Glauben an höhere Kurse nicht verloren
Bild: fotolia.com

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Noch bis vor wenigen Wochen zählte der Schweizer Aktienmarkt zu den Schlusslichtern unter Europas Börsenplätzen. Doch das Blatt hat sich gewendet - und das innert kürzester Zeit.

Ausgerechnet die Halbjahresberichterstattung hat den hiesigen Indexschwergewichten Nestlé, Roche und Novartis neues Leben eingehaucht. Mittlerweile wissen wir: Auch an der Börse leben Totgesagte länger.

Seit wenigen Tagen weist der breit gefasste Swiss Performance Index (SPI) wieder eine positive Jahresbilanz auf. Das Börsenbarometer trennen keine 2 Prozent mehr vom Rekordhoch von Ende Januar bei 11'040 Punkten.

In den Ohren der Aktionäre der Börsenschlusslichter dürfte das wie Hohn klingen. Der hochverschuldete Backwarenhersteller Aryzta hat in diesem Jahr bereits 65 Prozent an Wert verloren, gefolgt vom Solarzulieferer Meyer Burger mit einem Minus von 59 Prozent, dem Vermögensverwalter GAM mit 44 Prozent, dem Textilmaschinenhersteller Rieter und dem Halbleiterzulieferer Comet mit je 37 Prozent sowie dem Schliesstechnikspezialisten Dormakaba mit 30 Prozent.

Bis zum Rekordhoch von Ende Januar ist es beim SPI bloss noch ein Katzensprung. (Quelle: www.cash.ch)

Angesichts dieser Zahlen kann von Rekordlaune bei den betroffenen Unternehmen keine Rede sein.

Im Lager der Aktienstrategen gibt man sich derweil dennoch zuversichtlich. Der für die britische Barclays tätige Emmanuel Cau traut dem Stoxx Europe 600 Index im weiteren Jahresverlauf eine Fortsetzung der jüngsten Erholung zu. Vom Jahresendziel lässt sich ein Aufwärtspotenzial von 4 Prozent ableiten.

Der Stratege rechnet mit einem weiterhin stabilen Wirtschaftsumfeld, mit widerstandsfähigen Unternehmensgewinnen und günstigen Verschiebungen im transatlantischen Währungsgefüge.

Die restriktivere Zins- und Geldpolitik sieht Cau erst 2019 und auch dann erst im späteren Jahresverlauf zum Problem für die europäischen Aktienmärkte werden.

Ebenfalls Zuversicht versprüht Chefstratege Andrew Garthwaite von der Credit Suisse. Er räumt zwar ein, dass er nicht weniger als sechs Voraussetzungen für eine Trendumkehr an den Aktienmärkten ausmache. Allerdings findet Garthwaite in allen sechs Fällen griffige Gegenargumente. Deshalb traut der Stratege dem Weltaktienindex bis Ende Jahr noch ein Aufwärtspotenzial von knapp 6 Prozent, bis Mitte 2019 gar eines von 9 Prozent zu.

Selbst Christopher Potts von Kepler Cheuvreux - seit November negativ gestimmt - stuft europäische Aktien überraschend von "Underweight" auf "Neutral" herauf. Bloss von Luxusgüteraktien wie jenen von Swatch Group oder Richemont will der bekannte Stratege partout nichts wissen. Er rät konsequent zum Verkauf von Titeln aus diesem Wirtschaftszweig.

Bei aller Zuversicht: Die grösste Gefahr für den Schweizer Aktienmarkt geht meines Erachtens immer noch von der überhitzten Leitbörse in New York aus. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Kursrutsch in Übersee bei uns für Endzeitstimmung sorgen würde...

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Zu Wochenbeginn berichtete ich von einem traurigen Extremwert bei den American Deposit Receipts (ADRs) von Novartis. In der ersten Juli-Hälfte schwollen die Wetten gegen die in New York gehandelten Titel des Gesundheitskonzerns aus Basel um satte 77 Prozent an.

Das ist mehr, als bei jedem anderen an der amerikanischen Leitbörse kotierten Grossunternehmen mit einer Börsenkapitalisierung von 25 Milliarden Dollar oder mehr (siehe Ein SMI-Schwergewicht hat es den Leerverkäufern angetan vom 30. Juli).

Ebenfalls angetan hat es den amerikanischen Leerverkäufern der Rückversicherungskonzern Swiss Re. Zum Zeitpunkt der jüngsten Erhebung wurde zwar nur mit 630'000 Aktien und damit mit 6 Prozent mehr als zwei Wochen zuvor auf rückläufige Kurse spekuliert.

Dass die Naturkatastrophen vom Spätsommer letzten Jahres die Rückversicherungsindustrie Milliarden kosteten, ihr aber nicht die erhoffte Prämiengestaltungsmacht verleihen, gilt zumindest in Übersee als ein offenes Geheimnis (siehe Hohe Erwartungen an die Prämiengestaltungsmacht von Swiss Re vom 5. Juli).

Wenn Swiss Re der Weltöffentlichkeit morgen Freitag den Zahlenkranz für das zweite Quartal präsentiert, wird sich zeigen, ob und in was für einem Ausmass der Rückversicherungskonzern seine Prämienansätze erhöhen konnte.

Alleine innerhalb der letzten sechs Wochen erfuhren die Wetten gegen die in New York gehandelten Titel von Swiss Re eine Verachtfachung - was tief blicken lässt.

Mitte Juli liefen Wetten in Höhe von 11,1 Millionen ADRs gegen die UBS. Das sind zwar 19 Prozent weniger als bei der vorangegangenen Erhebung.

Vom Haken ist die grössere der beiden Schweizer Grossbanken damit aber noch lange nicht. Die Leerverkäufer bräuchten sechs durchschnittliche Tagesvolumen, um ihre Positionen glattzustellen.

Die Aktien der Credit Suisse (rot) im Zwei-Wochen-Vergleich mit jenen der UBS (grün) (Quelle: www.cash.ch)

Zum Vergleich: Bei der Erzrivalin Credit Suisse wären es knapp zwei durchschnittliche Tagesvolumen.

Während mich die Zweitquartalszahlen der UBS nicht so recht zu überzeugen vermochten, überzeugt mich der am Dienstag veröffentlichte Zahlenkranz der Credit Suisse schon eher. Dennoch bleibe ich dabei: an attraktiv hohen Dividendenrenditen orientierte Anleger sind in den Aktien hiesiger Versicherungsunternehmen wie Zurich Insurance Group oder Swiss Re um einiges besser aufgehoben.

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