Attraktivste Börsenplätze - Schweizer Aktien stehen weit hinten an

Der cash Insider über das Abschneiden des Schweizer Aktienmarktes auf der Rangliste der attraktivsten Börsenplätze. Ausserdem zieht er eine Zwischenbilanz bei seinen Aktienfavoriten wie Roche, OC Oerlikon oder ABB.
04.07.2018 12:30
cash Insider
Schweizer Aktien stehen weit hinten an
Bild: fotolia.com

Der cash Insider ist unter @cashInsider auch auf Twitter aktiv. Lesen Sie börsentäglich von weiteren brandaktuellen Beobachtungen am Schweizer Aktienmarkt.

+++

In eigener Sache:

Zum ersten Mal in einem Dreivierteljahr verabschiede ich mich ab dem kommenden Sonntag für zwei Wochen in den Süden. Während dieser Zeit erscheint keine Kolumne.

Ab Montag, dem 23. Juli 2018, berichte ich dann wieder täglich über das Börsengeschehen.

Ich wünsche meinen Leserinnen und Lesern eine gute Zeit - und den Glücklichen unter ihnen ebenfalls erholsame Ferien.

Herzlichst,

der cash Insider

+++

Eigentlich sind Aktien aus der Schweiz ein blinder Kauf. Bei stolzen 3,7 Prozent liegt die Dividendenrendite bei den im MSCI Equities Switzerland Index berücksichtigten Unternehmen. Zum Vergleich: Beim Weltaktienindex von MSCI beträgt die durchschnittliche Dividendenrendite gerademal 2,6 Prozent.

Alleine das macht unseren Heimmarkt im internationalen Vergleich so attraktiv wie seit 30 Jahren nicht mehr. Doch damit nicht genug, weisen hiesige Unternehmen doch auch gleich noch ein höheres Gewinnwachstum als ihre Rivalen aus den umliegenden europäischen Nachbarländern auf. Das zumindest lässt sich einer Strategiestudie der UBS entnehmen (siehe Grossbank UBS rudert bei Schweizer Aktien zurück vom 26. Juni).

Doch das scheint gerade angelsächsischen Grossinvestoren ziemlich egal zu sein. Wie mir aus London berichtet wird, machen sie seit Wochen einen grossen Bogen um den Schweizer Aktienmarkt (siehe Weltgrösster Vermögensverwalter schichtet kräftig um vom 5. Juni und «Schweizer Aktien sind im freien Fall» vom 11. Juni).

In der Rangliste der attraktivsten Börsenplätze weltweit – die amerikanische Investmentbank Citigroup ermittelt diese jeden Monat anhand fester Auswahlkriterien - findet sich die Schweiz gerademal auf Rang 16 von 22 wieder.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16 auf Basis der Schätzungen für das kommende Jahr ist der Schweizer Aktienmarkt der Citigroup zufolge kein Schnäppchen.

Ganz anders sieht das die Credit Suisse und liefert gleich eine eindrückliche Grafik mit. Wie dieser Grafik entnommen werden kann befindet sich die relative Bewertung des MSCI Equities Switzerland Index gegenüber dem Weltaktienindex auf dem tiefsten Stand seit gut zehn Jahren. Die Abweichung von mehr als zwei Standardabweichungen entspricht dabei einem Extremwert (siehe nachstehende Grafik).

Relative Bewertung des MSCI Switzerland Index gegenüber dem MSCI World Index (Quelle: Credit Suisse)

Mit anderen Worten: Entweder müssen Aktien von ausserhalb der Schweiz günstiger oder jene aus der Schweiz teurer werden, damit sich dieser Extremwert wieder abbaut.

Noch vor vier Wochen war meine Welt mehr oder weniger in Ordnung. Die Schweizer Aktienfavoriten für das Börsenjahr 2018 standen zu diesem Zeitpunkt zwar um 3,4 Prozent tiefer als am 28. Dezember. Allerdings errechnete sich für den SPI damals gar ein Minus von 5,7 Prozent.

Stand Ende Juni fällt die Zwischenbilanz um einiges ernüchternder aus: Gut 6 Prozent schwächere Schweizer Aktienfavoriten stehen einem um 4,2 Prozent tieferen Gesamtmarkt gegenüber.

Negativ zu Buche schlugen zuletzt vor allem die Nebenwerte, allen voran die Valoren von Dufry und OC Oerlikon.

Vergleichsweise stabil entwickelten sich die wenige Tage zuvor im Dezember kommunizierten Dogs of the SMI mit einem Minus von 4 Prozent. Damit schnitten sie geringfügig besser ab als der um 4,2 Prozent schwächere SPI.

Was bleibt ist die Erkenntnis - und der schwache Trost - dass es schlimmer hätte kommen können. Ein Blick auf die diesjährige Verliererliste (Aryzta -62 Prozent, Comet -46 Prozent, Meyer Burger -44 Prozent, Burkhalter -35 Prozent, Rieter -30 Prozent oder EFG International -29 Prozent) lässt sogar den hartgesottenen Anleger leer schlucken.

Bilanz der letzten Jahre:

Jahr Aktienfavoriten SPI
2013 +40,1 Prozent +23,9 Prozent
2014 +11,4 Prozent +15,2 Prozent
2015 +  4,1 Prozent +  2,4 Prozent
2016 -   3,7 Prozent -   1,7 Prozent
2017 +23,6 Prozent +20,1 Prozent
2018* -    6,0 Prozent -   4,2 Prozent

* Schlusskurse vom 30. Juni 2018

Rückblickend etwas voreilig war mein Einstieg bei Meyer Burger. Am 13. Juni wurde ich bei 0,98 Franken auf meiner glücklicherweise nur kleinen Titelposition ausgestoppt. Der Rückzug des langjährigen Grossaktionärs Henderson Global liess die Kurse des Solarzulieferers aus dem bernischen Gwatt in den vergangenen Wochen vorübergehend in die Nähe von 0,80 Franken abtauchen (siehe Anleger werden bei Meyer Burger im Stich gelassen vom 22. Juni).

Die Angst vor negativen Folgen des Handelsstreits zwischen den Vereinigten Staaten und China auf die Auftragslage ist gross. Ausserdem sieht sich Meyer Burger im Schlüsselmarkt China immer öfter der Konkurrenz lokaler Zulieferer ausgesetzt.

Auch für ABB zählt China zu den Schlüsselmärkten. Im Hinblick auf die Quartalsergebnisveröffentlichung vom 19. Juli revidieren erste Analysten ihre Gewinnschätzungen nach unten (siehe ABB muss nun liefern von gestern).

Mit einem Minus von rund 18 Prozent zählen die Aktien des Industriekonzerns aus Zürich seit Jahresbeginn zu den Schlusslichtern aus dem Swiss Market Index (SMI).

Die milliardenschweren Übernahmen vergangener Tage dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass das einstige Vorzeigeunternehmen in den letzten zehn Jahren mit einem organischen Nullwachstum aufwartete.

Kein Wunder, werden im Grossaktionariat Stimmen laut, die grundlegende Konsequenzen fordern. Das Lager unzufriedener Aktionäre wie Cevian Capital und Artisan Partners dürften in den letzten Wochen jedenfalls Zulauf erfahren haben.

Ob ABB allen Unkenrufen zum Trotz doch noch in die Wachstumsspur zurückfindet, dürfte in gut zwei Wochen der Zahlenkranz für das zweite Quartal verraten.

Aktuelle Positionen Aktienfavoriten:

Titel Anzahl Einstand akt. Wert* Erfolg G/V
Barmittel     22'665,65    
ABB N 385 26,00   8'358,35 -1'651,65 -16,50 Prozent
LafargeHolcim N 182 54,95   8'805,16 -1'195,75 -11,96 Prozent
Nestlé N 120 83,40   9'228,00 -   792,00 -  7,90 Prozent
Roche GS 40 246,80   8'822,00 -1'050,00 -10,64 Prozent
Basilea N 132 75,50   8'712,00 -1'254,00 -12,58 Prozent
Clariant N 400 25,50   9'528,00 -   672,00 -  6,59 Prozent
Dufry N 69 144,80    8'721,60 -1'269,60 -12,71 Prozent
OC Oerlikon N 600 16,87   9'114,00 -1'080,00 -  9,96 Prozent
           
Total     93'954,76   -6,04 Prozent

* Schlusskurse vom 30. Juni 2018

Ursprünglich sah bei OC Oerlikon alles danach aus, als ob sich mit dem Börsengang der auf Getriebetechnik spezialisierten Drive Systems ein Mehrwert für die Aktionäre erzielen liesse.

Doch es sollte alles ganz anders kommen: Alleine schon die Preisspanne für die dem Publikum angebotenen Aktien weckt gewisse Zweifel.

Das Mutterhaus selbst rechnet im besten Fall mit einem Erlös aus dem Börsengang von bis zu 620 Millionen Franken, was einem rechnerischen Unternehmenswert von 700 Millionen Franken entspräche.

Analysten waren bisweilen von einem Unternehmenswert von gut 800 Millionen Franken ausgegangen, wobei mir gegenüber sogar von bis zu 880 Millionen Franken die Rede war.

Der Börsengang von Drive Systems dürfte der erste logische Schritt hin zur Übernahme des Oberflächentechnologiegeschäfts der amerikanischen Praxair sein.

Letztendlich wird der Kaufpreis für diese Geschäftsaktivitäten darüber entscheiden, ob sich der Kurs der Aktien von OC Oerlikon im weiteren Jahresverlauf kräftig erholt. Das letzte Wort scheint mir diesbezüglich noch nicht gesprochen.

Totgesagte leben länger - und das auch an den Aktienmärkten. Jüngstes Beispiel ist der Pharma- und Diagnostikkonzern Roche. Was wurde in den letzten Wochen und Monaten nicht alles über das traditionsreiche Unternehmen aus Basel geschrieben?!

Roche habe es verpasst, sich rechtzeitig für den Ablauf des Patentschutzes bei umsatzstarken Medikamenten wie Rituxan, Avastin oder Herceptin zu wappnen, so war beispielsweise zu lesen.

Gleichzeitig wurde das kommerzielle Potenzial von aufstrebenden Wirkstoffen wie Ocrevus gegen Multiple Sklerose oder Perjeta und Tecentriq gegen Krebs in den Finanzmedien heruntergeredet.

Die jüngsten Erhebungen von J.P. Morgan für Nordamerika geben nun aber Grund zur Hoffnung. Angeblich steigerte Roche den Medikamentenabsatz in dieser Schlüsselregion im zweiten Quartal kräftig. Ob das für eine positive Ergebnisüberraschung ausreicht, wird sich zeigen müssen und hängt nicht zuletzt davon ab, ob das vom Patentablauf betroffene Rituxan in Europa weitere Marktanteile an günstigere Nachahmerpräparate verloren hat.

Derweil spielen ausgerechnet die grossen amerikanischen Rivalen mit dem Feuer. Wie aus Übersee zu vernehmen ist, erhöhte Pfizer erst kürzlich den Preis für mehr als 100 Medikamente – und wurde damit Präsident Donald Trump gegenüber wortbrüchig. Die Reaktion wird vermutlich nicht lange auf sich warten lassen und auch für hiesige Pharmaunternehmen zur Hypothek.

Aktuelle Positionen "Dogs of the SMI":

Titel Anzahl Einstand akt. Wert* Erfolg G/V
LafargeHolcim N 185 53,90 8'950,30 -1'021,20 -10,24 Prozent
Roche GS 41 244,00 9'042,55 -   961,45 -  9,61 Prozent
Swisscom N 19 520,50 8'420,80 -1'468,70 -14,85 Prozent
Swiss Re N 108 92,20 9'255,60 -   702,00 -  7,05 Prozent
Zurich N 33 298,10 9'705,30 -   132,00 -  1,34 Prozent
           
Total     45'374,55   -  3,98 Prozent

* Schlusskurse vom 30. Juni 2018

Kräftig nach unten ging es zuletzt für die Aktien von LafargeHolcim. Die Angst, dass sich auch das amerikanische Justizministerium in die Syrien-Affäre einschaltet, ist durchaus berechtigt (siehe Washington könnte LafargeHolcim als politisches Druckmittel missbrauchen vom 2. Juli).

Auch vom Tagesgeschäft ist vorerst wohl noch nicht viel zu erwarten. Womöglich blickt der Weltmarktführer aus Jona auf ein durchwachsenes zweites Quartal zurück. Gerade aus den Schwellenländern bläst ein kühler Wind gen den hiesigen Hauptsitz. Der neue Konzernchef Jan Jenisch ist und bleibt gefordert.

Die Aktien von LafargeHolcim verlangen Geduld. Immerhin entschädigt die mittlerweile bei 4,2 Prozent liegende Dividendenrendite fürs Warten auf operative Fortschritte.

Bisherige Transaktionen:

Datum Titel   Anzahl Kurs   Total
29.12.2017 Burckhardt N Kauf 32 315,50 Franken 10'096,00-
29.12.2017 Roche GS Kauf 40 246,80 Franken 9'872,00-
29.12.2017 Basilea N Kauf 132 75,50 Franken 9'966,00-
29.12.2017 Nestlé N Kauf 120 83,50 Franken 10'020,00-
29.12.2017 Dufry N Kauf 69 144,80 Franken 9'991,20-
29.12.2017 ABB N Kauf 385 26,00 Franken 10'010,00-
29.12.2017 LafargeHolcim N Kauf 182 54,95 Franken 10'000,90-
24.01.2018 Burckhradt N Verkauf 32 364,25 Franken 11'656,00+
07.02.2018 Clariant N Kauf 400 25,50 Franken 10'229,00-
15.02.2018 Put WLHBRV Kauf 3'640 0,25 Franken 939,00-
05.03.2018 Put WLHBRV Verkauf 3'640 0,36 Franken 1'281,40+
16.04.2018 Call AMIFJB Kauf 3'300 0,455 Franken 1'530,50-
16.04.2018 Put AMPRJB Kauf 3'300 0,455 Franken 1'530,50-
24.04.2018 Call AMIFJB Verkauf 3'300 0,09 Franken 268,00+
24.04.2018 Put AMIFJB Verkauf 3'300 0,971 Franken 3'175,30+
04.05.2018 OC Oerlikon N Kauf 600 16,87 Franken 10'151,00-
04.05.2018 Put DUFATZ Kauf 2'760 0,17 Franken 498,20-
08.05.2018 Put DUFATZ Verkauf 2'760 0,12 Franken 364,00+
29.05.2018 Meyer Burger N Kauf 4'500 1,12 Franken 5'069,00-
13.06.2018 Meyer Burger N Verkauf 4'500 0,98 Franken 4'381,00+

 

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.