Vorsicht bei den wohl teuersten Aktien der Schweiz

Der cash Insider warnt vor Kursexzessen bei Lindt & Sprüngli, Ypsomed und anderen Nebenwerten. Ausserdem verrät er, weshalb die Sache bei einigen dieser Aktien schon seit Wochen aus dem Ruder läuft.
13.07.2016 12:30
cash Insider
Vorsicht bei den wohl teuersten Aktien der Schweiz
Bild: fotolia.com

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Schon seit Jahren sind die Namenaktien von Lindt & Sprüngli an der Schweizer Börse SIX der Inbegriff von teuer. Das hat nicht zuletzt auch damit zu tun, dass Anleger mittlerweile 70'500 Franken für eine solche hinblättern müssen. Nur die Partizipationsscheine gibt es günstiger zu haben. Aber selbst diese sind mit 5880 Franken nicht für jedermann erschwinglich. So exklusiv die Schokolade des Traditionsunternehmens aus Zürich, so exklusiv sind auch dessen Valoren.

Bei einem Blick auf die Bewertungskennzahlen stockt selbst alteingesessenen Börsianern der Atem. Obschon Namenaktien und Partizipationsscheine unter ihren im Dezember erklommenen Höchstkursen notieren, wird Lindt & Sprüngli mit dem 36-fachen des für das kommende Jahr erwarteten Gewinns bewertet. Das entspricht einem atemberaubenden Aufpreis von 60 Prozent gegenüber dem Durchschnitt aller Nahrungsmittelhersteller. Noch nie zuvor mussten Anleger tiefer für diese Valoren in die Tasche greifen.

Qualität hat eben seinen Preis, so werden mir jetzt einige Leserinnen und Leser begegnen. Allerdings wäre es geradezu fahrlässig, die wachstumsstarken letzten Jahre einfach so in die Zukunft zu extrapolieren. Denn darf man den Absatzstatistiken des Beratungsunternehmens Nielsen Glauben schenken, fällt es Lindt & Sprüngli zusehends schwer, aus eigener Kraft zu wachsen. Das könnte auch erklären, weshalb sich der Hersteller von Premiumschokolade mit Russell Stover im Sommer vor zwei Jahren erstmals zu einem milliardenschweren Firmenkauf hat hinreissen lassen.

Es gibt am hiesigen Aktienmarkt aber noch viel teurere Aktien, beispielsweise jene von Ypsomed. Schon als der bekannte Burgdorfer Gründervater Willy Michel sein Unternehmen im September 2004 dem Publikum öffnete, gingen die Aktien weg wie warme Semmeln. Innerhalb von weniger als zwei Jahren verdreifachte sich der Börsenwert von Ypsomed.

Was folgte, war eine langjährige und für die Aktionäre der ersten Stunde ziemlich zermürbende Wachstumsflaute. Mittlerweile hat der Hersteller von Injektionspens und Insulinpumpen wieder Tritt gefasst. Seit nunmehr drei Jahren zeigt die Kursentwicklung steil nach oben.

Erst vor wenigen Tagen heizte die Credit Suisse den bei Nebenwertefonds sehr beliebten Valoren so richtig ein (siehe Artikel vom 8. Juli). Der für die Schweizer Grossbank tätige Medizinaltechnikexperte revidierte seine Gewinnschätzungen zwar nur um bis zu 8 Prozent nach oben. Sein Kursziel erhöhte er allerdings auf nicht weniger als 205 (160) Franken.

Die überdurchschnittlich starken Wachstumsaussichten stellt bei Ypsomed bestimmt niemand in Abrede. Dennoch kann man sich fragen, wo denn da bitteschön die Fantasie sein soll, wenn Anleger heute schon mehr als das 50-fache des nächstjährigen Gewinns zu zahlen bereit sind.

Alleine in den vergangenen drei Jahren hat sich der Börsenwert des Unternehmens mehr als vervierfacht. Womöglich auch deshalb, weil sich lediglich knapp 25 Prozent aller ausstehenden Aktien im Publikum befinden. Die übrigen sind im Besitz der Gründerfamilie Michel.

Ähnlich ist die Ausgangslage bei Ems-Chemie, ebenfalls schon seit Monaten ein Überflieger an der Schweizer Börse SIX. Als Zulieferer der Automobilindustrie kann der Spezialitätenchemiehersteller aus Domat auf wachstumsreiche Jahre zurückblicken. Das dürfte vor allem die Familie Blocher freuen, kontrolliert diese insgesamt doch 69,7 Prozent der Stimmen. Der Börsenwert von Ems-Chemie hat sich in den letzten Jahren vervielfacht, was nicht ohne Folgen für die Bewertung blieb. Waren Anleger früher nur bereit, den zehnfachen Jahresgewinn für diese Aktien zu bezahlen, so ist es inzwischen fast dreimal so viel.

Die Beispiele Ems-Chemie und Ypsomed zeigen: Problematisch wird es dort, wo ein enger Markt herrscht. In diese Kategorie von Unternehmen fallen auch Galenica und Temenos. Bei beiden hält der bekannte Financier Martin Ebner grössere Aktienpakete im Umfang von 17,3 und 15 Prozent. Ein weiterer Fünftel der Aktien von Galenica befindet sich im Besitz einer Aktionärsgruppe bestehend aus der Private Equity Firma Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und Stefano Pessina.

Je enger der Markt, desto stärker die Kursausschläge. In den vergangenen Monaten waren vor allem solche nach oben zu beobachten, flossen doch Milliarden von Franken aus den als langweilig verschrieenen im Swiss Market Index (SMI) vertretenen Aktien in die Nebenwerte. Im Zuge dieser Umschichtungstransaktionen, nicht nur seitens in- sondern vor allem auch ausländischer Marktakteure, sind die Bewertungen in diesem Titelsegment stark gestiegen.

Neben Lindt & Sprüngli, Ypsomed, Ems-Chemie, Galenica und Temenos zählen heute auch Emmi, Partners Group und Straumann zu den teuersten Aktien überhaupt (siehe Aufstellung unten). Eines haben diese Aktien übrigens gemeinsam: Sie alle haben eine grundlegende Höherbewertung durchlaufen und stehen auf oder zumindest in der Nähe ihrer historischen Höchststände.

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass bei den Nebenwerten eine gefährliche Blase entstanden ist (siehe Kolumne vom 1. Juli). Irgendwann hat noch jeder Höhenflug ein jähes Ende genommen. Langjährige Aktionäre einst beliebter Unternehmen wie Leonteq, AMS oder der Myriad Group werden wissen, wovon ich schreibe.

 

Ein Überblick über die wohl teuersten Aktien der Schweiz

Aktie

KGV* 2016

KGV* 2017

Ypsomed N

53,7

40,3

Lindt & Sprüngli N

40,3

36,8

u-blox N

34,1

28,4

Straumann N

32,6

28,7

Ems-Chemie N

27,3

25,6

Temenos N

28,7

25,9

Galenica N

26,8

23,3

Partners Group N

26,5

22,8

Emmi N

25,5

24,5

* = Kurs-Gewinn-Verhältnis

 

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