Frankfurt oder ParisBanken suchen ein Brexit-Exil

Nach dem Brexit brauchen Banken in London eine neue Lizenz, um in der EU zu geschäften. Was bisher über die Planungen der Finanzinstitute bekannt ist.
13.07.2017 19:15
Die Skyline der deutschen Bankenmetropole Frankfurt am Main.
Die Skyline der deutschen Bankenmetropole Frankfurt am Main.
Bild: Pixabay

Nach dem geplanten EU-Austritt Grossbritanniens brauchen in London ansässige Finanzinstitute eine eigene Gesellschaft mit Banklizenz in einem Land der EU, um ihre Produkte und Dienstleistungen in den verbleibenden 27 Mitgliedstaaten vertreiben zu dürfen.

Paris, Frankfurt, Dublin, Amsterdam und andere buhlen um die Brexit-Flüchtlinge. Bis Freitag, 14. Juli, müssen in Grossbritannien tätige Banken ihre Planungen für den Brexit bei der Bank of England einreichen. Der Standortvermarkter Frankfurt Main Finance erwartet, dass danach weitere Banken ihre Brexit-Pläne öffentlich machen werden. Was bisher über die Planungen der Banken bekannt ist:

Wie viele Banker ziehen um?

Wie viele Arbeitsplätze verlagert werden, hängt insbesondere von den Vorgaben der Aufsichtsbehörden und der Ausgestaltung des Brexit ab. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin fordert von den Banken, bei einem Umzug auch wesentliche Teile ihres Managements von Grossbritannien nach Deutschland zu verlagern. Auch der EU-Finanzaufsicht Esma sind Briefkastenfirmen ein Dorn im Auge, bei denen Banken nur formal ihren Sitz verlagern, aber der Vorstand, die IT und das Controlling weiter in London oder einem anderen Land ausserhalb der EU sitzen.

Der Verband der Auslandsbanken erwartet, dass durch den Brexit in den nächsten zwei Jahren 3000 bis 5000 Arbeitsplätze in Frankfurt entstehen. Der Standortvermarkter Frankfurt Main Finance rechnet damit, dass bis 2021 rund 10'000 Stellen von der Themse an den Main verlagert werden, falls auch die Europäische Bankenaufsicht (EBA) von London nach Frankfurt sowie das Euro-Clearing verlagert werden.

Wer wählt Frankfurt?

Deutsche Bank
Die Deutsche Bank will laut Finanzkreisen Teile des Wertpapiergeschäfts nach Frankfurt verlagern. Am Firmensitz soll ein Buchungszentrum entstehen, in dem grosse Teile des Europa-Geschäfts mit institutionellen und Firmenkunden verarbeitet und abgewickelt werden, wie ein Insider Anfang Juli sagte.

Dort sollen auch Überwachungs- und Kontrollaufgaben erledigt werden, die bisher in Grossbritannien angesiedelt sind. Vorstandsmitglied Sylvie Matherat hatte bereits im Mai eine Zahl von rund 4000 Mitarbeitern genannt, die nach dem Austritt Grossbritanniens aus der EU aus London abgezogen werden könnten. Dort arbeiten derzeit fast 8600 Menschen für die Deutsche Bank.

Der Umbau soll laut Finanzkreisen in den nächsten 18 Monaten über die Bühne gehen. Die Bank behalte sich vor, die Pläne zu ändern, wenn die Brexit-Verhandlungen zu einem Ergebnis kämen, das einen Verbleib vieler Funktionen in London ermögliche.

J.P. Morgan
Die grösste US-Bank J.B. Morgan wird sich wohl für Frankfurt als rechtlichen Sitz für sein Europageschäft entscheiden, da die Tochter am Main die erforderlichen Lizenzen schon besitzt. "Aber die Mitarbeiter könnten in Paris, den Niederlanden oder Madrid sitzen. Wir haben uns noch nicht entschieden", sagte JP-Morgan-Chef Jamie Dimon am 11. Juli.

Standard Chartered
Die britische Grossbank Standard Chartered will den Standort Frankfurt zu ihrer Europa-Basis ausbauen und sich damit nach dem Brexit den Zugang zur Europäischen Union sichern. "Die Wahl ist wie selbstverständlich auf Frankfurt gefallen, da wir dort eine Niederlassung haben und da auch das Euro-Clearing machen", begründete Chairman Jose Vinals im Mai die Entscheidung. Bislang hat die Bank in Frankfurt rund 100 Mitarbeiter. Wie viele Beschäftigte das Institut am Ende in der Main-Metropole haben wird, hängt vom Ausgang der Brexit-Verhandlungen ab.

Goldman Sachs
Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat Banklizenzen in Deutschland und Frankreich sowie Niederlassungen in weiteren Städten Europas. "In den nächsten 18 Monaten werden wir diese Standorte ausbauen, wir werden in einigen davon zusätzliche Flächen anmieten, und wir werden dort Stellen und Fähigkeiten aufbauen", sagte Europa-Chef Richard Gnodde Ende März. Die Bank beschäftigt in London rund 6000 Mitarbeiter, in Frankfurt sind es lediglich rund 200. Es sei sehr wahrscheinlich, dass sich die Zahl der Stellen in Frankfurt wenigstens verdoppeln werde, sagte Gnodde Mitte Juni der "FAS".

Sumitomo Mitsui Financial Group
Japans drittgrösste Bank Sumitomo Mitsui Financial Group will eine eigene Tochter in Frankfurt gründen. Wie viele der rund 1000 Sumitomo-Financial-Mitarbeiter in London an den Main umziehen, ist noch offen.

Nomura
Auch die japanische Investmentbank Nomura hat sich für Frankfurt als künftigen EU-Standort entschieden. Sie hat eine Lizenz für eine neue Tochtergesellschaft am Main beantragt. Nomura zählt 3000 Beschäftigte in Europa, die meisten davon in London. Die Bank wollte sich nicht dazu äussern, wie viele Jobs nach Frankfurt verlagert werden. Die meisten Banker dürften aber auch nach dem Brexit in London bleiben.

Daiwa Securities
Der japanische Wertpapierhändler Daiwa Securities will ebenfalls eine neue Tochter am Main gründen und eine entsprechende Lizenz in Deutschland beantragen. Das Unternehmen zählt etwa 450 Beschäftigte in Grossbritannien. Unklar ist bislang, wie viele Mitarbeiter nach Frankfurt wechseln, wo Daiwa bereits seine Sparte Investmentbanking angesiedelt hat.

Morgan Stanley
Die US-Investmentbank Morgan Stanley will einem Zeitungsbericht zufolge ihren Standort in Frankfurt ausbauen. Künftig sollten 400 Banker am Main angesiedelt sein, berichtete die "Welt am Sonntag" Ende Juni. Bislang arbeiten dort 200 Menschen für das US-Institut.

Wer will nach Paris?

HSBC
Die britische Grossbank HSBC will bei einem "harten" Brexit, bei dem Grossbritannien seinen freien Zugang zum europäischen Binnenmarkt verliert, rund 1000 Jobs nach Paris verlagern. Die Bank beschäftigt 43'000 Menschen in ihrer Heimat.

Société Générale
Das französische Geldinstitut Société Générale könnte rund 400 Jobs aus dem Investmentbanking und den Firmenkundengeschäft (CIB) aus London verlagern, die meisten davon nach Paris, sagte Vorstandschef Frederic Oudea am 11. Juli. In London zählt Société Générale bislang 2000 Beschäftigte diesen Sparten.

BNP Paribas
Die französische Grossbank BNP Paribas könnte einem Insider zufolge bis zu 300 Investmentbanker aus London nach Frankreich verlagern. Ende 2016 zählte BNP Paribas gut 3.100 Beschäftigte in der Investmentbank in London.

Crédit Agricole
Die französische Bank Crédit Agricole könnte nach eigenen Angaben rund 100 seiner 1000 Jobs in London nach Paris verlagern.

Wen ziehts nach Amsterdam?

Mistsubishi UFJ Financial Group/Mizuho Financial Group
Die beiden japanischen Grossbanken Mistsubishi UFJ Financial Group und Mizuho Financial Group sind nicht auf einen Umzug angewiesen, da sie bereits Tochtergesellschaften in Amsterdam haben.

(Reuters)