Der Erdrutschsieg der US-Demokraten scheint die Karten an der Börse neu gemischt zu haben. Der November dürfte für die Anleger demnach stürmisch bleiben. Neben zahlreichen Firmenbilanzen stehen in der neuen Woche US-Inflationsdaten und Kommentare von Notenbankern auf dem Programm.
Mit dem klaren Ausgang der Zwischenwahlen ist eine drohende Hängepartie in Washington zwar vom Tisch. «Der Erleichterung folgte an den Märkten jedoch schnell die Erkenntnis, dass der KI-Industrie zukünftig ein starker Gegenwind ins Gesicht blasen wird», sagen die Analysten der LBBW. Wie US-Präsident Donald Trump angesichts der für ihn bitteren Niederlage weiter regieren wird, ist ungewiss. «Ob er beim Iran-Krieg nun ‹All In› geht oder klein beigibt, bleibt abzuwarten», sagt Helaba-Stratege Ulf Krauss.
Der Schweizer Leitindex notiert am Freitagnachmittag mehr als 2 Prozent im Minus bei 14'657,50 Punkten, nachdem er am Mittwoch erstmals über die 15'000-Punkte-Marke geklettert war und bei 15'022,85 Punkten geschlossen hatte. Damit steuert der SMI auf ein Wochenminus von 1,2 Prozent zu.
Ölpreisschwankungen machen Investoren nervös
Das Auf und Ab der Ölpreise dürfte an den Aktienmärkten für anhaltende Nervosität sorgen. Nordseeöl Brent verbilligte sich binnen einer Woche um rund 16 Prozent, da die Hoffnung auf ein Ende des Krieges im Nahen Osten wuchs. «Öl muss nicht bei 117 Dollar liegen, um teuer zu sein, und ein Rückgang auf 93 Dollar bedeutet nicht, dass die zugrunde liegenden Probleme verschwunden sind», sagt Matt Stanley, Energieanalyst bei Kpler.
Die Flucht in sichere Häfen nahm wegen der Verkaufswelle bei Technologiewerten rund um den Globus zu, was die Anleiherenditen deutlich drückte. Investoren werden besonders auf die anstehenden Kommentare zahlreicher US-Notenbanker in der Woche achten. Am Mittwoch findet an den US-Anleihemärkten wegen des Feiertages Veterans Day kein Handel statt, der Aktienmarkt ist jedoch geöffnet.
US-Inflationsdruck dürfte hoch bleiben
Auf der Konjunkturseite dürften am Dienstag die US-Verbraucherpreise ins Rampenlicht rücken. Diese sind - neben den Arbeitsmarktdaten - entscheidend für das weitere geldpolitische Vorgehen der US-Notenbank Fed. Commerzbank-Experte Christoph Balz geht davon aus, dass der Inflationsdruck im Oktober nicht nachlässt. Damit wäre eine weitere Zinsanhebung auf der nächsten Sitzung im Dezember aus seiner Sicht sehr wahrscheinlich. «Denn der eine bisherige Schritt um 25 Basispunkte im September wird wohl kaum ausreichen, die Inflation entscheidend zu dämpfen», prognostiziert Balz.
Die Fed hatte den Leitzins Mitte September auf die Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben, bei der letzten Sitzung in der vergangenen Woche aber pausiert. Die Teuerung ist zuletzt vor allem durch die hohen Energiepreise infolge des Iran-Krieges nach oben geschossen. Die US-Zentralbank peilt bei der Inflationsrate einen Wert von 2,0 Prozent an, der jedoch seit Jahren überschritten wird.
Swiss Life und Zurich mit Zahlen
Hierzulande bleibt es zum Wochenauftakt ruhig. Ab Dienstag geht es mit der Quartalsberichterstattung weiter, wenn Lem, Sunrise, On und Alcon ihre Bücher öffnen. Am Mittwoch folgen Swiss Life, Softwareone und Ypsomed. Am Donnerstag zieht Zurich mit ihrem Q3-Ergebnis nach, ebenso Adecco, Montana Aerospace und Sonova. Zum Wochenschluss präsentieren AMS Osram und Richemont ihre Zahlen zum dritten Quartal respektive zum ersten Halbjahr.
Auch in Deutschland geht es mit der Bilanzsaison weiter. Am Montag warten Anleger unter anderem auf die Geschäftszahlen von Hannover Rück. Am Dienstag folgen die Bilanzen von Henkel, Infineon und Porsche. Zur Wochenmitte gewähren E.ON, RWE, Siemens Energy und Brenntag einen Blick in ihre Bücher. Am Donnerstag legen Merck, Siemens, Münchener Rück und die Allianz ihre Quartalszahlen vor.
(Reuters/cash)

