Die Valoren von Richemont melden sich mit einem Wochengewinn von 6,5 Prozent eindrücklich an der Spitze des Swiss Market Index (SMI) zurück. Auf Jahresfrist steht der Titel 9,6 Prozent höher und hat den SMI knapp hinter sich gelassen, der um 8,9 Prozent avancierte. 

Der Krieg im Nahen Osten, eine schwache Nachfrage in China und die steigende Inflation setzen Europas Luxusgütersektor seit Ende Februar zu. Entsprechend ging es auch mit den Richemont-Titeln zwischenzeitlich vom Jahreshoch per Ende Februar bei 180 Franken auf ein Jahrestief von 128 Franken zurück, ehe sich dieser wieder auf 158 Franken erholte. 

Anhand der Daten aus China kann erklärt werden, weshalb die Luxusgüteraktien im Jahresverlauf schlecht abschnitten. Die chinesischen Importe gingen im März sequenziell um 13,4 Prozent zurück, verglichen mit +0,6 Prozent im Februar und +22,0 Prozent im Januar, wie die Analysten der Deutschen Bank in einer jüngst publizierten Studie festhielten.

Die wichtigsten Kennzahlen für März sind hierbei die geschrumpften Importe von Handtaschen, die insgesamt nur noch leicht um 3,4 Prozent anstiegen. Im Februar lag der Wert noch bei einem Plus von 10,0 Prozent. Die schwachen Importe von Handtaschen aus Nicht-Leder-Materialien zeigten einen mageren Zuwachs von 0,6 Prozent gegenüber plus 19,3 Prozent. Vor diesem Hintergrund haben wenig erstaunlich Firmen wie LVMH, Kering und Hermès bei der Präsentation der Quartalsergebnisse gegen Ende April vor der schwächeren Nachfrage gewarnt – mehr dazu hier.

Der für Richemont wichtige chinesische Schmuckmarkt steht im Jahresvergleich dagegen – trotz der hohen Schwankungen – besser da. Die Exporte nach China verbesserten sich im März auf -29,3 Prozent gegenüber -36,9 Prozent im Vorjahr. Auf der anderen Seite zogen die Einzelhandelsumsätze mit Gold, Silber und Schmuck um 9,9 Prozent an.

Dazu muss man wissen: Der Richemont-Wachstumsmotor ist der Schmuck- und nicht der Uhrenbereich. Die bessere Entwicklung im Juwelier- und Schmuckgeschäft lässt sich auch an der Aktienperformance ablesen. Während Richemont in den vergangenen drei Jahren um 8 Prozent avancierte, gingen die Titel von Hermès um 7 Prozent nach unten. LVMH verloren in der gleichen Periode 23 Prozent, Swatch 30 Prozent und Kering brachen gar um mehr als die Hälfte ein. 

Zusammen mit der Entspannung im Iran-Krieg hat der Gegenwind beim führenden Schweizer Luxusgütersteller abgenommen. Der verbesserte Ausblick dürfte bis zu einem gewissen Grad in den aktuellen Preisen bereits eskomptiert sein. 

Seit dem Ausbruch des Iran-Krieges haben die Analysten die Ratings grösstenteils unter positiven Vorzeichen unverändert belassen. Gemäss AWP-Analyzer stufen 16 Analysten den Titel mit «Kaufen», fünf mit «Halten» und einer mit «Verkaufen» ein. Seit Anfang März wurden lediglich die Kursziele im Schnitt um 5 Prozent nach unten korrigiert. Dieses steht nun bei 181 Franken. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von knapp 15 Prozent für die nächsten zwölf Monate. 

Thomas Daniel Marti
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