Wie in der Vergangenheit gerieten vor allem Tourismuswerte stark unter Druck. Der Stoxx Europe 600 Travel & Leisure rutschte zeitweise um mehr als 5 Prozent ab an sein November-Zwischentief. Dagegen setzte der Branchenindex der Öl- und Gaswerte seine Rekordrally fort. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 fiel zeitweise zurück unter die runde Marke von 6000 Punkten. Am späten Vormittag lag er mit 6025 Punkten noch 1,8 Prozent im Minus.
Ölwerte profitierten vom starken Anstieg der Ölpreise. In der Nacht zum Montag stiegen die Notierungen für Brent-Öl aus der Nordsee und Rohöl aus den USA in den ersten Handelsminuten um jeweils mehr als zehn Prozent, bevor sie etwas zurückkamen. Am Aktienmarkt konnten dies vor allem die Anleger von Eni und Totalenergies ummünzen, für die JPMorgan eine Empfehlung aussprach.
Bei Eni vollzog Experte Matthew Lofting sogar eine Kehrtwende nach bisher negativer Einstufung. Durch die Strasse von Hormus, deren Verkehr der Iran nun einschränkt, gingen zwischen 20 und 30 Prozent der globalen Öl- und Gasversorgung, so Lofting. Die Sicherheit dieser Transporte stehe nun ganz klar im Fokus. Die Anleger sollten im Energiebereich insbesondere auf Unternehmen mit hohem Ölpreis-Hebel setzen. Eni-Aktien seien bei Ölpreisen von 70 Dollar und mehr je Barrel im Branchenvergleich wieder günstig.
Stark profitieren konnten auch Rüstungswerte von der deutlich gestiegenen geopolitischen Unsicherheit. Die Papiere der britischen BAE Systems sprangen in der Spitze gar um 8 Prozent auf einen neuen Rekord. Experten rückten sie in den Fokus, weil sie die Infrarot-Zielerfassung der Lenkflugkörper im THAAD-Raketenabwehrsystem der US-Armee liefern. In den ersten Angriffen gegen den Iran im Juni 2025 seien Medienberichten zufolge zwischen 15 und 25 Prozent des gesamten THAAD-Arsenals gebraucht worden, um iranische Raketen gegen Israel abzufangen, schrieb David Perry von JPMorgan. Nun dürfte das Verschleisstempo weitaus höher liegen.
Im Tourismussektor wurden die Aktien von Tui sowie die von Fluggesellschaften und Flughäfen derweil verkauft. Die Anleger sorgen sich um Flugstreichungen, operative Behinderungen, steigende Ölpreise und eine möglicherweise geringere Nachfrage.
Auch Einzelhandelswerte standen unter Druck. Hier stehen unter anderem steigende Frachtkosten etwa für Waren aus Asien im Fokus - ein Aspekt, der Aktien von Reedereien eher antreibt.
(AWP)

