Nach dem Schock des Irankriegs müssen sich die Anleger am Schweizer und an den internationalen Aktienmärkten auf weitere Turbulenzen einstellen. Der Angriff Israels und der USA auf den Iran hat zu einem sprunghaften Anstieg der Energiepreise geführt und deutliche Spuren auf den Finanzmärkten hinterlassen.
So verlor der Swiss Market Index (SMI) zum Handelsschluss am Freitag 1,52 Prozent auf 13'095,55 Punkte, im Tagestief am Nachmittag war er gar knapp unter die Marke von 13'000 Zählern gefallen. Auf Wochensicht ergab sich ebenfalls ein tiefrotes Ergebnis. Der Wochenverlust von 6,6 Prozent entspricht dem grössten seit Ausrufung des sogenannten «Liberation Day» Anfang April 2025. Damals hatte US-Präsident Donald Trump seine weltweiten US-Zölle angekündigt und der SMI verlor in jener Woche 9,3 Prozent.
Der Gesamtmarkt gemessen am breiten Swiss Performance Index (SPI) schwächte sich derweil um 1,38 Prozent auf 18'099,81 Punkte ab. Die Nervosität am Markt zeigte sich auch am Volatilitätsbarometer VSMI - auch Angstbarometer genannt: Er stieg innerhalb einer Woche um die Hälfte.
Nicht wesentlich besser als die Schweizer Börse schnitten die US-Märkte ab: Der Dow Jones, der vor fast einem Monat noch über 50'500 Punkte geklettert war, hatte sich im frühen Handel am Freitag kurzzeitig der Marke von 47'000 Zählern genähert. Letztlich erholte sich der bekannteste Wall-Street-Index spürbar mit minus 0,95 Prozent auf 47'502 Punkte. Im Wochenverlauf bedeutet das ein Minus von 3,0 Prozent.
Um 1,33 Prozent auf 6740 Punkte ging es am Freitag für den breit gefassten S&P 500 abwärts. Der Nasdaq 100 , der die Inflationssorgen bisher deutlich besser wegsteckte, sank um 1,51 Prozent auf 24'643 Zähler.
«Keine eindeutigen Anzeichen auf Deeskalation»
Zwar besserte sich die Stimmung im Laufe der vergangenen Handelstagen vorübergehend etwas, doch Strategen warnen vor verfrühtem Optimismus. «Der Konflikt dauert weiterhin an, und es gibt keine eindeutigen Anzeichen dafür, dass eine bedeutende Deeskalation eingesetzt hat», sagt Marktanalyst Fawad Razaqzada vom Broker StoneX. Die Börsen seien immer noch sehr nachrichtengetrieben.
«Je länger der Krieg dauert, umso grösser werden die wirtschaftlichen Auswirkungen sein», schreiben die Experten der Helaba. Die derzeitige Tendenz an den Finanzmärkten könnte sich demnach noch beschleunigen.
Dabei bestehe das grösste wirtschaftliche Risiko aktuell in der faktischen Unpassierbarkeit der Strasse von Hormus, was sowohl die Preise für Flüssiggas als auch für Brentöl auf Höchststände getrieben hat. Der Tankerverkehr durch die Meerenge vor der iranischen Küste, über die ein Fünftel des weltweiten Ölhandels läuft, ist angesichts Sicherheitsbedenken von Reedern und Händlern nahezu zum Erliegen gekommen.
Inflation im Fokus
Die Experten der Commerzbank gehen in ihrem Basisszenario weiter davon aus, dass der Krieg und damit die Behinderungen des Schiffsverkehrs in der Strasse von Hormus in wenigen Wochen zu Ende gehen. Angesichts des von der US-Regierung und der israelischen Regierung immer wieder genannten Ziels eines «Regime-Wechsels» bestehe allerdings das Risiko, dass sich die Angriffe der USA und Israels über einige Monate hinziehen und damit auch den Transport von Öl und Gas länger behindern würden.
Die Ängste vor Energieengpässen mit steigenden Preisen und neuen Inflationswellen dürften die Anleger damit auch in der neuen Woche begleiten. Wie es um die Teuerung in China bestellt ist, werden die Februar-Daten am Montag zeigen, gefolgt von Deutschland am Dienstag. Dann stehen auch die US-Konsumentenrpreise an. Am Freitag blicken die Investoren dann auf die Veröffentlichung des US-Preisindexes für die persönlichen Konsumausgaben - dem bevorzugten Inflationsindikator der Federal Reserve.
Teures Öl schürt neue Zinsunsicherheit
Die gestiegenen Inflationsrisiken infolge der Energiepreise beeinflussen die Erwartungen an die künftige Geldpolitik, zuletzt nahmen die Wetten auf Zinssenkungen der Fed und der EZB ab. Zinserhöhungen als Reaktion auf die gestiegenen Inflationssorgen seien jedoch auf Basis der aktuellen Daten- und Nachrichtenlage sowie unter der Annahme einer nicht weiter eskalierenden Krise unwahrscheinlich, sagt Ökonom Carsten Klude von MM Warburg. «Vielmehr dürften die EZB und die Fed den exogenen geopolitischen Schock und den damit verbundenen Energiepreisschock zwar berücksichtigen, der Einfluss auf die tatsächliche Zinsentscheidung dürfte jedoch begrenzt bleiben.»
An weiteren Konjunkturdaten steht am Freitag die University of Michigan mit ihrer Umfrage zur Konsumentenstimmung in den Startlöchern, zudem wird die zweite BIP-Schätzung für die USA erwartet. Marthel Edouard, Portfoliomanager bei der Weberbank, zeigt sich zuversichtlich. «Abseits der geopolitischen Risiken zeigt sich die konjunkturelle Entwicklung weiterhin stabil», sagt der Experte. «In den USA deuten aktuelle Daten auf eine robuste Wirtschaft hin. Auch in Europa verbesserten sich zuletzt einige Frühindikatoren.»
Bilanzsaison geht weiter
Bei den Unternehmen stehen in der neuen Woche etliche Bilanzen an, unter anderem von Gea, VW, Henkel, Porsche, Rheinmetall, BMW, Daimler Truck, RWE und Zalando.
Am Schweizer Aktienmarkt legen unter anderem Accelleron, Geberit, Lindt&Sprüngli, Partners Group und Swiss Life die Zahlen beziehungsweise Ergebnisse 2025 vor.

