In der Fastnachtswoche sollten die Anleger Strategen zufolge besonnen bleiben und auf Sicht fahren. Denn wie es mit dem KI-Hype und der Geldpolitik in den USA weitergeht, ist weiter ungewiss.
Seit Wochen ringen die Finanzmärkte um eine angemessene Bewertung der Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz (KI) auf die Wirtschaft. «Die Erkenntnis, was KI alles kann, und die daraus entstehende Angst vor den Auswirkungen auf Unternehmen ziehen immer grössere Kreise und scheinen vor keinem Segment des Aktienmarktes Halt zu machen», sagt Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank. Technologieaktien gingen weltweit auf Berg- und Talfahrt und dürften das angesichts der bestehenden geld- und geopolitischen Unsicherheiten auch bleiben. «Solange die Fed im Zinssenkungsmodus war, wurde die Tech-Rally getragen. Doch nach dem jüngsten positiven Arbeitsmarktbericht ist die Geldpolitik der Fed noch schwieriger einzuschätzen», fasst Helaba-Strategin Claudia Windt zusammen.
Der Dow Jones Industrial rettete sich am Freitag mit einem Plus von 0,10 Prozent über die Ziellinie beim Stand von 49'500,9 Punkten. Im frühen Wochenverlauf hatte der New Yorker Leitindex noch über 1000 Punkte höher eine Rekordmarke erreicht. Der tags zuvor besonders schwache technologielastige Nasdaq 100 schloss am Freitag mit plus 0,18 Prozent auf 24'732,7 Punkte nach. Der marktbreite S&P 500 ging mit plus 0,05 Prozent auf 6836,2 Punkten ins Wochenende.
Die Wochenbilanz ist bei allen drei Indizes negativ: Der Dow verlor 1,2 Prozent, für den S&P 500 und den Nasdaq 100 ergibt sich jeweils ein Minus von 1,4 Prozent.
Am Schweizer Aktienmarkt schloss der SMI erstmals über 13'600 Punkten. Das ist ein Tagesplus von 0,52 Prozent. Am Vormittag hatte der Leitindex noch ein neues Rekordhoch bei 13'634 Punkten markiert. Für die Gesamtwoche ergibt sich damit ein Plus von 0,7 Prozent. Der 30 Titel umfassende SLI legte 0,63 Prozent auf 2157,03 Zähler zu, während der breite SPI 0,48 Prozent auf 18'763,25 Punkte stieg. Im SLI schlossen 22 Titel im Plus und acht im Minus.
Hin und Her bei Zinswetten
An den Terminmärkten nahmen die Wetten auf rasche Zinssenkungen der Fed angesichts der überraschend robusten Lage am US-Stellenmarkt ab. «Da der Mitte Mai scheidende FOMC-Chairman Jerome Powell aber ohnehin als Befürworter einer abwartenden Geldpolitik gilt, dürften ihm diese Zahlen durchaus gelegen gekommen sein», kommentieren die Analysten der LBBW. Die Notenbank versucht derzeit mit Zinsen auf erhöhtem Niveau die Inflation einzudämmen, ohne die Konjunktur abzuwürgen. Auf Jahressicht rechnen Investoren mit weiter fallenden Zinsen. Dafür sprach am Freitag auch, dass der Inflationsanstieg im Januar weniger stark ausfiel als erwartet. «Unter dem neuen Notenbank-Chef dürfte die Fed die Zinsen ab Juni stärker senken, als der Markt einpreist», kommentierte die Commerzbank.
Konjunktur im Fadenkreuz
Auch an den fasnächtlichen Tagen wird an der Schweizer Börse gehandelt, die sich an Konjunkturdaten entlanghangeln dürfte. Doch zu Wochenbeginn müssen die Anleger jedoch ohne US-Impulse auskommen, da die Wall Street am Montag wegen des Nationalfeiertags zum Gedenken an George Washington geschlossen bleibt. Ebenfalls am Montag beginnt die einwöchige Auszeit an den chinesischen Börsen zum chinesischen Neujahr, das im Zeichen des Feuer-Pferdes steht.
Der Konjunkturreigen startet am Montag mit den Zahlen zur Industrieproduktion in der Euro-Zone im Dezember und vorläufigen Zahlen zum japanischen BIP-Wachstum im vierten Quartal. Am Dienstag gibt der ZEW-Index für Februar Auskunft über die Stimmung der deutschen Börsenprofis. «Die Industriedaten des vierten Quartals deuten auf einen konjunkturellen Aufschwung hin. Demzufolge dürften auch die ZEW-Konjunkturerwartungen im Februar besser ausfallen», heisst es bei der Helaba. Ausserdem warten Anleger auf die endgültigen deutschen Inflationsdaten für Januar.
In der Schweiz legt das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco die detaillierten BIP-Zahlen für das vierte Quartal 2025 vor.
Am Aschermittwoch folgen die Zahlen zur Produktion in der US-Industrie im vergangenen Monat und japanische Exportdaten. Zudem werden die Mitschriften der vergangenen Fed-Sitzung auf weitere geldpolitische Signale abgeklopft. Geplant zur Veröffentlichung am Donnerstag sind Daten zum Verbrauchervertrauen im Euroraum im Februar.
Im Fokus zum Wochenschluss stehen hierzulande die Uhrenexporte im Januar und die Industrieproduktion des vierten Quartals im Fokus. Aus den USA erwartet die Investoren die erste Schätzung zum US-BIP. «Die neuen Zahlen werden die Geldpolitik wohl nicht sonderlich beeinflussen. So schaut die US-Notenbank eher auf den Arbeitsmarkt als auf das Bruttoinlandsprodukt, und der Arbeitsmarkt läuft deutlich schwächer», urteilt Commerzbank-Ökonom Vincent Stamer. Hingegen gilt der auch am Freitag anstehende US-PCE-Index, der die persönlichen Ausgaben der Konsumenten beleuchtet, für die Fed als wichtiges Inflationsmass.
Bilanz-Berichterstattung in vollem Gange
Auf der Unternehmensseite steht in der Schweiz eine weitere volle Woche an. Gleich vier SMI-Firmen legen ihre Bücher offen.
Den Auftakt macht der Baukonzern Amrize am Dienstag. Zwei Tage später folgt der Lebensmittelkonzern Nestlé, der über den Geschäftsgang im abgelaufenen Jahr berichtet und ein Strategie-Update präsentiert. Ebenfalls am Donnerstag legt der Versicherer Zurich seine Geschäftszahlen zum abgelaufenen Jahr vor. Den Wochenabschluss macht der Bauchemie-Hersteller Sika am Freitag.
(Reuters/cash)

