Aryzta, Bossard, GAM - Was aus den Kellerkindern der Schweizer Börse geworden ist

2018 hat es viele Schweizer Aktien besonders heftig getroffen. Einige sind inzwischen zu aussichtsreichen Turnaround-Kandidaten geworden. Andere sind Kellerkinder geblieben.
12.02.2019 23:05
Von Ivo Ruch
Aryzta-Aktionäre mussten schon einige einschneidende Kursverluste hinnehmen.
Aryzta-Aktionäre mussten schon einige einschneidende Kursverluste hinnehmen.
Bild: ZVG

Vergleicht man die aktuelle Bestenliste der Schweizer Börse mit der Rangliste zum Jahresende 2018, zeigen sich einige interessante Veränderungen. So sind mehrere grosse Verlierer wie die Bank Julius Bär, Adecco oder LafargeHolcim mittlerweile zu Outperformern aufgestiegen. Auch bei den volatilen Meyer Burger oder bei Hochdorf und AMS wird das kurze Gedächtnis der Börse einmal mehr deutlich.

Viele andere tief gefallene Schweizer Aktien haben jedoch bislang nicht vom optimistischeren Anlageumfeld profitiert. Vor diesem Hintergrund stellt cash.ch fünf Aktien vor, die 2018 zu den Kellerkindern gehörten - und beurteilt deren Perspektiven neu:

Aryzta

Performance 2018: -86,8 Prozent / 2019: -1,9 Prozent

Nach einem guten Jahresstart scheint bei der Aryzta-Aktie die Luft schon wieder draussen. Der kriselnde Backwarenhersteller war 2018 die schlechteste Schweizer Aktie im Swiss Performance Index (SPI). Der Titel setzte dann zu Jahresbeginn zu einer Mini-Rally an. Doch die Anleger scheinen noch immer nicht an eine erfolgreiche Restrukturierung zu glauben. Der Aktienkurs dümpelt mittlerweile um die Marke von 1 Franken herum. Daran konnte auch die Kapitalerhöhung vom letzten November nichts ändern.

Aryzta-CEO Kevin Toland gilt zwar als ausgewiesener Turnaround-Manager. Dass ihm dies auch bei Aryzta gelingt, konnte der Ire in seiner knapp anderthalbjährigen Amtszeit bislang nicht unter Beweis stellen. Aryzta büsst weiterhin für die aggressiven Übernahmen der Vergangenheit. Solange die zahlreichen Restrukturierungsmassnahmen keine zählbaren Resultate abliefern, sollten Anleger die Finger von der Aktie lassen.

Bossard

2018: -39,2 Prozent / 2019: +8,5 Prozent

Bossard galt lange als Börsen-Überflieger, im Januar 2018 wurde ein Allzeithoch bei 252 Franken erreicht. Doch im letzten Jahr erwischte es den "Schraubenhändler" aus Zug wie so viele andere mittelgrosse Industrieunternehmen auch – der Börsenwert ging um 40 Prozent zurück. Für die mittlerweile verzeichnete Erholung waren unter anderem überraschend gute Verkaufszahlen verantwortlich.

Der gegenwärtige Aktienkurs von 153 Franken zeigt aber, wie weit Bossard noch von seinen besten Zeiten entfernt ist. Der grösste Markt Europa könnte 2019 ein Problemfeld bleiben. In den USA wiederum hängen Wohl und Wehe stark vom Grosskunden Tesla ab, laut CEO David Dean (noch bis 8. April 2019) eine "Klumpenchance". Wer beim Spezialisten für Montage- und Verbindungstechnik einsteigen will, sollte auf klarere Signale zum Verlauf der Konjunktur warten. Wie anfällig Bossard immer noch ist, zeigte sich am letzten Freitag, als der zyklische Titel mehr als 6 Prozent verlor.

GAM

2018: -75,5 Prozent / 2019: +1,5 Prozent

Wieder einmal gehts für den Vermögensverwalter GAM steil abwärts. Allein in den letzten rund zwei Wochen ist der Titel um fast 14 Prozent günstiger geworden. Vorbei ist die starke Gegenbewegung seit Mitte Dezember, nachdem die GAM-Aktie zuvor auf ein Allzeittief gefallen war (cash berichtete). Noch nicht vorbei sind die Aufräumarbeiten, die nach den starken Geldabflüssen und dem Einbruch der Profitabilität notwendig  geworden sind.

Die Dividende für 2018 wird gestrichen, 10 Prozent der Stellen ebenfalls. Nach den Jahreszahlen am 21. Februar dürfte klarer sein, wie es mit GAM weitergeht. Derzeit rät kein Analyst zum Kauf. Der Titel bleibt ganz klar nur etwas für risikofreudige Contrarians. Solche Anleger wetten darauf, dass GAM schneller als erwartet auf die Beine kommt, den Abfluss von Kundengeldern stoppt oder vielleicht gar vor einer Übernahme steht.

Julius Bär

2018: -41,3 Prozent / 2019: +16,9 Prozent

Definitiv kein Kellerkind mehr ist Julius Bär. Im zurückliegenden Jahr noch die schlechteste Aktie im Swiss Market Index (SMI), ist es 2019 genau umgekehrt. Trotz einer Gewinnenttäuschung steht die Privatbank seit Jahresanfang immer noch mit 17 Prozent im Plus und somit an der Spitze der SMI-Tabelle. Ein Stück weit muss das als Gegenbewegung gesehen werden, ein Stück weit auch als Hoffnung auf eine Beilegung des Handelsstreits und eine Verbesserung ökonomischer Unsicherheiten. Doch das Umfeld für Bankaktien bleibt anspruchsvoll, wie auch ein Blick zu den Branchennachbarn CS und UBS zeigt. Kommt es darüber hinaus erneut zu Verwerfungen an den Finanzmärkten, spüren das die Finanzinstitute an der Handelsaktivität ihrer Kunden.

Für einen Dämpfer könnte auch die Umschichtung im SMI sorgen. Wenn die Novartis-Tochter Alcon in den Leitindex aufsteigt, könnte Julius Bär als zweitkleinste Aktie (laut Börsenkapitalisierung) aus dem viel beachteten Börsenbarometer kippen. Grossinvestoren oder Indexfonds müssten sich dann von den Aktien trennen – mit möglicherweise negativen Folgen für den Kurs (cash berichtete). So oder so: Mit der Bär-Aktie kann kurzfristig immer mal wieder Geld verdient werden. Für ein langfristiges Engagement ist die Grosswetterlage aber noch zu ungemütlich.

Meier Tobler

2018: -61,4 Prozent / 2019: -0,5 Prozent

Bei Meier Tobler liegt momentan einiges im Argen: Die Fusion zwischen Walter Meier und Tobler kommt nicht auf Touren, der Umsatz ist rückläufig, die Dividende für 2018 und 2019 wurde gestrichen. Zuletzt sprach der Gebäudetechniker eine Gewinnwarnung aus. Mittlerweile steht die Aktie von Meier Tobler auf dem tiefsten Stand seit der Fusion, in der Nähe von 14 Franken.

Ist das der Wendepunkt? Die grossen Trends sprechen dagegen: So sind beispielsweise die Baubewilligungen in der Schweiz rückläufig. Die Leerstände nehmen aber immer noch zu. Beides hilft der Auftragslage von Meier Tobler nicht. Jüngst hat Verwaltungsratspräsident Silvan Meier dem bisherigen Hauptaktionär Ferguson 1,2 Millionen Aktien abgekauft. Neu besitzt er fast die Hälfte des Unternehmens. Das bietet Chancen und Risiken: Meier kann seine Ideen schnell umsetzen. Reüssiert er nicht, haben die restlichen Aktionäre ein Problem. Hinzu kommt der tiefe Free Float von 27,2 Prozent. Eine damit verbundene tiefere Liquidität führt in der Regel zu mehr Schwankungsanfälligkeit.