Der S&P 500 und der Nasdaq rauschten auf ihre niedrigsten Stände seit sechs Monaten. «Wir haben es hier mit einem extremen Mass an Unsicherheit zu tun», sagte Bill Mann, Chef-Anlagestratege bei Motley Fool Asset Management. Die Lage sei viel undurchsichtiger als in jedem anderen Konflikt der letzten 50 bis 60 Jahre.
US-Präsident Donald Trump hatte die angedrohten Angriffe auf Energieanlagen im Iran am Donnerstag für zehn weitere Tage ausgesetzt. Der Aufschub konnte die Märkte nicht beruhigen, da die Anleger zunehmend an einer Einigung in nächster Zeit zweifeln. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte und der breiter gefasste S&P 500 verloren rund 1,7 Prozent auf 45'166 und 6368 Punkte. Der Nasdaq 100 sank um 2,3 Prozent auf 23'088 Punkte. Der CBOE Volatilitätsindex, der als Angstmesser der Wall Street gilt, stieg um 1,57 Punkte.
Versorgungsängste treiben Ölpreis
Die Ölpreise stiegen erneut: Nordseeöl Brent und das US-Öl WTI verteuerten sich um je rund vier Prozent auf 111,70 Dollar beziehungsweise 98,72 Dollar je Fass. Durch den Krieg fehlen dem Weltmarkt täglich rund elf Millionen Barrel Öl. Die Analysten der Macquarie Group warnten, die Ölpreise könnten bis auf 200 Dollar steigen, sollte sich der Krieg bis Ende Juni hinziehen. Zeitweise waren die Notierungen Anfang März bereits bis auf knapp 120 Dollar je Fass hochgeschnellt. «Mit jedem Tag nimmt der Marktdruck zu», warnte Mukesh Sahdev, Chef der Beratungsfirma XAnalysts.
Die Konjunktursorgen nehmen angesichts der Preisrally zu: Die Stimmung der US-Verbraucher sank im März auf den niedrigsten Stand seit drei Monaten. Der Index der Verbraucherstimmung fiel auf 53,3 von 56,6 im Februar. Die Inflationsängste zeigen sich auch an den Zinswetten: Geldmarktteilnehmer rechnen in diesem Jahr nicht mehr mit einer Zinssenkung der US-Notenbank, wie das FedWatch-Tool der CME zeigt. An den Anleihemärkten kletterten die Renditen. Zehnjährige US-Treasuries warfen in der Spitze 4,484 Prozent ab, so viel wie seit acht Monaten nicht mehr. Gleichzeitig waren sichere Häfen gefragt: der Dollar-Index gewann 0,3 Prozent, Gold verteuerte sich um 2,6 Prozent.
Tech-Werte und Carnival auf Talfahrt
Die Aussicht auf eine schleppende Speichernachfrage im Zuge neuer KI-Anwendungen drückte den Techsektor rund ein Prozent ins Minus. Google hatte Anfang der Woche einen neuen Komprimierungsalgorithmus, TurboQuant, vorgestellt, der es KI-Systemen ermöglicht, viel weniger Speicher zu verwenden, ohne die Leistung zu beeinträchtigen. Aktien von Nvidia und Microsoft gaben je zwei Prozent nach. «Bestimmte Komponenten des Marktes sind wirklich hart getroffen worden. Und das hat zu einem grossen Teil damit zu tun, dass wir nicht sicher sind, wer von der KI profitiert und wer von der KI aufgefressen wird», sagte Mann. Papiere von Meta Platforms rauschten mehr als vier Prozent nach unten.
Aktien von Unity Software sprangen unterdessen um sieben Prozent in die Höhe. Der Hersteller von Videospiel-Software hatte für das erste Quartal einen vorläufigen Umsatz über den Analystenschätzungen gemeldet.
Abwärts ging es bei Carnival, nachdem das Kreuzfahrtunternehmen seine Jahresgewinnprognose gesenkt hat. Höhere Treibstoffkosten vor dem Hintergrund wachsender geopolitischer Spannungen drücken auf die Margen, hiess es zur Begründung. Die Papiere verloren mehr als fünf Prozent.
(Reuters)

