+++Börsen-Ticker+++ - Draghi verschreckt auch US-Anleger

EZB-Chef Mario Draghi hat Börsianer am Donnerstag mit düsteren Aussichten für die Konjunktur in der Eurozone vergrault.
07.03.2019 23:10
Verunsicherte Händler an der Wall Street nach den negativen Konjunkturzeichen aus Europa.
Verunsicherte Händler an der Wall Street nach den negativen Konjunkturzeichen aus Europa.
Bild: Bloomberg

23:10

Er prognostizierte nicht nur eine deutliche Abschwächung des Wirtschaftswachstums, sondern verschob auch die Zinswende auf mindestens 2020. Zudem beschloss die EZB Geldspritzen für die Banken. Dies drückte nach den Börsen in Europa auch die Wall Street ins Minus.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schliesst mit einem Minus von 0,8 Prozent auf 25'471 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 büsst ebenfalls 0,8 Prozent ein und steht zum Schluss bei 2748 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gibt 1,1 Prozent auf 7241 Stellen nach.

Vor allem Banktitel standen auf den Verkaufslisten der Investoren. Die Aktien von Bank of America, J.P. Morgan Chase, Morgan Stanley und Citigroup verlieren jeweils rund 1 Prozent an Wert.

Auch die Papiere von Kroger standen mit einem Abschlag von 10 Prozent im Fokus. Die Supermarktkette verdiente im vergangenen Quartal wegen höherer Investitionen deutlich weniger als Analysten erwartet hatten.

Aufwärts ging es dagegen für die Telekom-Tochter T-Mobile US und ihren Wunschfusionspartner Sprint. Die US-Telekommunikationsaufsicht FCC verlängerte ihre Entscheidungsfrist über den geplanten 26 Milliarden Dollar schweren Zusammenschluss, was T-Mobile US als positives Zeichen grosser Gründlichkeit wertete. T-Mobile-US-Papiere legen 0,8 Prozent zu, Sprint-Aktien fast 1 Prozent.

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17:45

Die Schweizer Börse hat am Donnerstag im Einklang mit anderen Aktienmärkten kräftig nachgegeben. Der Leitindex SMI sinkt um 0,8 Prozent auf 9325 Punkte. Für Abgabedruck sorgte vor allem die Europäische Zentralbank (EZB). Der düstere Konjunkturausblick der Euro-Währungshüter verunsicherte die Anleger.

Ganz oben auf der Verliererliste stehen die Banken Credit Suisse, UBS und Julius Bär mit bis zu 2,8 Prozent Kursabschlag. Die EZB verschiebt die Zinswende bis mindestens zum Jahresende und niedrige Zinsen bedeuten weniger Verdienst für die Geldhäuser. Auch Anteile von konjunktursensiblen Unternehmen wie dem Elektrotechnikkonzern ABB, dem Personaldienstleister Adecco und den Luxusgüterherstellern Richemont und Swatch schmissen die Anleger aus den Depots.

Die rote Laterne hält jedoch das an sich als krisensicher geltende Indexschwergewicht Roche: Das Kursminus von 3,5 Prozent ist allerdings dem Dividendenabschlag bei dem Pharmakonzern geschuldet.

Am breiten Markt brechen die Titel des Sensorherstellers Sensirion nach der Bekanntgabe eines Verlustjahres und einem verhaltenen Geschäftsausblick fast 13 Prozent ein. Die Titel von Ascom legen hingegen gut 11 Prozent zu. Der Telekomausrüster will seine Dividende trotz eines Gewinnrückgangs bei 45 Rappen je Aktie stabil halten und hat steigende Ergebnismargen in Aussicht gestellt.

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16:00

Düstere Aussichten für die Eurozone und enttäuschende Geschäftszahlen von US-Unternehmen verderben Börsianern an der Wall Street am Donnerstag die Laune. EZB-Präsident Mario Draghi sieht zwar die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in der Euro-Währungsunion als gering an, die Region befinde sich aber in einer Periode anhaltender Schwäche. Die EZB hat die Zinswende für dieses Jahr abgeblasen und Geldspritzen für die Banken beschlossen. Zudem warteten US-Anleger auf handfeste Ergebnisse von den Zollstreit-Verhandlungen.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte eröffnet den Handel 0,1 Prozent schwächer bei 25'645 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gibt 0,2 Prozent nach auf 2766 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rutscht um 0,3 Prozent auf 7483 Stellen ab.

Bei den Einzelwerten stehen die Aktien von Kroger im Fokus mit einem Abschlag von 12,4 Prozent. Die Supermarktkette verdiente im vergangenen Quartal wegen höherer Investitionen deutlich weniger als Analysten erwartet hatten. Die Erträge gingen um 10 Prozent auf gut 28 Milliarden Dollar zurück. Das war ebenfalls weniger als von Experten vorhergesagt.

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14:50

Die Aussicht, dass die europäische Zentralbank die Märkte noch länger mit Billiggeld versorgen wird, stützt vor allem die Märkte in Europa. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat Analysten und Anleger mit einem umfangreichen Massrahmenpaket überrascht. So teilte die Notenbank mit, sowohl ihre Niedrigzinspolitik länger als bisher geplant fortzusetzen, als auch den Banken neue Geldspritzen anzubieten, damit diese ihre Kreditvergabe ausweiten.

Der SMI weist gegen 14.50 Uhr noch ein Minus von 0,2 Prozent bei 9387 Zähler auf. Der SLI dämmt sein Minus ebenfalls ein, während der breiter gefasste SPI mittlerweile um 0,4 Prozent hinzugewinnt auf 11'106 Zähler.

Die ersten Reaktionen fallen überrascht aus. Bei ING heisst es etwa, es sei nicht klar, ob die EZB in einem Anflug von Panik agiert habe oder ob sie versucht, dem Markt vorauszueilen. Die Währungshüter hätten nahezu alle Marktteilnehmer überrascht.

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12:00

Der Schweizer Aktienmarkt steht am Donnerstag ganz im Zeichen der Dividendenzahlung von Roche. Denn ohne diesen Sondereinfluss würde der Leitindex SMI knapp im Plus stehen. Wie ein Händler erklärt, befindet sich der Markt aktuell eher in einem Konsolidierungsmodus. Der SMI fällt gegen 11.10 Uhr um 0,6 Prozent auf 9349 Punkte zurück. Der 30 Aktien umfassende SLI verliert 0,6 Prozent auf 1443 Punkte während der breite SPI bei 11'064 Zählern auf der Stelle tritt.

Mit einem Kursabschlag von 3,1 Prozent oder 8,55 Franken weisen die Genussscheine vor Roche neben AMS (-4,0%) den grössten Verlust auf. Allerdings hat der Pharmakonzern an diesem Tag 8,70 Franken je Anteilsschein an seine Aktionäre ausgeschüttet.

Generell schwächer präsentiert sich die Finanzindustrie, wobei sich Versicherer Swiss Re (-0,1%), Swiss Life (-0,2%) und Zurich (-0,3%) besser halten als die Banken. Hier geben UBSCS und Julius Bär um 1,4 bis 0,7 Prozent ab.

Dass der Markt nicht noch tiefer im Minus ist, verdankt er vor allem den defensiven Papieren von NestléSwisscomGivaudan und Novartis, die mit Kursgewinnen zwischen 1,0 und 0,4 Prozent ein starkes Gegengewicht bilden.

Im breiten Markt fallen einerseits die Aktien von Autoneum (-4,5%) auf, die auch am Tag nach den Zahlen noch unter Druck stehen. Mit dem Autozulieferer fallen aber noch weitere Branchenvertreter wie Feintool (-2,9%) und Georg Fischer (-1,5%) zurück. (Lesen Sie den ausführlichen Börsenbericht am Mittag.)

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09:08

Der Swiss Market Index gibt kurz nach Börseneröffnung 0,7 Prozent auf 9341 Punkte nach. Die Wall Street hatte am Mittwoch den dritten Handelstag in Folge im Minus geschlossen. Die meisten Börsen Asiens sind ihr gefolgt. Als weitere Belastung kommt der Dividendenabschlag bei Schwergewicht Roche hinzu.

Am deutlichsten fallen optisch gesehen die Aktien von Roche mit 3,1 Prozent. Der Konzern schüttet an diesem Tag 8,70 Franken je Genussschein an seine Aktionäre aus.

Derweil weisen LafargeHolcim mit plus 0,8 Prozent ein positives Vorzeichen auf. Der Baustoffkonzern hat 2018 wieder schwarze Zahlen geschrieben. So weist der Weltmarktführer einen Gewinn von 1,50 Milliarden Franken aus. 2017 hatten Wertberichtigungen auf Übernahmen zu einem Verlust von 1,68 Milliarden Franken geführt. Die Aktionäre sollen erneut eine unveränderte Dividende von 2 Franken je Aktie erhalten.

Auch Swisscom (+0,4 Prozent), Swiss Re (+0,3 Prozent) und Nestlé (+0,2 Prozent) eröffnen etwas höher.

Sonova (-0,2 Prozent) gibt leicht nach, nachdem der Hörsystem-Spezialist angekündigt hat, seine Strukturen in Grossbritannien, Deutschland und Kanada umzubauen.

Das Nachrichtengeschehen wird ansonsten von den Unternehmen aus der zweiten Reihe bestimmt. Bâloise (-1,3 Prozent) erzielt 2018 weniger Gewinn und fällt zurück. Auch das Technologieunternehmen Ascom (+2,9 Prozent) hat im vergangenen Jahr weniger verdient, die Dividende bleibt jedoch unverändert. Noch kein Kurs hat Siegfried, vorbörslich war die Aktie deutlich im Minus (-3,7 Prozent).

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08:50

Der Zollstreit zwischen den USA und China belastet die asiatischen Börsen. "Gewinnmitnahmen sind sinnvoll, da es bislang noch keine Anzeichen für eine Einigung gibt", sagte Analyst Hikaru Sato vom Brokerhaus Daiwa. Schliesslich hätten die Börsen seit Jahresbeginn in der Hoffnung auf einen Deal zugelegt.

Der japanische Nikkei-Index verlor am Donnerstag 0,7 Prozent auf 21.456 Punkte. Investoren machten vor allem bei Firmen mit einem grossen China-Geschäft Kasse. Hierzu gehörten die Chipindustrie-Zulieferer Advantest und Tokyo Electron, deren Aktien bis zu 2,9 Prozent verloren. Unter Verkaufsdruck geriet auch Mizhuo Financial. Wegen Restrukturierungskosten von umgerechnet 5,4 Milliarden Euro kürzte die Bank ihre Gewinnprognose um 86 Prozent.

Die in China geplanten Konjunkturprogramme verhalfen der Börse in Shanghai zu einem knappen Plus auf 3106 Punkte. Finanzminister Liu Kun betonte allerdings, dass die Regierung in Peking die Geldschleusen nicht unkontrolliert öffnen werde. Man behalte die Verschuldung genau im Blick.

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08:15

Der Swiss Market Index (SMI) gibt in der von Julius Bär berechneten Vorbörse um 0,7 Prozent nach. Gestern schloss der Leitindex praktisch unverändet zum Vortag bei 9403 Punkten. 

Zusätzlich zum negativen Marktumfeld wird der Genusschein von Roche (Kurs -3,0 Prozent) mit dem Dividendenabschlag gehandelt.

Einzig LafargeHolcim (Kurs unverändert) kann sich zumindest vorbörslich dem negativen Börsen-Trend entziehen. Der Zementhersteller ist im Jahr 2018 in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt.

Im breiten Markt sind nach Zahlen auch Ascom (-1,2 Prozent), Baloise (-1,7 Prozent) und Siegfried (-3,7 Prozent) unter verschärfter Beobachtung.

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06:34

Die Märkte hätten die guten Nachrichten in den Zollverhandlungen zwischen den USA und China bereits eingepreist, sagte Anlagestratege Tatsushi Maeno vom Vermögensverwalter Okasan Asset Management. "Jetzt machen die Märkte eine Pause." Der MSCI-Index für asiatische Aktien ausserhalb Japans notierte 0,1 Prozent höher. In Tokio dagegen sank der Leitindex Nikkei der 225 führenden Werte um 0,7 Prozent auf 21.441 Punkte. Analysten sprachen von Gewinnmitnahmen.

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06:30

An den Devisenmärkten in Fernost tendierte der Euro wenig verändert bei 1,1303 Dollar. Der Dollar sank zur japanischen Währung geringfügig auf 111,71 Yen.

(cash/AWP/Reuters)