Vor der Veröffentlichung der US-Arbeitsmarktdaten hat sich der Dax am Freitag nur in Mini-Schritten weiter nach oben gearbeitet. Vorsichtig stimmte die Investoren auch ein mögliches Urteil des Obersten Gerichts zu ‌den Sonderzöllen ‌von US-Präsident Donald Trump. Dem deutschen Leitindex stehe ein doppelter Belastungstest ins Haus, sagte Jochen Stanzl von der Consorsbank. Der Dax kletterte um 0,4 Prozent auf ein frisches Rekordhoch von 25'229,65 Zählern. Der EuroStoxx50 markierte mit 5'966,68 Punkten ebenfalls eine neue Bestmarke.

Die Zahlen vom US-Arbeitsmarkt gelten als wichtige Orientierungshilfe für die Notenbank Fed, die Ende des Monats über ihren weiteren geldpolitischen ​Kurs entscheidet. Im vergangenen Jahr haben die Währungshüter den Leitzins in drei Schritten um insgesamt 0,75 Prozentpunkte auf eine ‌Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent gesenkt. «Sollten in den USA weniger neue Stellen geschaffen ‌worden sein als prognostiziert, könnte dies die Hoffnung auf Zinssenkungen zementieren», prognostizierte Frank Sohlleder von ActivTrades. Von Reuters befragte Experten gehen im Schnitt davon aus, dass im Dezember 60'000 neue Stellen ausserhalb der Landwirtschaft entstanden sind, nach 64'000 im November. Der Dollar-Index legte im Vorfeld der Daten leicht zu auf 99,06 Punkte, der Euro gab 0,1 Prozent auf 1,1646 Dollar nach.

Kippt der Supreme Court Trumps Zölle?

Für Kursturbulenzen könnten am Nachmittag aber nicht nur die Job-Daten sorgen. Gespannt warteten die Anleger auch auf ⁠eine mögliche Entscheidung des Obersten US-Gerichtshofs zur Rechtmässigkeit der von Trump verhängten Zölle. Im November äusserten sich die Richter bereits skeptisch, ob sich der Republikaner auf Notstandsgesetze berufen kann, um ohne Zustimmung des Kongresses Sanktionen zu erheben. Laut Online-Wettanbietern wird die Wahrscheinlichkeit, dass die Zölle bestehen bleiben, derzeit bei 30 Prozent gesehen. «Wir haben noch nie ein Urteil mit solch ​weitreichenden wirtschaftlichen Folgen erlebt», sagte Eddie Ghabour, Chef von Key Advisors Wealth Management. Michael Field, Chef-Aktienstratege bei Morningstar, geht allerdings davon aus, ‌dass die US-Regierung einen rechtlichen Ausweg finden werde, selbst wenn die Zölle vom Gericht als illegal ‍eingestuft würden.

Seit seiner Rückkehr ins Weisse Haus im Januar hat Trump einen globalen Handelskonflikt ausgelöst. Er nutzte die Zölle, um Handelspartnern wie der EU und Japan Zugeständnisse abzuringen oder sie für politische Entscheidungen zu ​bestrafen.

Bei den Unternehmen stand die sich anbahnende Mega-Fusion zwischen den Bergbaukonzernen Glencore und Rio Tinto im Fokus. Die Titel von Glencore stiegen an der Londoner Börse um rund zehn Prozent, Rio Tinto gaben 2,6 Prozent nach. Der europäische Branchenindex rückte um zwei Prozent vor. Geprüft wird den Unternehmen zufolge eine Übernahme von Glencore durch Rio Tinto im ‌Zuge eines Aktientauschs. «Die Struktur einer möglichen Fusion dieser beiden Unternehmen ist unklar und dürfte komplex sein, aber ⁠wir glauben, dass es einen Weg zu einer signifikanten Wertschöpfung für beide gibt,» schrieben die Analysten ‌von Jefferies. Einige Experten zeigten sich jedoch skeptischer: Es bestehe das Risiko, dass zu viel bezahlt werde, sagte Tim Hillier vom Vermögensverwalter Allan Gray mit Blick auf Rio Tinto. Es ist der zweite Anlauf ‍für eine Annäherung innerhalb von gut einem Jahr.

TSMC-Zahlen heben die Stimmung im Tech-Sektor 

Gute Stimmung herrschte zum Wochenschluss im Tech-Sektor nach einem Umsatzsprung beim weltgrössten Chip-Auftragsfertiger TSMC im vierten Quartal. TSMC, zu dessen Kunden unter anderem Nvidia und Apple gehören, profitiert stark von den Fortschritten im Bereich der Künstlichen Intelligenz. ​Im Dax gewannen Infineon 2,2 Prozent, die Titel des niederländischen Chipausrüsters ASML notierten 5,5 Prozent und STMicroelectronics 2,6 Prozent fester.

Auf der ‍Verliererseite fanden sich die Versicherer wieder. Nach einer Herunterstufung durch Morgan Stanley gaben Hannover Rück im Dax 2,1 Prozent nach. Die Analysten hatten die Titel auf «Equal-Weight» von «Overweight» heruntergenommen und verwiesen auf ein herausforderndes Marktumfeld für Rückversicherer. Die Aktien der Münchener Rück verloren 1,8 Prozent auf 523,20 Euro - hier senkte Morgan Stanley das Kursziel auf 520 (530) Euro. Die Titel der Allianz notierten gut zwei Prozent schwächer.

(Reuters)