Dividendenaktien sind für viele Anleger das Herzstück eines stabilen Portfolios. Während Wachstumstitel vor allem wegen ihres Gewinnpotenzials gehalten werden, steht bei Dividendenaktien das regelmässige Einkommen im Vordergrund. Besonders in der Schweiz, wo Anlegerinnen und Anleger seit Jahrzehnten wegen der Tiefzinspolitik auf Alternativen angewiesen sind, spielen letztere einen zentralen Portfoliobestandteil. 

Der Swiss Market Index (SMI) weist eine Dividendenrendite von knapp 3 Prozent auf, der Swiss Performance Index (SPI) von 2,8 Prozent. Die fünfzehn Schweizer Titel mit den höchsten Ausschüttungen locken dagegen mit Renditen von 5,6 bis 8,7 Prozent für 2027. Solche Zahlen sind verlockend und dürften nicht selten beim Anlageentscheid eine zentrale Rolle spielen. Doch nicht jede hohe Rendite ist nachhaltig - besonders bei drei Unternehmen ist Vorsicht geboten.

Die sicheren Werte: sieben Unternehmen mit soliden Kennzahlen

Zu den sicheren Dividendenzahlern der 14 Schweizer Unternehmen mit der höchsten Dividendenrendite zählen Adecco, Cembra, Clariant, Mobilezone, Schweiter, Swiss Re und Zurich. Besonders die beiden Versicherer können auf eine starke Leistungsbilanz zurückblicken: Zurich hat die Dividende seit 1999 nur dreimal kürzen müssen, Swiss Re viermal in den vergangenen 33 Jahren. Beide Konzerne haben die Ausschüttungen jedoch nie gestrichen.

Doch wie das Beispiel Adecco kürzlich zeigte, ist die Vergangenheit kein Garant für die zukünftige Entwicklung. Um zu beurteilen, ob Dividenden auch künftig nachhaltig finanziert werden können, wurden die vierzehn Unternehmen anhand von drei zentralen Kennzahlen analysiert: dem freien Cashflow im Verhältnis zur Dividende, der Payout-Ratio – also dem Verhältnis von Ausschüttungen zu Gewinn – sowie der Verschuldung.

Nach der Dividendenkürzung von rund 60 Prozent im April sind die Ausschüttungen bei Adecco wieder nachhaltig. Der freie Cashflow des Personalvermittlers ist über zweieinhalbmal so hoch wie die Dividenden, wobei weniger als die Hälfte des Gewinns an die Aktionäre zurückgeführt wird. Die Kennzahlen deuten damit auf mittelfristige Stabilität hin. Mit einer Rendite von 6,6 Prozent für 2027 gehört Adecco zu den fünf renditestärksten Titeln am Schweizer Markt.

Ebenfalls hohe Dividenden zahlen Swiss Re und Clariant mit 6,5 respektive 6,4 Prozent. Der Spezialchemiekonzern schüttet nur etwas mehr als die Hälfte der Gewinne aus, der Rückversicherer etwas über zwei Drittel. Bei beiden Unternehmen beträgt der freie Cashflow rund das Doppelte der Dividende. Clariant weist zudem eine tiefe Verschuldung auf.

Im Gegensatz zu Swiss Re, das schon seit jeher grosszügig ausschüttet, ist bei Clariant ein stark gefallener Aktienkurs der Grund für die hohe Rendite: In vier Jahren haben die Valoren zwei Drittel an Wert verloren. Ein äusserst schwieriges Marktumfeld der ganzen Chemiebranche sowie rechtliche Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Ethylenmarkt-Kartell dürften dafür verantwortlich gewesen sein. Laut Einschätzung der US-Investmentbank Goldman Sachs sei vorerst denn auch keine Trendumkehr zu erwarten. Die seit längerer Zeit laufenden Rechtsstreitigkeiten dürften kaum neue Impulse liefern. Auf die Ausschüttungen hat dies vorerst jedoch keinen Einfluss.

Unternehmen Rendite Dividend Payout Ratio freier CF zu Dividende Nettoschulden zu EBITDA
Adecco 6.6% 41% 2.5 2.0
Clariant 6.4% 55% 2.2 1.6
Schweiter 6.0% 93% 2.0 -0.5
Mobilezone 6.1% 91% 1.1 0.4
Swiss Re 6.5% 61% 1.9 -
Zurich 6.0% 80% 1.5 -
Cembra 5.8% 77% 1.8 -

Quelle: LSEG, Bloomberg; Dividend Payout Ratio = Verhältnis von Ausschüttungen zu Gewinn

Schweiter sieht sich ebenfalls in einer herausfordernden Lage. Die Aktien des Verbundwerkstoffherstellers sind in rund fünf Jahren um rund 80 Prozent eingebrochen. Mittelfristig dürfte der Konzern die Ausschüttungen aufrechterhalten können: Laut Daten von LSEG ist der freie Cashflow doppelt so hoch wie die Dividende, und das Unternehmen verfügt über mehr Liquidität als Schulden – die Nettoverschuldung ist damit negativ. Da Schweiter rund 90 Prozent des Gewinns ausschüttet, ist ein Dividendenwachstum – auch angesichts eines stagnierenden Geschäfts – in den nächsten Jahren jedoch unrealistisch. Die Aktie wirft 6 Prozent ab.

Die Mobilezone-Aktien erzielen eine Rendite von 6,1 Prozent. Da sowohl das Payout Ratio mit über 90 Prozent als auch das Verhältnis von freiem Cashflow zu Dividende bei 1 an der oberen Grenze einer nachhaltigen Dividendenpolitik liegen, ist auch hier kein bedeutsames Dividendenwachstum zu erwarten. Die niedrige Verschuldung – eine Nettoverschuldung zum EBITDA von etwa 0,4 – sorgt jedoch für einen gewissen Puffer bei den Ausschüttungen. Denn der Schweizer Mobilfunkmarkt weist zwar keine hohen Wachstumsraten auf, ist aber äusserst stabil. Auch in herausfordernden Jahren könnte die aktuelle Ausschüttungspolitik fortgeführt werden.

Das auf Konsumkredite spezialisierte Finanzinstitut Cembra Money Bank schüttet knapp 80 Prozent des Gewinns aus. Freier Cashflow ist dafür mehr als genug vorhanden. Die Rendite beträgt 5,8 Prozent. Es handelt sich um ein generell defensives und inlandsorientiertes Geschäft, das praktisch keinen zyklischen Schwankungen unterliegt. So wirken sich Zinserhöhungen und sinkende Finanzierungskosten positiv auf die Ergebnisse aus – und umgekehrt. Wie bei Mobilezone ist das Wachstumspotenzial im zugrundeliegenden Geschäft beschränkt. Auch wenn allzu grosse Gewinn- und damit Dividendensteigerungen nicht zu erwarten sind, dürften die Ausschüttungen sicher sein.

Zurich gehört mit einer Rendite von rund 6 Prozent ebenfalls zu den dividendenstarken Aktien am heimischen Markt. Der freie Cashflow beträgt das Anderthalbfache der Ausschüttungen, das Payout Ratio liegt bei 80 Prozent. Jüngst verlieh die Privatbank Berenberg in einer Branchenstudie dem Versicherer Bestnoten. Denn die strukturellen Veränderungen im Geschäftsmodell von Zurich führten nicht nur zu höheren Renditen, sondern auch zu höheren Ausschüttungen. Die Dividende könnte knapp 7 Prozent höher ausfallen als vom Markt erwartet. Das Finanzinstitut geht daher von einer bedeutenden Neubewertung aus und sieht das Kursziel bei 902 Franken.

Die Grauzone: vier Unternehmen mit Fragezeichen

In der zweiten Gruppe finden sich Partners Group, Rieter, Meier Tobler und OC Oerlikon. Diese Unternehmen zahlen zwar attraktive Dividenden, doch einzelne finanzielle Kennzahlen geben Anlass zur Vorsicht. 

Partners Group bietet eine Rendite von 7,4 Prozent, doch die Payout Ratio liegt über 91 Prozent und der Free Cash Flow deckt die Dividende nur mit einem Verhältnis von 1,2 ab. Die Nettoschulden sind indes negativ. In Börsenkreisen wurden jüngst vereinzelt Stimmen laut, wonach die Nachhaltigkeit der Ausschüttungen in Frage gestellt wurde, sollten die erfolgsabhängigen Erträge wegbrechen. Denn das diesjährige SMI-Schlusslicht leidet unter der seit mehreren Jahren andauernden Flaute in den Privatmärkten.

Unternehmen Rendite Dividend Payout Ratio freier CF zu Dividende Nettoschulden zu EBITDA
Partners Group 7.4% 91% 1.2 -
Rieter 6.9% 88% 2.8 3.0
Meier Tobler 6.5% 88% 1.1 0.4
OC Oerlikon 5.6% 91% 1.5 2.2

Quelle: LSEG, Bloomberg; Dividend Payout Ratio = Verhältnis von Ausschüttungen zu Gewinn

Bei den weiteren Wackelkandidaten Meier Tobler und OC Oerlikon beträgt das Payout Ratio 90 Prozent. Bei OC Oerlikon ist es zusätzlich die Schuldenlast, bei Meier Tobler der gerade ausreichende freie Cashflow, die bei diesen eher zyklischen Unternehmen zu einer vorsichtigen Betrachtung führen. Die beiden Unternehmen bieten eine Rendite von 6,5 respektive 5,6 Prozent.

Wiederum Rieter hat die Dividende für das Geschäftsjahr 2025 ausgesetzt. Ob sich die Analystenschätzungen mit einer erneuten Aufnahme der Ausschüttungen in diesem Jahr von 5 Rappen pro Aktie bewahrheiten, bleibt abzuwarten. Wäre dies der Fall, läge das Payout Ratio bei fast 90 Prozent und entspräche einer Rendite von 6,9 Prozent. Mit einem Verhältnis von Nettoschulden zum EBITDA von fast 3 wäre ein solcher Schritt – zumindest kurzfristig – nicht umsichtig.

Die Risikokandidaten: drei Unternehmen auf wackeligem Boden

In der dritten Gruppe finden sich APG SGA, BB Biotech und Sunrise. Diese Unternehmen zahlen zwar hohe Dividenden, doch ihre finanziellen Fundamente sind nicht nachhaltig. 

Sunrise bietet die höchste Dividendenrendite von 8,7 Prozent im Schweizer Markt. Längerfristig läuft der Telekomanbieter aufgrund der zu niedrigen Gewinne respektive Verluste aber auf ein Problem zu. Sollte das Ruder nicht herumgerissen werden, führt die höchste Verschuldung in dieser Vergleichsgruppe – sie liegt über der allgemeinen Warngrenze von 4 – zu grossen Herausforderungen und einem fallenden Aktienkurs.

Unternehmen Rendite Dividend Payout Ratio freier CF zu Dividende Nettoschulden zu EBITDA
APG SGA 6.6% 113% 0.9 10.7
BB Biotech 6.7% 406% 1.5 0.7
Sunrise 8.7% 652% 1.4 0.5

Quelle: LSEG, Bloomberg; Dividend Payout Ratio = Verhältnis von Ausschüttungen zu Gewinn

APG und BB Biotech schütten ebenfalls mehr aus, als sie verdienen. Der Gewinn pro Aktie bei APG beträgt 9,50 Franken, doch 12 Franken werden an die Aktionärinnen und Aktionäre zurückgeführt. Dieses Bild dürfte sich laut Experten bis mindestens 2028 nicht wesentlich verändern. Nettoschulden hat die Werbegruppe jedoch keine.

Die Beteiligungsgesellschaft BB Biotech konnte im Jahr 2025 aufgrund eines ausserordentlich guten Geschäftsgangs die Ausschüttungen massiv erhöhen. Analysten erwarten nun eine Fortsetzung, wenngleich sie mit rückläufigen Ergebnissen rechnen. Nächstes Jahr musste demnach die Rendite bei 6,7 Prozent liegen. Aufgrund des zugrundeliegenden Geschäfts, eignet sich dieser Titel aber nicht als Dividendenbestandteil: Die Wachstumskomponente des Biotech-Sektors und das damit verbundene Risiko bieten wenig Stabilität und Visibilität.

Luca_Niederkofler
Luca NiederkoflerMehr erfahren