Die Schweizer Börse ist erfreulich ins neue Jahr gestartet. Rund 1,5 Prozent legt der Swiss Market Index (SMI) in den ersten, wenigen Handelstagen zu. Die Kursavancen wurden insbesondere von den Pharmawerten getragen: Die Schwergewichte Roche und Novartis liegen 4 respektive 3,6 Prozent im Plus. Lonza, Sandoz, Alcon oder Siegfried ziehen zwischen 3,5 und 13 Prozent an. Der Versicherungssektor und die nichtzyklischen Konsumtitel belasten dagegen den hiesigen Leitindex.
Wie in den vergangenen Jahren dürfte sich die mittelfristige Kursentwicklung jedoch deutlich von jener der ersten Tage des Jahres unterscheiden. Erste Hinweise darauf, ob das Momentum bei den bisherigen Gewinnern aufrechterhalten werden kann, könnten die Kursziele der Analystinnen und Analysten liefern. Aktienratings bieten eine zusätzliche Orientierungshilfe für das Kurspotenzial.
Günstige Pharmawerte
Experten sehen beim Pharmazulieferer Siegfried trotz eines fulminanten Jahresstarts das zweitgrösste Kurspotenzial am Schweizer Markt (für diese Analyse wurden nur Aktien mit acht oder mehr Schätzungen berücksichtigt). Seit der Jahreswende haben die Papiere rund 13 Prozent zugelegt und zählen damit zu den Besten an der Schweizer Börse. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei über 109 Franken und bietet weiteres Aufwärtspotenzial von rund 30 Prozent.
Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) zählt Siegfried zu den Jahresfavoriten 2026. Aufgrund der starken Marktpositionierung erwartet die ZKB ein mittelfristiges Gewinnwachstum im zweistelligen Prozentbereich, getragen von Margensteigerungen und Umsatzwachstum von rund 6,3 Prozent pro Jahr. Die Bewertung, gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), sank infolge einer Kurskorrektur im letzten und vorletzten Jahr um rund ein Drittel auf etwas unter den historischen Durchschnitt von 19,3x.
Hohes Aufwärtspotenzial sehen Analystinnen und Analysten auch bei Alcon und Sika. Wie bei Siegfried empfiehlt der Marktkonsens die beiden Aktien zum Kauf, das Gewinnpotenzial liegt bei Alcon bei rund 29 Prozent, bei Sika bei über 38 Prozent. Damit verfügt der Bauchemiekonzern über das höchste Kurspotenzial am Schweizer Markt.
Alcon schaffte es auf die Favoritenliste 2026 von Royal Bank of Canada (RBC). Grund sei die starke Marktstellung von Alcon als weltweit grösstem Anbieter in der Augenheilkunde. Dabei profitiere das Unternehmen von einem hohen Anteil wiederkehrender Umsätze. Bis 2028 dürfte der Gewinn pro Aktie laut Konsens jährlich um rund 14 Prozent steigen. Nach den jüngsten Kursverlusten - zeitweise hatte die Aktie rund ein Drittel an Wert eingebüsst - liegt das KGV auf einem Allzeittief bei rund 23x. Der Langzeitschnitt seit der Abspaltung von Novartis im Jahr 2019 beträgt 28,8x.
Während Sika 2025 noch von Vontobel und der Basler Kantonalbank mit in die engere Auswahl genommen wurde, findet sich der Bauchemiekonzern in diesem Jahr auf keiner Favoritenliste. Rückläufige Wachstumstrends verschlechtern am Dienstag die negative Anlegerstimmung weiter. Sika gehörte im vergangenen Jahr zu den SMI-Verlierern mit einem Minus von gut 24 Prozent und sackte am Dienstag nach einer enttäuschenden Zahlenpublikation zeitweise rund 9 Prozent in die Tiefe.
Dennoch: Seit dem Allzeithoch vor vier Jahren hat sich das KGV halbiert und liegt nun erneut unter dem langjährigen Durchschnitt von 21,4x. Ein weiterer Grund für die Kurshoffnungen dürfte das Gewinnwachstum sein: Experten rechnen trotz Gegenwind mit einem jährlichen Anstieg des Gewinns pro Aktie von über 12 Prozent bis 2028. Zudem wird dem Unternehmen eine gesunde operative Entwicklung attestiert.
KI und eine brachliegende Stimmung
Hohe Gewinnchancen bieten auch die Aktien von Logitech, Dormakaba und Clariant. Die Kursziele liegen bei diesen drei Unternehmen zwischen 22,4 und 26 Prozent höher. Logitech und Dormakaba werden vom Marktkonsens mit einer Kaufempfehlung bewertet, Clariant mit «Halten».
Dem Aktienkurs von Logitech haben die stark steigenden Halbleiterpreise jüngst zugesetzt - die Aktie ist um rund 20 Prozent gefallen. Grund sei die hohe Speicherchip-Inflation, die sich negativ auf den Absatz von Peripheriegeräten und Computerspielen auswirkt. Vor diesem Hintergrund senkte etwa ein Analyst von BNP Paribas kürzlich das Kursziel von 102 auf 85 Franken und stufte die Aktie von «Kaufen» auf «Halten» zurück. Doch offensichtlich teilen nicht alle Expertinnen und Experten diese Einschätzung: Seit November hat sich der Rating- und Kurszielkonsens kaum verändert.
Nachdem die Dormakaba-Titel von September 2022 bis August 2025 um knapp 170 Prozent gestiegen sind, haben Investorinnen und Investoren Gewinne realisiert. Die Valoren verloren seit dem Höhenflug rund 22 Prozent. Der Markt unterschätzt laut Deutscher Bank jedoch das Potenzial des Schliesstechnikkonzerns. Eine solide Finanzlage, ein strukturell wachsender Markt und ein umfangreiches Servicenetz dürften wiederkehrende und stabile Erträge ermöglichen. Die entsprechend angepasste Dividendenpolitik unterstreiche das Vertrauen des Managements, diese Ziele erreichen zu können.
Und bei Clariant liegt die Investorenstimmung brach. Die Schlange der Kläger im Zusammenhang mit Ethylen-Preisabsprachen wird immer länger: Shell, BASF, TotalEnergies, Dow, OMV, Lyondellbasell, MOL Group und der brasilianische Chemiekonzern Braskem sind bereits vor den Richter gezogen. Doch auch solche Szenarien bieten Chancen, denn operativ machen die Basler vieles richtig: Trotz spürbarer Umsatzrückgänge konnten die operativen Margen gesteigert werden. Treffen nun vorteilhaftere Rahmenbedingungen (oder bereits deren Aussicht) auf ein verbessertes operatives Leverage, könnte eine kräftige Erleichterungsrallye einsetzen.
Kursrallyes und Bodenbildungsprozesse
Vor den Valoren von Swatch und Temenos ist dagegen Vorsicht geboten. Experten setzen die Kursziele 20 respektive 15 Prozent tiefer. Auch bei der Nachhaltigkeit der jüngsten Kursrallye der Sandoz-Aktie setzen sie ein Fragezeichen: Das Kursziel liegt rund 11 Prozent unter dem aktuellen Niveau.
Swatch und Temenos zeigen vergleichbare Kursmuster auf - wenn auch aus grundsätzlich unterschiedlichen Gründen. Auf eine Kurskorrektur von 60 bis 70 Prozent folgte jeweils ein Bodenbildungsprozess. Bei den Temenos-Papieren dauert dieser nun seit rund drei Jahren an. Swatch befinden sich nach einem markanten Kursanstieg seit vergangenem Sommer erstmals wieder am oberen Ende dieser Spanne. Es wird sich nun zeigen, ob auf diesen Avancen nachhaltig aufgebaut werden kann. Bei beiden Titeln stellen damit nicht nur die negativen Kursaussichten, sondern auch die ausgeprägten Kursschwankungen eine Herausforderung dar.
Bei Sandoz wiederum überwiegen die positiven Analystenstimmen: Acht Kauf- und sieben Haltenempfehlungen sind verzeichnet. Die Stärke des jüngsten Kursanstiegs konnten allerdings nur wenige Expertinnen und Experten antizipieren - was wohl das tiefere Kursziel erklärt. Nachdem die Papiere nun den Konsens durchbrochen haben, nähern sie sich den Rekordkurszielen zwischen 70 und 74 Franken. Doch nicht alle Analysten glauben an die Nachhaltigkeit dieser Bewegung: Sie wurde von diversen Herabstufungen begleitet.
Leistungsausweis der Kursziele
Wie belastbar sind aber solche Kursziele? Vor knapp zwölf Monaten galten DocMorris, SoftwareOne und Barry Callebaut als Aktien mit dem höchsten Aufwärtspotenzial, Swissquote und Swatch hingegen als jene mit dem geringsten.
Bei SoftwareOne und Barry Callebaut lagen die Analystinnen und Analysten richtig, bei Swatch, Swissquote und DocMorris daneben. Anstatt um 63 Prozent zu steigen, fielen die DocMorris-Titel um gut 37 Prozent. Bei Swissquote prognostizierten Analysten einen Kursrückgang von rund 21 Prozent, tatsächlich legte die Aktie um 40 Prozent zu. Und bei Swatch zahlte sich der Pessimismus nicht aus: Erwartet wurden 9 Prozent tiefere Kurse, effektiv gewann die Inhaberaktie 12 Prozent.
Bei SoftwareOne waren die Experten dagegen bemerkenswert präzise: 39 Prozent lautete die Prognose, effektiv stieg das Papier um 32 Prozent. Der Schokoladenhersteller Barry Callebaut konnte die Erwartungen hingegen nicht ganz erfüllen - der Kursanstieg von knapp 15 Prozent blieb unter der Messlatte von 39 Prozent.

