Diesen Schweizer Aktien ist der Brexit schnurz

Die letzten zwei Handelstage haben Anleger an der Schweizer Börse wegen des Brexit so richtig viel Geld gekostet. Es geht aber auch anders: Schweizer Unternehmen, denen der Brexit nicht anhaben kann.
28.06.2016 00:01
Von Lorenz Burkhalter
Vor einem Sunrise-Laden an der Bahnhofstrasse in Zürich.
Vor einem Sunrise-Laden an der Bahnhofstrasse in Zürich.
Bild: cash

Am Freitag spielten sich schon im vorbörslichen Handel teils dramatische Szenen ab. Nachdem sich viele Anleger in den Tagen davor auf einen Verbleib Grossbritanniens in der Europäischen Union (EU) eingestellt hatten, wurden sie vom Ausgang des Volksreferendums auf dem falschen Fuss erwischt. In der Folge tauchte der Swiss Market Index (SMI) noch vor Aufnahme des regulären Handels zwischenzeitlich um 9 Prozent nach unten.

Selbst die Aktie von Nestlé wollte ihrem Ruf als "Fels in der Brandung" im ersten Moment nicht gerecht werden. Absicherungstransaktionen über die Index-Futures liessen sie um 3,8 Prozent tiefer bei 69,60 Franken eröffnen. Innerhalb weniger Minuten sackte die Aktie dann sogar auf ein Tagestiefst von 69,20 Franken ab.

Roche und Nestlé zeigen defensive Qualitäten

Im weiteren Tagesverlauf erinnerten sich die Anleger dann daran zurück, dass der Nahrungsmittelkonzern gerademal 3 Prozent seines Jahresumsatzes in Grossbritannien erzielt. Bei Börsenschluss resultierte letztendlich nur noch ein leichtes Minus. Gestern Montag legte die Nestlé-Aktie sogar zu und bot dem breiten Markt eine willkommene Stütze.

Nicht viel anders erging es dem Genussschein von Roche. Auch sie konnten sich weitestgehend von ihrem Rückschlag von Freitagfrüh erholen. Mit einem Minus von gerademal 1,8 Prozent in den vergangenen zwei Tagen kann sich die Bilanz beim Basler Pharma- und Diagnostikkonzern sehen. Wie Nestlé weist auch Roche nur eine vernachlässigbare Abhängigkeit von Grossbritannien auf.

Anders als der Platzrivale Novartis, welcher seit der Übernahme des Geschäfts mit Krebsmedikamenten der britischen GlaxoSmithKline einen Goodwill in Milliardenhöhe in den Büchern hat. Folglich hatte das dritte SMI-Schwergewichte über weite Strecken einen eher schweren Stand. Händler berichten von grösseren Umschichtungen in die als konjunkturunabhängig geltenden Pharmawerte, gleichzeitig aber auch von solchen aus der Novartis-Aktie in den Genussschein von Roche.

Unterschlupf suchten Anleger in den vergangenen zwei Tagen auch in der dividendenstarken Aktie von Swisscom. Mit einem Minus von 2,7 Prozent hielt sich diese wesentlich besser als der um 5,5 Prozent tiefere SMI. Eine weitere Erklärung für das vergleichsweise stabile Abschneiden liefert die in den Wochen zuvor im Zuge der "Pro Service Public"-Initiative schwache Kursentwicklung.

Sunrise Communications kaum betroffen

Dass die Aktie des Marktführers unter den hiesigen Telekommunikationsunternehmen dennoch nicht ganz ungeschoren davon kam, ist auf die italienische Tochter Fastweb zurückzuführen. Sie macht das Mutterhaus verletzbar für jegliches Erstarken beim Franken. 2015 war Fastweb immerhin für 15 Prozent des Jahresumsatzes verantwortlich, Tendenz steigend. Verglichen mit anderen Grosskonzernen aus dem SMI steht Swisscom damit aber noch gut da.

Was die Gefahr eines gegenüber dem Euro erstarken Frankens anbetrifft, so kann das Unternehmen auf die tatkräftige Mithilfe der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zählen. Diese machte am Freitag kein Geheimnis daraus, an den Devisenmärkten gegen den Franken zu intervenieren.

Nur der Rivale Sunrise Communications weist bei den grossen und mittelgrossen Publikumsgesellschaften einen noch höheren Ergebnisbeitrag aus dem Heimmarkt Schweiz auf. Die Berenberg Bank rät Anlegern deswegen sogar explizit zum Kauf der erst gut seit einem Jahr an der Börse gehandelten Aktie und feiert sie als einen "sicheren Hafen".

Nebenwerte bieten nur bedingt einen Schutz

Dass der Telekommunikationskonzern kaum in Auslandsengagements verwickelt ist, erweist sich jetzt als ein Vorteil. Auch vom deutschen Grossaktionär freenet gehen keine unmittelbaren Gefahren für das Unternehmen und seine Publikumsaktionäre aus.

Bei den an der Schweizer Börse SIX gehandelten Nebenwerten finden Anleger weitere vorwiegend vom Binnenmarkt abhängige Unternehmen, beispielsweise die zahlreichen Regional- und Kantonalbanken (so Hypo Lenzburg, Valiant Holding oder Glarner Kantonalbank) sowie Immobiliengesellschaften (etwa Peach Property, Plazza oder Intershop).

Wie die Burkhalter-Aktie zeigt, bieten aber gerade kleinere Nebenwerte nur bedingt einen Schutz gegen Börsenturbulenzen, auch wenn diese ihren Ursprung im Ausland haben. Als zweitgrösster Elektroinstallateur in der Schweiz führt dieses Unternehmen ebenfalls ein vom Ausland unabhängiges Eigenleben. Schon seit Jahren reiht sich ein Rekordergebnis ans nächste. Nachdem sich die Aktie am Freitag behaupten konnte, geriet sie gestern Montag dann doch noch ins Rutschen. Auf einen eher engen Markt treffende Fondsverkäufe liessen den Kurs um 4,1 Prozent fallen.

Für gewöhnlich trennen sich gerade die institutionellen Grossanleger nämlich nicht selten zuerst von ihren risikogefährdetsten Aktienbeständen, sprich von den Finanzwerten und dann von den Nebenwerten. Letzteren wird dann der enge Markt zum Verhängnis, wenn die Verkäufe Überhand nehmen.