Dividende, Bewertung, Rendite - Streng nach Schema: Diese Aktien lohnen sich

Viele Anlagespezialisten, Fondsmanager, aber auch Privatanleger suchen Aktien gemäss Kennwerten aus: cash.ch macht es nach und sortiert den Schweizer Markt - Streng nach Dividende, Bewertung, Marge und Kapitalrendite.
10.12.2017 23:02
Von Marc Forster
Aktienanleger wollen, dass Unternehmen gewisse Erfordernisse erfüllen.
Aktienanleger wollen, dass Unternehmen gewisse Erfordernisse erfüllen.
Bild: Pixabay

Wenn Finanzmarktspezialisten Aktien empfehlen, müssen diese gewisse Kriterien erfüllen. Ob eine Aktie zum Kauf empfohlen wird, ist bei Banken, Vermögensverwaltern oder Fonds das Resultat eines Prozesses, in dem zahlreiche Kennzahlen geprüft werden. Wir haben drei Kriterien gesetzt und schauen, welche Schweizer Aktien diese am Schluss noch erfüllen. Die Erfordernisse in diesem Gedankenspiel sind folgende:

  • Eine Dividendenrendite von mindestens 3,3 Prozent. Etwa ein Fünftel der am Schweizer Markt kotierten Firmen erreicht dies derzeit. Dividendenrenditen haben in den vergangenen Jahren an Beachtung gewonnen, weil sie oft höher sind als Renditen auf Obligationen.
  • Das Kurs-Gewinn-Verhältnis darf höchstens 18 sein. Dies gilt mittlerweile als moderate Bewertung. Höhere Bewertungen deuten darauf hin, dass der Kurs einer Aktie schneller korrigieren kann, weil die Aktie "teuer" geworden ist. Das KGV wird seit einiger Zeit etwas lockerer gesehsen; Weil die Aktienmärkte schon lange Auftrieb haben, nehmen Anleger auch höhere Bewertungen in Kauf. Das KGV bleibt nichtsdestotrotz eine zentrale Orientierungshilfe für Anleger.
  • Die Eigenkapitalrendite misst, wie gut die eigenen Mittel eines Unternehmens in einer bestimmten Periode verzinst werden. Je tiefer eine Eigenkapitalrendite ist, desto eher droht einem Unternehmen finanzielle Instabilität. Eigenkapitalrenditen variieren zwischen Branchen teils deutlich. Als Mindesterfordernis setzen wir einen Wert von 8 Prozent.

Auch die  EBIT-Marge ist ein wichtiges Augenmerk der Analysten: Sie misst den Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (Earnings before Interets and Taxes, EBIT) am Umsatz und sagt aus, wie ertragskräftig ein Unternehmen ist. Auch die Betriebsmarge variiert zwischen Branchen. Zudem weisen gewisse Unternehmen, vor allem solche aus der Finanzbranche, diese nicht aus. Falls vorhanden sollte eine Betriebsmarge hier mindestens acht Prozent betragen.

Folgende Unternehmen (siehe Tabelle) erfüllen alle Kriterien. In der Übersicht steht, wieso sie sich für Anleger eignen:

Zurich: Der Versicherer hat in den vergangenen Jahren mehrere Krisen bewältigt. Viel von der erfolgreichen Geschäftsführung von CEO Mario Greco (seit 1. Mai 2016) ist schon im Kurs eingepreist. Aber Langfrist-Aussichten und vor allem das Dividendenargument mit sehr hohen 5,7 Prozent Rendite sprechen weiter für die Zurich Insurance Group.

Swiss Re: Der Rückversicherer liegt etwas zurück: Im SMI zeigt er mit minus 6 Prozent die schwächste Jahresperformance aller Aktien im Leitindex. Das Risiko, dass Swiss Re grosse Katastrophenschäden bezahlen muss, tragen Aktionäre immer. Aber Risikomanagement ist das Geschäft der Swiss Re. Auf den Rückversicherer und Dividendenstar (5,3 Prozent Rendite) kann man langfristig setzen.

Cembra Money Bank: Für ein Finanzunternehmen ist Cembra sehr rentabel, wie an der Eigenkapitalrendite von 17,2 Prozent abzulesen ist. Weder die Konkurrenz durch Crowdfunding noch der letztes Jahr gesenkte Höchstzins für Konsumkredite hat Cembra bisher aus dem Rennen geworfen. Zudem diversifiziert die Bank in Richtung Autoleasing und Kreditkartenausgabe.

Compagnie Financière Tradition: Der Broker aus Lausanne hatte mit fast 20 Prozent Performance bisher einen guten Lauf an der Börse. Der Kurs schwankt traditionell etwas. Dafür stellt das Finanzunternehmen eine stabile Ausschüttung in Aussicht.

Burkhalter: Das Zürcher Unternehmen kauft Elektroinstallateurs-Firmen auf und gewinnt so im fragmentierten Schweizer Elektro- Markt an Bedeutung. Das Geschäftsmodell ist erfolgreich und hat auch nach einer Wachstumsschwäche, die sich an der Jahresperformance von minus 13 Prozent zeigt, wieder gute Aussichten. Allerdings dürfte dann auch das KGV (18) steigen.

GAM: Lange ein Krisenfall in der Schweizer Finanzbranche, erholt sich der diversifizierte Asset Manager in letzter Zeit deutlich. Den Analysten gefällt besonders die Entwicklung der Eigenkapitalrendite, die sich in den letzten zwei Jahren von 5 auf über 8 Prozent gesteigert hat.

Swisscom: Der Telekom-Marktführer im Mehrheitsbesitz des Bundes gilt mit 4,2 Prozent Dividendenrendite als "Obligationen-Ersatz". Ob der Kurs der Aktie weiter steigt – nach 15 Prozent seit Jahresanfang – ist umstritten. Positiv wirken derzeit Bündel-Abos und das einst kriselnde Italien-Geschäft.

Helvetia: Der mittelgrosse, in der Schweiz und Europa tätige Versicherer wächst mit einem guten Mix aus Lebens- und Sachversicherungsgeschäft. Nach Aktienverkäufen durch Raiffeisen und Vontobel hat sich der Streubesitz vergrössert und die Aktie ist liquider geworden. Die Aussichten sind gut.

Bâloise: Nach Zurich, Swiss Re und Helvetia ist die Bâloise der vierte Versicherer, der die oben genannten Kriterien erfüllt. Dies nicht zuletzt dank der tiefen Bewertung. Versicherer profitieren aber auch von den allmählich steigenden Anleihen-Renditen. Effizienzverbesserungen im Konzern sollen sich im Resultat für 2017 der Bâloise zeigen.

Goldbach: Für 2017 will der Werbevermarkter Goldbach Group den Gewinn steigern. Die TV-Werbe-Tochter Goldbach Germany wird derzeit auf Rentabilität getrimmt. Der Kundenstamm bei den Privatsendern macht Goldbach weniger abhängig vom Gelingen oder Scheitern der No-Billag-Initiative.

Novartis: Sollte Novartis die Augensparte Alcon endlich abspalten, wäre dies eine gute Nachricht für die Aktionäre. Offenbar fällt zu Alcon schon bald ein Entscheid. Der defensive Pharma-Titel eignet aber so oder so fürs Portfolio.

Roche: Viele Anleger bevorzugen Roche gegenüber Novartis noch etwas – auch wenn der Kursverlauf seit Anfang Jahr tiefer ist: Der Roche-Bon legte um 3 Prozent zu, die Novartis-Aktie um 12 Prozent. Auch der erfolgreiche, in seinen Sparten weltweit führende Biopharma- und Diagnostikkonzern Roche ist fast standardmässig in den Portfolios von Schweiz-orientierten Anlegern enthalten.

 

Dividenden- Rendite (in %)

KGV 2018 Eigenkapitalrendite (%) Ebit-Marge (%) Performance Jahr (%)
Zurich 5,7 12 10,1 9,1 +6,3
Swiss Re 5,3 11 8,1 - -5,8
Cembra 5 18 17,2 - +23,1
CFT 4,8 11 13,6 8 +19,9
Burkhalter 4,6 18 38,7 8,3 -13,2
GAM 4,3 15 8,12 - +28,4
Swisscom 4,2 18 24,5 19,2 +14,8
Helvetia 3,9 12 8 - -1,9
Bâloise 3,4 12 10,6 - +18,2
Goldbach 3,4 17 36,6 - +21,9
Novartis 3,3 16 9,1 16,5 +11,7
Roche GS 3,3 15 41,4 26,4 +3,0

Daten: cash.ch, Zürcher Kantonalbank, Interactive Data
*Eigenkapital negativ
**Kurs seit Börsengang am 7. April 2017