Dow Jones - US-Aktien stossen an ihre Grenzen

Überraschende und altbekannte Aktien führen in den USA die Bestenliste in diesem Jahr an. Doch die Börsen-Luft für weitere Anstiege wird allmählich dünn.
09.10.2017 00:01
Von Ivo Ruch
Trübes Wetter vor der Börse in New York.
Trübes Wetter vor der Börse in New York.
Bild: Bloomberg

Rekord nach Rekord: Die US-amerikanischen Börsen erreichen wieder einmal fast täglich neue Höchststände. Zuletzt liessen ermutigende Konjunkturdaten die Wall Street ihre Rekordserie fortsetzen. Auch die Hoffnung, dass US-Präsident Donald Trump die Umsetzung seiner Steuerreform vorantreibt, stützt die Kurse.

Seit Trumps Amtsantritt Anfang Jahr haben sich die Aktienkurse in den USA mehrheitlich nach oben bewegt. Der Leitindex Dow Jones steht 15 Prozent im Plus (22'775 Punkte), der breitere S&P 500 14 Prozent und der Technologie-Index Nasdaq gar 22 Prozent. Im internationalen Vergleich sind das allerdings keine Spitzenwerte: Wie die folgende Übersicht zeigt, war die Börse in Hongkong (Hang Seng) in diesem Zeitraum noch stärker, und auch der Schweizer Markt hat leicht mehr zugelegt, wenn man die Dividendenzahlungen mit berücksichtigt.

Performance weltweiter Börsen

Aktienmarkt Performance 2017, in % Perf. 1 Monat, in %
Hang Seng +29 +3
SMI (inkl. Dividenden) +17 +5
Dow Jones +15 +5
Dax +13 +6
Nikkei +8 +7
Euro Stoxx 50 +10 +5

Quelle: cash.ch (Stand 05.10.17)

Die Suche nach den Gründen für die Dow-Jones-Rally führt auch zu den Einzeltiteln. Dabei steht die Aktie des Flugzeugbauers Boeing im Fokus (siehe Tabelle am Artikelende). Der beste Titel im US-Leitindex des laufenden Jahres (+66 Prozent) ist gleichzeitig auch der "schwerste": Boeing macht knapp 8 Prozent der Gesamtperformance aus. Wenn es mit Boeing künftig abwärts gehen sollte, spürt das auch der Gesamtmarkt.

Jüngst konnten auch die Pleiten von Air Berlin und Monarch Airlines der Aktie nichts anhaben. Stattdessen profitiert der US-Flugzeugbauer von neuen Bestellungen und einem konsolidierten Heimmarkt. Anders als Europa hat die amerikanische Flugindustrie bereits eine Phase der Marktbereinigung hinter sich. Zudem wurde unlängst auf Ersuchen von Boeing die Einfuhr von kanadischen Bombardier-Flugzeugen mit einem Strafzoll belegt. Mit einer Bewertung von 26 (Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2017) ist die Aktie allerdings teuer geworden. Zum Vergleich: Der Dow Jones weist laut Informationen des "Wall Street Journal" ein KGV von 19 auf.

Auch bei Caterpillar (Rang zwei, +36 Prozent) sind die operativen Aussichten intakt. Der Baumaschinenhersteller profitiert vom gut laufenden Bau- und Bergbausektor, sodass die UBS die Aktie jüngst auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel auf 140 Dollar (aktuell 126 Dollar) angehoben hat.

Konsum und Kreditkarten

Etwas überraschender ist hingegen, dass sich die Apple-Aktie unter den besten fünf Dow-Jones-Titeln halten kann. Der iPhone-Produzent kämpft gegen rückläufige Umsatz- und Gewinnzahlen. Und auch das iPhone X wurde an der Börse nicht als Befreiungsschlag für das Unternehmen gewertet. Seit der Präsentation des Geräts hat die Apple-Aktie 4 Prozent an Wert verloren.

Auch bei McDonald's stimmt die Performance - obwohl fleischlastiger Fast Food nicht gerade dem kulinarischen Zeitgeist entspricht. Doch in Asien scheint die Burgerkette noch einiges an Wachstum vor sich zu haben. Insbesondere eine Beschleunigung der Filialeröffnungen in China soll laut Marktbeobachtern die Profitabilität weiter verbessern.

Die Bankaktien schaffen es in diesem Jahr bislang nicht auf die vorderen Plätze der amerikanischen Börsenrangliste. Stattdessen sind es Kreditkartenfirmen, welche die Anleger anlocken. Visa (+36 Prozent) und American Express (+23 Prozent) wären auch Profiteure einer erfolgreichen Steuerreform in den USA, wie es bei Marktbeobachtern heisst. Trumps Plan, die Unternehmen und Bürger zu entlasten, würde mehr Geld in den Taschen der Konsumenten bedeuten. Das wiederum hätte einen positiven Effekt auf die Kartenbetreiber, da bargeldloses Bezahlen immer beliebter wird.

Drei wichtige Faktoren

Stellt sich schlussendlich die Frage, inwiefern US-Aktien noch weiter steigen können. Dabei sind drei Punkte zentral. Erstens mehren sich die Stimmen, die den Markt für "überkauft" halten. Das Shiller P/E, ein wichtiger inflationsbereinigter Bewertungsmassstab, steht mittlerweile bei 30, während der langjährige Durchschnitt 16,8 beträgt. Doch diese Bewertung ist schon lange überdurchschnittlich hoch - trotzdem sind die Kurse munter weiter gestiegen.

Zweitens: Wichtige Treiber für die Aktienmärkte waren in der Vergangenheit die tiefen Zinsen und das billige Geld, das Zentralbanken in den Markt pumpten. Doch allmählich zeichnet sich ein Ende der ultralockeren Geldpolitik ab. Die amerikanische Notenbank Fed beginnt noch im Oktober mit der Reduktion ihrer Bilanz. Ausserdem geht die Fed von einer weiteren Zinserhöhung in diesem Jahr und drei Schritten für 2018 aus.

Damit zusammenhängend rechnen viele Beobachter mit einem stärkeren Dollar, was die Euphorie am US-Markt etwas bremsen könnte. Drittens steht die Berichtssaison zum dritten Geschäftsquartal vor der Tür. Diese Woche präsentieren die Grossbanken JP Morgan und Citigroup ihre Zahlen für die ersten neun Monate. Weiteres Wachstum bei den Unternehmensgewinnen – womit gemeinhin gerechnet wird – wäre ein gutes Argument für neue Kursrekorde im Dow Jones. Ungeachtet hoher Bewertungen und steigender Zinsen.

Top- und Flop-Aktien im Dow Jones 2017

Die Besten Die Schlechtesten
Aktie Performance 2017, in % Aktie Performance 2017, in %
Boeing +66 General Electric -22
Caterpillar +36 IBM -12
Visa +36 Exxon Mobil -9
Apple +34 Verizon -7
McDonald's +30 Walt Disney -4

Quelle: cash.ch (Stand 05.10.17)