Die hohe Volatilität des Goldpreises hat nur begrenzt auf die globalen Aktienmärkte durchgeschlagen. Der Dow Jones steht vorbörslich um 13.45 Uhr 0,1 Prozent tiefer, nachdem dieser am frühen Montagmorgen noch 1,0 Prozent nachgegeben hatte.
Die ruhige Gesamtlage fernab jeglicher Panik lässt sich auch am Volatilitätsindex VIX ablesen, der am Montag im ausserbörslichen europäischen Handel gegen 9 Uhr in einer ersten Reaktion um knapp 15 Prozent auf die Marke von 20 Punkten hochschoss. Damit war der Höhepunkt bereits erreicht. Bis am Mittag bildete sich das Barometer für die Schwankunganfälligkeit des S&P-500-Index wieder auf 18,6 Punkte zurück.
Im Fokus der Wall Street stehen am Montag vielmehr zwei KI-Titel. Die Nvidia-Aktien gaben bis um 13.45 Uhr 1,2 Prozent nach, nachdem deren CEO Jensen Huang erklärte, die geplante Investition von 100 Milliarden Dollar in OpenAI seien keine feste Zusage gewesen. Dies berichtete das Wall Street Journal. Der Nvidia-Chef versuchte zwar später, seine ursprüngliche Aussage herunterzuspielen. Dennoch zeigen sich Händler gegenüber den Investitionsplänen zunehmend zurückhaltend.
Die Oracle-Valoren verlieren vorbörslich rund 1,4 Prozent, nachdem das Unternehmen am Sonntagabend angekündigt hatte, in diesem Jahr eine Kapitalerhöhung von 45 bis 50 Milliarden Dollar für den Ausbau der Cloud-Infrastrukturkapazität in Erwägung zu ziehen. Die negative Reaktion der Aktien auf die Investitionspläne ist weder für das Unternehmen noch für die allgemeine Stimmung in der Branche ein gutes Zeichen. Unter Anlegern kommen verstärkt Zweifel auf, ob die erhöhte Kapazität durch die Nachfrage nach KI-Dienstleistungen gedeckt werden kann.
Im Vergleich zu den leicht negativen US-Kursen vermochten sich auf der anderen Seite die europäischen Aktienmärkte zu behaupten. Der Swiss Market Index (SMI) rückt ebenso vor wie der Dax oder CAC40 in Paris. Für den Euro Stoxx 600 geht es gar wieder knapp an das am 16. Januar 2026 erzielte Allzeithoch heran. Der breit gefasste europäische Index zeigt sich damit unbeeindruckt von der wilden Talfahrt beim Gold oder Silber.
Der Grundtenor unter den Strategen bleibt zuversichtlich. Geopolitische Spannungen von Venezuela über Grönland bis zum Iran dürften die Aktienmärkte auch zu Jahresbeginn weiterhin prägen und kurzfristig stärker beeinflussen als fundamentale Faktoren, betont Marcio Costa, Senior Portfoliomanager beim Vermögensverwalter Bantleon. Übergeordnet habe sich das Stimmungsbild jedoch seit November 2025 deutlich aufgehellt, so seine Einschätzung.
Solides Fundament für weitere Kursgewinne
Wichtige Sentimentindikatoren wie der «CNN Fear & Greed Index», eine gewichtige Umfrage unter professionellen Vermögensverwaltern sowie die niedrigen Volatilitäts- und Absicherungsniveaus signalisierten einen vorsichtigen Optimismus ohne Anzeichen von Panik. «Saisonale Muster sprechen grundsätzlich für ein positives Börsenjahr 2026, gestützt durch einen guten Jahresauftakt und historisch solide Wahlzyklus-Effekte», so Costa von Bantleon.
Ferner weist der Bantleon-Experte auf die laufende Berichtssaison mit bislang überwiegend positiven Überraschungen hin. Zudem bleibe die globale Marktbreite robust. Trotz hoher Indexkonzentration und politischer Risiken sind die Perspektiven für Indizes wie S&P500 und Eurostoxx insgesamt freundlich, obwohl temporäre Rücksetzer möglich seien, so das Fazit des Fondsmanagers von Bantleon.
In der Schweiz beginnt die Berichtssaison im Vergleich zu den USA erst langsam. Während das Gewinnwachstum im SMI im vergangenen Jahr vor allem von den Schwergewichten getragen wurde, erwartet der UBS-Stratege Daniel Kalt für 2026 eine breitere Basis und veranschlagt für die SMI-Titel ein Gewinnwachstum von durchschnittlich 5 Prozent. Wird der Kreis von den 20 grössten auf die 50 grössten hiesigen Unternehmen erweitert, sieht der UBS-Experte Kalt das Gewinnwachstum gar bei 9 Prozent. «Die grössten Risiken für den Schweizer Aktienmarkt dürften das Währungsrisiko und die fragile Konjunkturlage bleiben.»
Auch für die globalen Aktienmärkte sieht der Stratege von der UBS einen deutlichen Anstieg der Aktienkurse. Treiber seien vor allem die erwartete Belebung des globalen Wirtschaftswachstums und die Aussicht auf sinkende Leitzinsen, die Unternehmen und Konsumenten entlasten und die Attraktivität von Aktienanlagen erhöhen. Die Rally dürfte sich entsprechend weiter verbreitern und nicht mehr nur von den unmittelbaren Profiteuren des KI-Infrastrukturaufbaus getragen werden.

