Ex-Dividenden-Handel - Nicht jede Aktie ist ein «Stehauf-Männchen»

Nach dem «Dividenden-Knick» muss eine Aktie neuen Anlauf nehmen, um auf das alte Kursniveau zu kommen. Nicht überall gelingt dies so schnell. cash.ch beurteilt Titel, die dieser Tage ex-Dividende gehandelt werden.
30.04.2018 00:32
Von Marc Forster und Pascal Züger
Jan Jenisch, CEO des Zementherstellers LafargeHolcim, muss seine Firma wieder auf Kurs bringen.
Jan Jenisch, CEO des Zementherstellers LafargeHolcim, muss seine Firma wieder auf Kurs bringen.
Bild: cash

An der Schweizer Börse kotierte Dividendenaktien verfügen über eine eingebaute "Stolperfalle". Nachdem die Ausschüttung erfolgt ist, reduziert sich der Kurs um die Höhe der Dividende. So wollen es die Regeln. Damit stellt für Anlegerinnen und Anleger Jahr für Jahr die gleiche Frage: Wann holt die Aktie den "Knick" wieder auf? Je nachdem lädt der Dividendenabgang auch zum Einstieg oder Aufstocken bei einer Aktie ein.

Gut laufende Aktien haben es relativ leicht: Die wegen der hohen Dividendenrendite von 5,7 Prozent geschätzte Aktie des Zurich-Versicherungskonzerns fiel am Ex-Dividendentag Anfang April von 311 auf 297 Franken, dabei beträgt die Höhe der Dividende 18 Franken: Schon am Ex-Dividendentag konnte der Kurs einen Teil weit aufholen. Aktuell ist die Aktie 316 Franken wert – der Dividendenknick ist also innerhalb von weniger als einem Monat aufgeholt worden. Die Aktie der solide geführten Zurich ist nach Swatch und Richemont mit 7 Prozent Kursgewinn die SMI-Aktie mit der drittbesten Jahresperformance.

Es gibt aber auch problematischere Beispiele: Der Heizungs- und Klimatechniker Meier Tobler kommt gar auf eine Dividendenrendite von 6,2 Prozent. Der Dividendenabgang Ende März reduzierte die Aktie von 37 auf 34,40 Franken. Also ging der Kurs schon an diesem Handelstag um mehr als die 2 Franken Dividendenhöhe zurück. Inzwischen liegt der Kurs bei 32,70 Franken, ein klares Zeichen dafür, dass das Vertrauen der Anleger in Meier Tobler wegen der schwierigen Marktlage schwach ist. Die Dividende wird zudem aus der Substanz bezahlt und wird gemäss Analysten sinken müssen.

Doch welche Dividendenaktien machen den Abschlag schnell wieder wett und welche werden sich schwer tun? cash nimmt sechs Aktien genauer unter die Lupe:

Swiss Life

Versicherer sind generell gute Dividendenzahler, wie die neben Swiss Life in der Tabelle (siehe unten) aufgeführten Branchenvertreter Bâloise, Helvetia und Swiss Re zeigen. Für Versicherungsaktien war das Umfeld dank steigender Zinsen und solider Geschäftsmodelle lange Zeit sehr gut. Inzwischen sind die Kurse aber abgeflacht, auch bei Swiss Life: Die Kurs ist verglichen mit dem Jahresanfang unverändert. cash meint: Der Lebensversicherer dürfte eine Weile brauchen, den Dividenden-Kursrückgang von 357 auf 346 Franken aufzuholen.

Galenica

Seit der Apothekenzulieferer Galenica im April 2017 neu kotiert ist, hat die Aktie über 20 Prozent zugelegt. Das Geschäft läuft stabil und ist gut einschätzbar, weshalb auch künftig eine solide Dividendenausschüttung erwartet werden kann. Der Medikamentenvertreiber profitiert vom Trend der höheren Lebenserwartung, der auch die Medikamenten-Nachfrage stetig ansteigen lässt. Allerdings sind die Wachstumschancen begrenzt, zumal keine Ausland-Expansion geplant ist. Ausserdem könnte die Marge etwas unter Druck geraten, da die Politik die Gesundheitskosten drücken will. cash meint: Nach Dividendenabschlag zukaufen und langfristig halten.

GAM

GAM hat nach Jahren der Krise an den Märkten wieder viel Vertrauen gewonnen. Dass der Turnaround des Asset Managers vollbracht ist, zeigt die Kursverdoppelung der Aktie seit Mitte 2016. Unsicherheiten bleiben gewiss. So konzentriert sich das Fondshaus auf aktives Management, wozu es einigermassen belebte Finanzmärkte braucht. Auch die hohen Saläre der Chefetage sorgen für Diskussionen. cash meint: Da der Markt GAM gegenüber generell aber positiv gesinnt ist, dürfte der am heutigen Montag anstehende Dividendenknick beizeiten ausgeglichen sein.

Dividende und Ausschüttungsdatum ausgewählter Schweizer Aktien

Aktie Dividendenrendite Datum Ex-Dividende
Adecco 3,6% 25. April*
APG SGA 5,9% 28. Mai
Baloise 3,6% 02. Mai
BC Vaudoise 4,1% 30. April*
Burkhalter 5,3% 24. Mai
Galenica 3,2% 14. Mai
GAM 4,0% 30. April*
Helvetia 3,9% 24. April*
Kühne+Nagel 3,8% 11. Mai
LafargeHolcim 3,6% 11. Mai
Nebag 6,8% 25. Juli
Swiss Life 3,8% 26. April*
Swiss Re 5,1% 24. April*
UBS 3,9% 7. Mai

*Dividendenauszahlung bereits erfolgt / Quelle: cash.ch

LafargeHolcim

Die Hoffnungen auf eine Trendwende beim weltweit grössten Zementhersteller LafargeHolcim ruhen auf einem Namen: Jan Jenisch. Der charismatische Deutsche hat seit September 2017 das Amt als CEO inne. Zuvor hat er in seinen fünf Jahren als Sika-Chef das Wunder vollbracht, den Aktienkurs zu verdreifachen. Entsprechend sind nun auch bei LafargeHolcim die Erwartungen an ihn hoch. Er muss die zwei Kulturen von Lafarge und Holcim besser zusammenbringen, Doppelspurigkeiten beseitigen und die Konzernstruktur vereinfachen. Noch tendiert die Aktie seitwärts, obwohl der Ex-Dividende-Tag (11. Mai)  näher rückt. cash meint: Der anstehende Dividendenknick lädt zum Einstieg ein, da sich eine operative und kursmässige Erholung abzeichnet.

UBS

Das Erstquartalsergebnis der UBS vor einer Woche kam an der Börse nicht gut an. Der Gewinnbeitrag aus der weltweiten Vermögensverwaltung wurde als zu gering beurteilt. Vergangene Woche liess der Kurs der Aktie um 2,5 Prozent nach und vergrösserte das Negativ-Saldo des Aktienkurses seit Jahresbeginn auf 8 Prozent. cash meint: Die UBS muss mit ihrer Ausrichtung auf das Wealth Management überzeugende Zahlen aus dem Geschäft mit reichen Kunden vorlegen; Solange dies nicht geschieht, hat es die Aktie schwer, und wird auch den Dividendenabgang am 7. Mai nicht sofort aufholen.  

APG (Allgemeine Plakatgesellschaft)

Zwar besitzt APG im Bereich Aussenwerbung noch immer einen Marktanteil von knapp 65 Prozent, doch macht die Konkurrenz Druck. Der zweitgrösste Anbieter Clear Channel konnte APG in den letzten Jahren etwa Grossaufträge der Stadt Luzern und der Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) abluchsen. Grosses Kaufargument für APG ist die hohe Dividende von 24 Franken pro Aktie (Rendite 5,9 Prozent). Allerdings handelt es sich bei der Hälfte dieser Auszahlung um eine Sonderdividende, eine Kürzung ist nur noch eine Frage der Zeit. cash meint: Wer ruhig schlafen möchte, meidet die APG-Aktie.

 

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