«Nach ‌einem raschen ⁠Durchbruch in den Verhandlungen zwischen Washington und Teheran sieht es im Augenblick nicht aus», sagt Christian Henke, Analyst vom Broker IG. US-Präsident Donald Trump hat den ⁠Druck auf den Iran erhöht und die Führung in Teheran zu einer zügigen Einigung gedrängt. Sollte keine Lösung im Atomstreit erzielt werden, würden «schlimme Dinge» passieren, warnte Trump in Washington. ‌Er nannte in diesem Zusammenhang eine Frist von zehn Tagen, ohne näher darauf einzugehen. Während die USA ihre ‌Truppenpräsenz im Nahen Osten weiter verstärken, wächst international die Sorge vor einem neuen ​Krieg.

Spekulationen auf mögliche Lieferengpässe trieben die Ölpreise in der alten Woche um rund 5,5 Prozent nach oben. Steil nach oben ging es auch für den europäischen Gaspreis. Die grösste Sorge der Investoren ist laut Analysten, dass eine Eskalation des US-Iran-Konflikts den Schiffsverkehr in der Strasse von Hormus beeinträchtigen könnte. Ein grosser Teil des weltweiten Öl- und Gasverbrauchs wird über diese Wasserstrasse abgewickelt. Die Börsen schlugen unterdessen einen Zickzackkurs ein, doch eine Flucht aus Risikoanlagen in «sichere Häfen» ‌blieb vorerst aus.

Am Freitag schloss der SMI 0,4 Prozent im Plus bei 13'859,77 Punkten, während der deutsche Dax mit 25'260 Punkten rund 0,9 Prozent zulegte. Auch der europäische Aktienmarkt, gemessen am Stoxx 600, legte zu - um 0,8 Prozent auf 630,57 Punkte. «Anleger bevorzugen Sicherheit, wenn auch mit Abschlägen», fassen die Experten der Helaba die Handelswoche zusammen.

Ifo-Index im Fokus

Im Fokus bleibt zugleich der Zickzackkurs des Technologiesektors. Nach der Markteinführung mehrerer neuer Anwendungen Künstlicher Intelligenz (KI) fürchten viele Anleger, dass der Boom ​der neuen Technologie die Geschäftsmodelle etablierter Software- und Datenunternehmen untergraben könnte. Dies löste zuletzt in mehreren Branchen eine Korrektur ​aus. Benjamin Melman, Chefanleger beim Vermögensverwalter Edmond de Rothschild, bezeichnet diese Reaktion jedoch als überzogen: «Wenn KI ​die Entwicklung effizienter und günstiger macht, könnte die Nachfrage nach Software eher steigen als schrumpfen.»

Angesichts der erhöhten Risikowahrnehmung sei der Wochengewinn beim Dax möglicherweise ein Anzeichen der Hoffnung, dass es mit ‌der deutschen Wirtschaft nach und nach aufwärts geht, hiess es im Bericht der Helaba. Weitere Hinweise zur Konjunkturlage in der Bundesrepublik bietet zum Start der neuen Woche der Ifo-Index für Februar, der laut Experten zulegen dürfte. Zur Wochenmitte gibt der GfK-Index Auskunft über die Kauflaune der deutschen Konsumenten im März. Zudem stehen ​die detaillierten Zahlen ​zum deutschen Bruttoinlandsprodukt im vierten Quartal sowie die endgültigen Inflationsdaten für die Euro-Zone ⁠im Januar an. Am Donnerstag folgen Daten zum Geschäftsklima und zum Verbrauchervertrauen im Euroraum im Februar.

Im ​Rampenlicht zum Wochenschluss stehen die vorläufigen deutschen ⁠Inflationsdaten für Februar. Die Kernteuerungsrate ohne die häufig sehr volatilen Unterkomponenten Lebensmittel und Energie dürfte laut Experten wie im Januar 2,5 Prozent betragen. «Damit wäre ‌der unterliegende Preisdruck zwar weiterhin etwas stärker als von der EZB angestrebt», sagt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. «Da der Preisanstieg in Deutschland aber eher etwas stärker ist als im Durchschnitt des Euroraums, dürfte dies für die Zentralbank kaum ein Grund zur Sorge sein.» Ebenfalls am Freitag ‌stehen zudem der deutsche Arbeitsmarktbericht sowie die US-Erzeugerpreise für Januar an.

Nvidia mit Zahlen

Im Fokus bei den Unternehmen stehen ​unter anderem die Bilanzen von Fresenius, Fresenius Medical Care, MTU Aero Engines, E.ON, Heidelberg Materials, Deutsche Telekom, Allianz, Hensoldt, Aixtron, Puma und Delivery Hero. In den USA öffnet Nvidia als letzter der als «Magnificent Seven» bekannten grössten Technologiekonzerne ihre Bücher.

Ausserdem warten Anleger auf die Geschäftszahlen von US-Unternehmen wie der Pizzakette Domino's Pizza, der Baumarktkette Home Depot, den PC-Herstellern HP und ‌Dell, den Unterhaltungskonzernen Paramount Skydance und Warner Bros ​sowie des Impfstoffherstellers Novavax.

In der Schweiz legt am Montag Belimo die Zahlen vor. Dienstag steht SMI-Titel Alcon mit dem Jahresergebnis 2025 im Anlegerfokus. Mitte der Woche präsentieren Sandoz und Adecco die jeweiligen Zahlenkränze. Donnerstag wird der geschäftigste Wochentag: Rund 15 Unternehmen aus der zweiten Reihe legen die Zahlen vor, darunter Feintool, Clariant, Idorsia, Emmi oder Intershop. Zum Wochenschluss rücken schliesslich Holcim und Swiss Re ins Rampenlicht.

(Reuters)