Glencore, Garmin und Co. - Bergbau und Biotech: Schweizer Firmen an ausländischen Börsen

Zahlreiche Schweizer Firmen sind an ausländischen Börsen kotiert. Weshalb bevorzugten Sie nicht die heimische SIX? Und befinden sich heimliche Börsen-Stars unter ihnen?
15.11.2017 08:34
Von Pascal Züger und Marc Forster
CRISPR Therapeutics aus Zug ist an der US-Technologiebörse Nasdaq kotiert und will zielgerichtet DNA-Stränge verändern.
CRISPR Therapeutics aus Zug ist an der US-Technologiebörse Nasdaq kotiert und will zielgerichtet DNA-Stränge verändern.
Bild: pixabay.com

Immer wieder entscheiden sich Schweizer Firmen für eine Kotierung an einer ausländischen Börse. Besonders stark ist dieser Trend seit einiger Zeit in der Biotech-Branche: Seit Anfang 2016 hat sich mit Idorsia gerade mal eine Firma an der SIX in Zürich niedergelassen. An ausländischen Börsen - überwiegend in New York - fanden in diesem Zeitraum hingegen gleich sechs Schweizer Biotech-Börsengänge statt. So wagten etwa ObsEva aus Genf und AC Immune aus Lausanne den Schritt an die US-Technologiebörse Nasdaq.

"Das Marktpotenzial ist für Biotech-Firmen in den USA grösser als in Europa, auch die Investorensuche ist einfacher", sagt Ivo Staijen, Portofoliomanager von HBM Healthcare Investments. Unternehmen kommen durch Börsengänge in den USA also einfacher an Geld. Darüber hinaus wirbt die Nasdaq seit einigen Jahren sehr aggressiv um Firmen, auch in der Schweiz.

Der Entscheid für eine ausländische Kotierung kann aber auch damit zu tun haben, dass Firmen operativ mehrheitlich in einem anderen Land tätig sind. So etwa beim Churer Netzwerkdienstleister TalkPool, der sich 2016 beim Nasdaq-Ableger in Stockholm kotieren liess, da die Firma einen grossen Teil des Geschäfts in Schweden erwirtschaftet.

Verschiedene global agierende Schweizer Konzerne aus dem Rohstoffbereich haben sich ebenfalls für eine Auslandkotierung entschieden. Etwa die in der Erdöl- und Erdgasindustrie tätige Weatherford International oder das Mineralölunternehmen Transocean. Beide haben ihren Hauptsitz in Zug und beide waren zwischenzeitlich an der SIX kotiert. Inzwischen werden diese Titel aber ausschliesslich an der New York Stock Exchange gehandelt.

Daneben gibt es weitere bekanntere und weniger bekannte Schweizer Firmen an ausländischen Börse. cash hat vier herausgepickt und beurteilt die Entwicklungsmöglichkeiten der Aktien.

CRISPR Therapeutics

Das Zuger Unternehmen CRISPR bedient sich dem "Genome Editing", um zielgerichtet die DNA von menschlichen und tierischen Embryonen verändern zu können. Dieser Technik wird in den USA grosses Potenzial attestiert. In der Schweiz hingegen ist sie verboten. Das Verbot ist natürlich der Hauptgrund, weshalb sich der grösste Geschäftsbereich von CRISPR in den USA befindet und warum die Firma an der Nasdaq kotiert ist.

CRISPR erreicht unter den neukotierten Schweizer Biotech-Firmen in den USA wohl die grösste Aufmerksamkeit. Und genau diese Aufmerksamkeit ist es, die Schweizer Firmen am Nasdaq brauchen, damit das Börsenabenteuer nicht zum Debakel wird. Seit dem Börsengang im Oktober 2016 konnte die Aktie trotz einiger Rücksetzer knapp 20 Prozent zulegen.

Die "Genome Editing"-Technik ist noch in den Kinderschuhen, das Potenzial unklar. Ein Investment eignet sich daher nur für risikofreudige Anleger, die ausserdem keine moralischen Bedenken bezüglich gentechnischer Veränderungen des Erbguts haben. Kommt hinzu, dass CRISPR sich dem Konkurrenzkampf stellen muss: Die amerikanischen Firmen Editas Medicine und Intellia Therapeutics sind im selben Gebiet tätig. Wobei letztere mit Novartis zusammen arbeitet.

STMicroelectronics

Die Aktie von STMicroelectronics ist eine Kursrakete: Innerhalb der vergangenen zwölf Monate legte der Wert der Aktie um 160 Prozent zu. Das Unternehmen produziert und entwirft Halbleitersysteme, die in allen möglichen Formen angewendet werden. Namhafte Konkurrenten von STMicroelectronics sind Infineon, Micronas oder Texas Instruments. Wichtiger Kunde ist Apple.

STMicroelectronics ist ein Grosskonzern. Nicht weniger als 43‘500 Mitarbeiter arbeiten für das Unternehmen, das 2016 knapp 7 Milliarden Dollar Umsatz erzielte. Verwaltet wird das Unternehmen von Genf aus, was der "schweizerischste" Aspekt des Unternehmens ist. Produziert wird weltweit. Die Wurzeln des Unternehmens liegen in Italien und Frankreich, der registrierte Sitz ist in Schiphol in den Niederlanden. Und die Kotierung ist in New York.

Die Liebe der Analysten zur Aktie hat sich in letzter Zeit etwas abgekühlt: Nach dem starken Kursanstieg ist die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 41 (2017) hoch bewertet. Die Nähe zu Apple allein reicht nicht aus, um der Aktie weiteren Schub zu geben. Zyklisch stehen die Zeichen für STMicroelectronics zudem eher auf Abschwung. Kurzum: Erst nach einem Kursrückgang ist STMicroelectronics ein interessanter Einstieg.

Glencore

Die Ursprünge des Bergbaukonzerns gehen auf den Rohstoffhändler Marc Rich zurück, der das Unternehmen 1974 gründete. Der Name der von Baar ZG aus verwalteten Gruppe besteht seit 1994 und ist ein Zusammenzug von "Global Energy Commodity and Resources". Registriert ist Glencore in St. Helier auf der britischen Kanalinsel Jersey. Gelistet sind die Aktien in London, Hongkong und Johannesburg, denn das Geschäft war immer stark international ausgerichtet. Glencore ist zudem stark angelsächsisch geprägt und London das Zentrum des weltweiten Rohstoffhandels. Der Bergbaukonzern Xstrata, der 2013 mit Glencore fusionierte, hatte ursprünglich eine Schweizer Kotierung.

Glencore ist eines der umsatzmässig grössten und auch umstrittensten Unternehmen der Schweiz: Von Menschenrechtsverletzungen über Ausbeutung, Steuermanipulation, Schmiergeldzahlungen und Umweltverschmutzung wird dem Unternehmen vieles vorgeworfen. Das kann Anleger abschrecken.

Tatsache ist: In den letzten zwölf Monaten stieg die Glencore-Aktie um 26 Prozent. Der Verlauf ist aber sehr volatil. Wohl und Wehe des Unternehmens hängen zu einem hohen Grad von den stark schwankenden Rohstoffpreisen ab. Ein grosser Teil der Analysten empfiehlt wegen steigender Rohstoffpreise, verbesserter Gewinnaussichten oder Portfolio-Optimierungen einen Kauf der Aktie. Ob Glencore indes angesichts des risikoreichen Rohstoffmarktes als solides Langfrist-Investment taugt, ist fraglich.  

Garmin

Auch der Hersteller von Navigationsgeräten -ähnlich wie STMicroelectronics - ist in der Schweiz nur gering verwurzelt: Die Geschäftsführung ist in den USA und in Taiwan angesiedelt, die Aktie an der Nasdaq gehandelt. Der Hauptsitz ist jedoch inzwischen in Schaffhausen – man geht nicht falsch, wenn man sagt: aus steuertechnischen Gründen. Vor der "Übersiedlung" in die Schweiz war Garmin schliesslich auch auf den steuergünstigen Cayman-Inseln angesiedelt.

Die Firma ist breit aufgestellt, die Gewinnentwicklung positiv. Neben dem Bereich Strassennavigation fertigt der Konzern auch Navigationsprodukte für die Bereiche Fitness, Outdoor, Marine- und Luftnavigation. An der Börse macht Garmin derzeit eine äusserst gute Falle: Plus 25 Prozent seit Jahresbeginn, allein in den letzten zwei Monaten betrug der Zuwachs 16 Prozent.

Grund für den jüngsten Kurssprung war die Erhöhung der Umsatzziele sowie der erwarteten operativen Marge für das Gesamtjahr 2017. Attraktiv ist die jährliche Dividendenrendite von 3,5 Prozent. Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis (2017) von 21 ist die Aktie jedoch nicht mehr ganz billig. Nichtsdestotrotz sind die weiteren Geschäftsaussichten von Garmin gut, so dass sich ein Einstieg noch immer auszahlen könnte.