Industrie-Aktien - Auf welche Firmen hat es Michael Pieper abgesehen?

Der Schweizer Grossinvestor Michael Pieper, der zuletzt bei Arbonia einen Überraschungscoup landete, hält immer nach neuen Investments Ausschau. Vier Aktien, die dafür in Frage kommen - oder eher nicht.
14.06.2017 00:39
Von Ivo Ruch und Pascal Züger
Michael Pieper, Grossinvestor und CEO der Artemis-Gruppe, in einem früheren Interview mit cash.ch.
Michael Pieper, Grossinvestor und CEO der Artemis-Gruppe, in einem früheren Interview mit cash.ch.
Bild: cash

Der 71-jährige Michael Pieper gilt als langfristig orientierter Investor, der auf einen Schlag grosse Pakete an börsenkotierten Firmen erwirbt und diese dann zu neuem Wachstum und Profitabilität führt. Typischerweise stecken diese Firmen in Problemen, der Aktienkurs ist im Keller. Dann schlägt Pieper jeweils zu. Und noch nie hat er sich von einer Beteiligung getrennt.

Doch Piepers letzter Einkauf ist inzwischen über zwei Jahre her: Im Dezember 2014 kaufte er bei der kriselnden AFG (heute: Arbonia) ein Aktienpaket von 22 Prozent. Der Kurs schnellte am Tag der Bekanntgabe über 20 Prozent in die Höhe. Über seine Artemis-Gruppe besitzt Pieper neben Arbonia noch weitere Beteiligungen an börsenkotierten Schweizer Firmen: Feintool (Anteil von 51 Prozent), Forbo (30 Prozent), Adval Tech (21 Prozent), Autoneum (20 Prozent) und Rieter (12 Prozent).

Pieper ist an neuem Investment dran

Pieper, bekennender Anhänger des Industriestandortes Schweiz, hält permanent Ausschau nach neuen Investments. Das sagt er immer wieder in Interviews, und seine kryptischen Aussagen zu möglichen Firmenzielen streifen bisweilen die Grenze zur Kokketerie. Zehn Firmen würden permanent beobachtet, sagte Pieper Ende Mai anlässlich der Jahresmedienkonferenz von Artemis im Interview mit cash. "Eine Firma schauen wir sehr eng an, da haben wir in ein paar Monaten wieder eine sehr wichtige Sitzung", so Pieper damals, natürlich ohne konkrete Namen zu nennen.

Ein Blick auf Piepers bisherige Investments reduziert den Kreis der möglichen Firmen-Kandidaten bereits stark: Pieper setzt auf kriselnde Industriefirmen, bevorzugt aus dem Bereich Auto- oder Bauzulieferer, deren Aktienkurs seit einiger Zeit untendurch musste. Darüber hinaus muss die Aktionärsstruktur den Kauf eines bedeutenden Aktienpakets auf einen Schlag ermöglichen. Denn wo Pieper ensteigt, will er mitreden und den zukünfitgen Kurs mitbestimmen.

An den Märkten wird viel über Piepers nächstes Investment spekuliert. Wahrscheinlich ist auch der Ausbau von Beteiligungen bei schon bestehenden Investments. Allerdings sind die Bewertungen und Aktienkurse bei vielen Small und Mid Caps vor allem auch in diesem Jahr erneut massiv gestigen, was den Kreis möglicher Ziele einschränkt. Folgende vier Firmen wurden in letzter Zeit immer wieder als Pieper-Targets genannt. Sind diese tatsächlich Pieper-tauglich?

Burckhardt Compression

Nur schon geographisch würde Burckhardt Compression gut zu Michael Pieper passen. Seine Beteiligungen an Autoneum und Rieter sind ebenfalls in Winterthur zu Hause. Zudem gibt es keinen Grossaktionär, der eine Aktienmehrheit praktisch verhindern würde. Auch die operative Schieflage ist da, um Piepers unternehmerischen Ehrgeiz zu wecken: Die tiefen Gas- und Ölpreise setzen das Geschäft des Kompressorenherstellers stark unter Druck, der Börsenwert befindet sich auf dem tiefsten Stand seit fast fünf Jahren.

Die Kursschwäche sorgt am Markt auch sonst für Fantasie. Fondsmanager sprechen hinter vorgehaltener Hand von taktischen Einstiegsmöglichkeiten. Denn die Aussichten sind nicht so schlecht. Burckhardt ist in vielen Märkten führend, in denen hohe Eintrittshürden bestehen. Das Gasgeschäft dürfte gegenüber Öl an Bedeutung gewinnen. Daneben gehört das Servicegeschäft zu den Wachstumstreibern. Der Haken: Michael Pieper verfügt über wenig Erfahrung in der Öl- und Gasindustrie. Seine Engagements bei börsenkoteirten Unternehmen fanden bisher hauptsächlich in den Bereichen Bauzulieferung und Automobilindustrie statt. Um bei Burckhardt das Sagen zu haben, müsste Pieper knapp 15 Prozent der Aktien besitzen. Beim aktuellen Börsenwert wären das rund 130 Millionen Franken.

OC Oerlikon

2016 erzielte Oerlikon zwar einen geringeren Umsatz, jedoch waren Fortschritte bei der Profitabilität erkennbar. Doch noch nicht alle Probleme sind vom Tisch: "Die Situation ist bei den Chemiefaseranlagen noch etwas unklar", sagt Armin Rechberger, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB) auf cash-Anfrage. Er spricht damit die Sparte "Manmade Fibers" an, welche im letzten Jahr ein Umsatzminus von 39 Prozent aufwies und als Problemsparte bei Oerlikon gilt.

Gegen ein Investment Piepers spricht, dass die Aktie in den letzten 52 Wochen um 47 Prozent zulegen konnte. Hinzu kommt die ungünstige Aktionärsstruktur: "Ein Einstieg eines Grossinvestors wie Michael Pieper halte ich für eher unwahrscheinlich, da mit Victor Vekselberg bereits ein starker Ankeraktionär vorhanden ist", so Rechberger. Vekselberg besitzt 43 Prozent der Oerlikon-Aktien. Für einen weiteren Grossaktionär ist kaum Platz, Pieper müsste daher das Aktienpaket von Vekselberg übernehmen. Doch ob sich der Russe auf einen solchen Deal einlässt?

Schaffner

Der Hersteller von Elektrokomponenten hat einen neuen CEO verpflichtet (Marc Aeschlimann) und zudem den Verwaltungsrat mit dem Turnaround-Experten Urs Kaufmann und dem Grossaktionär Philipp Buhofer (20 Prozent der Aktien) neu besetzt. Schon länger dabei ist der Nebenwerte-Fonds "Sara Select", der knapp 10 Prozent der Aktien hält. Die neue Führungsriege beflügelt die Anlegerphantasie: Die Schaffner-Aktie hat seit Anfang Januar 26 Prozent zugelegt.

Schaffner würde deshalb in Piepers Portfolio passen, weil die Firma als Industrieperle gilt und ein wichtiger Zulieferer für die Autoindustrie ist, insbesondere die Elektroautoindustrie. Ein Geschäftsfeld, in dem sich Pieper bestens auskennt. Zudem gibt es bei Schaffner durchaus operatives Verbesserungspotenzial: Umsatz und Reingewinn liegen noch weit unter dem Stand von 2014. Bis vor ein paar Monaten wäre Schaffner ein ideales Ziel für einen Einstieg Piepers gewesen. Doch durch die personellen Rochaden wurde ein solides Fundament geschaffen. Und kaum vorstellbar, dass Grossaktionär Buhofer seinen Anteil nun abstösst. 

Schmolz + Bickenbach

Mit 89 Rappen pro Aktie gehört Schmolz + Bickenbach zum unrühmlichen Kreis der Penny-Stock-Titel. 2015 und 2016 litt der Stahlhersteller stark unter dem fehlenden Schwung der Weltwirtschaft und den fallenden Rohmaterialpreisen. 2017 gibt es nun Lichtblicke: Im ersten Quartal erhöhte sich die abgesetzte Menge und der Stahlpreis, die Auftragslage sieht positiv aus. Die Aktie legt in diesem Jahr um 33 Prozent zu.

Pieper zeigte schon früher Interesse für Schmolz + Bickenbach. 2013 legte er ein Angebot für eine Minderheitsbeteiligung vor - ohne Erfolg. Stattdessen nistete sich im gleichen Jahr Viktor Vekselberg bei der Firma ein, der knapp 26 Prozent an der Firma besitzt. Auch hier müsste Pieper wie bei Oerlikon wohl bei Vekselberg anklopfen, um ein Aktienpaket zu erwerben.