Die KI-getriebene Rally bei US-Technologieaktien steht trotz zunehmender Warnungen vor einer Blasenbildung vor einer Fortsetzung. Die führenden Strategen an der Wall Street weiten neben den bekannten Namen ihre Kaufempfehlungen auf periphere Hardware-Spezialisten und Infrastruktur-Anbieter aus, da die makroökonomischen Daten für eine Fortsetzung der Rally sprechen - wenn auch in gemächlicherem Tempo.
Ein Blick auf die Empfehlungslisten der grossen Investmentbanken bei den Techwerten liest sich weiterhin wie das «Who-is-Who» der Branche. Die UBS setzt auf Amazon, Arista Networks, Cisco, Snowflake und Texas Instrument, während die Bank of America (BofA) mit Alphabet, Analog Devices, Broadcom, KLA und Nvidia an den Start geht. Der stets bunt gekleidete Wedbush-Stratege Dan Ives wiederum empfiehlt die zehn Titel Alphabet, Broadcom, Iren, Meta, Micron, Nebius, Nvidia, Palantir, Taiwan Semiconductor und Tesla zum Kauf.
Mit Analog Devices, Iren, KLA und Nebius finden sich vier weniger bekannte Namen unter den Top-Valoren. Analog Devices ist ein führendes US-Halbleiterunternehmen, das auf Datenkonvertierungs-, Signalverarbeitungs- und Energiemanagementtechnologien spezialisiert ist. Iren baut nachhaltige Rechenzentren und hat den Hauptsitz im australischen Sydney. KLA Corporation gehört zu den führenden Anbietern im Bereich Prozesssteuerung der Halbleiterindustrie. Nebius ist aus Amsterdam heraus tätig und hat sich auf den Aufbau einer Full-Stack-Infrastruktur für die globale KI-Industrie spezialisiert.
Hohe, aber nicht unrealistische Bewertungen
Trotz der bisherigen Rally sind die Aktienkurse der Branche bis jetzt nicht auf einem Wert angelangt, der als völlig übertrieben betrachtet werden kann. Die Berechnungen von Wolfgang Rotberg, Aktienstratege von J. Safra Sarasin, zeigen, wie der Aktienmarkt in einem disruptiven KI-Szenario eine Rolle spielt. Seinen Berechnungen nach beträgt der im Aktienmarkt eingepreiste BIP-Wachstumseffekt durch KI rund 1,7 Prozentpunkte, was über den gängigen ökonomischen Annahmen liegt. Dies muss jedoch keine Korrektur im Aktienmarkt zur Folge haben, dürfte aber die Aktienmarktrenditen im Jahr 2026 moderater ausfallen lassen als in den vergangenen drei Jahren.
«Es bedeutet jedoch nicht zwangsläufig eine substanzielle Neubewertung des Marktes», so der Stratege von J. Safra Sarasin weiter. Sollte ein reibungsloser Übergang von infrastrukturgetriebenem zu anwendungs- und damit produktivitätsgetriebenem Wachstum erfolgen, kann der Markt die aktuellen Bewertungen problemlos erreichen. Obwohl die Gewinne voraussichtlich moderater ausfallen werden, erwartet von Rotberg dennoch positive Renditen, die jedoch etwas unter dem Wachstumstempo der Unternehmensgewinne liegen dürften.
Tech-Rally hat weiter Luft nach oben
Eine einfache Methode, um zu beurteilen, ob die KI-getriebene Tech-Rallye zu weit oder zu schnell gegangen ist, besteht darin, sie mit früheren Haussephasen zu vergleichen. Betrachtet man zehn Aktienblasen weltweit seit 1900, so dauerten diese laut einer Studie von Michael Hartnett, leitender Aktienstratege von Bank of America (BofA), im Durchschnitt etwas mehr als zweieinhalb Jahre und verzeichneten jeweils einen Kursanstieg von 244 Prozent.
Im Vergleich dazu befindet sich die KI-getriebene Rallye bereits im dritten Jahr. Der S&P 500 ist seit Ende 2022 aber nur um 79 Prozent gestiegen und der technologieorientierte Nasdaq 100 Index legte um 130 Prozent zu.
Obwohl sich aus den Daten nur schwer eindeutige Schlüsse ziehen lassen, warnt Hartnett von der BofA Anlegerinnen und Anleger davor, den Aktienmarkt zu verlassen, selbst wenn Investierende diesen für eine Blase halten. Denn die letzte Phase der Rallye sei typischerweise die steilste, und ein verpasster Einstieg wäre kostspielig. Eine Möglichkeit zur Absicherung bestünde darin, günstig bewertete Aktien wie britische Aktien und Energieunternehmen zu kaufen, so der Stratege von BofA.
Gerade für Schweizer Anleger, die in einem sehr defensiven Markt unterwegs sind, kann sich aus dieser Sicht die Beimischung von US-Technologiewerten lohnen. Zum Jahresauftakt geriet etwa das hiesige defensive Schwergewicht Nestlé unter Druck.
Gegenüber Einzelwerten bieten sich fokussierte ETFs («Exchange Traded Funds») wie zum Beispiel der «Dan IVES Wedbush AI Revolution ETF» - dazu mehr hier - oder der «JSS Sustainable Equity - Tech Disruptors» an.

