stock alert

Motorräder - Die KTM-Aktie läuft gerade wie geschmiert

Die Aktie des Motorradherstellers KTM gehört derzeit zu den besten am Schweizer Markt. Was dahinter steckt und welche Risiken Anleger im Auge behalten sollten.
12.10.2017 19:20
Von Ivo Ruch
Motorräder von KTM sind beliebt im Motocross.
Motorräder von KTM sind beliebt im Motocross.
Bild: pixabay.com

Tony Cairoli ist vermutlich nur wenigen ein Begriff. Der 32-jährige Italiener wurde jüngst zum neunten Mal Motocross-Weltmeister in der Königskategorie MXGP. Von den letzten zehn Titeln holte er deren sieben. Warum das wichtig ist? Bei sechs Titeln gelang ihm das auf einem KTM-Motorrad. Auch in den unteren Kategorien des Motocross-Sports dominieren die Fahrzeuge des österreichischen Herstellers mit Schweizer Börsenkotierung.

Die Weltmeistertitel sind nur eine Seite des Erfolgs von KTM Industries. Der Konzern, zu dem die Motorradmarken KTM und Husqvarna sowie der Rennsportausrüster Pankl Racing gehören, erreichte zuletzt einen neuen Umsatzrekord. Allerdings ging der Gewinn aufgrund von Investitionstätigkeiten zurück.

Auch an der Börse läuft es derzeit wie geschmiert. Die KTM-Aktie gehört in den letzten vier Wochen zu den besten am Schweizer Markt (+19 Prozent), nur der Immobilienkonzern Orascom ist im Moment besser unterwegs (cash berichtete).

Die besten Schweizer Aktien der letzten vier Wochen

Aktien Performance 4 Wo., in % Perf. 2017, in %
Orascom +46,4 +109,4
KTM +18,7 +24,7
Leonteq +16,9 +100,6
Ascom +16,6 +38,4
Comet +15,2 +60,5

Quelle: cash.ch (Stand 12.10.17, 10 Uhr)

Allerdings: Bis vor wenigen Wochen war die Investmentstory von KTM ungleich weniger erfolgreich. Seit der Kotierung von KTM hierzulande im November 2016 ist der Aktienkurs zwar von 4,90 Franken auf aktuell 6,70 gestiegen. Doch bis Anfang Oktober kam der Titel kaum vom Fleck, wie der folgende Chart zeigt.

Jüngster Kurstreiber war nun die Ankündigung, die Zusammenarbeit mit dem langjährigen chinesischen Partner CF Moto in Form eines Joint-Venture auszubauen. Der Zusammenschluss soll den Auftritt von KTM am chinesischen Markt stärken sowie die gemeinsame Entwicklung und Produktion zu ermöglichen.

Davor sorgte auch die Bank Vontobel für ein Kursfeuerwerk. Nach einem äusserst positiven Kommentar von Analyst Panagiotis Spiliopoulos kletterte die Aktie im Verlauf des 4. Oktobers um mehr als 10 Prozent in die Höhe. Weil Vontobel den Titel als einzige Bank analysiert, hat ihre Meinung am Markt besonderes Gewicht.

"Es ist eine deutliche Einstellungsänderung im Unternehmen festzustellen", schrieb Spiliopoulos in seinem Text. Er strich vor allem das neue Absatzziel von 400'000 Motorrädern bis 2022 heraus (vorher 300'000 bis 2021). Kombiniert mit einem künftig verstärkten Fokus auf die Cashgenerierung errechnete der Vontobel-Analyst ein neues Kursziel von 8,70 Franken – ein Kurspotenzial von immer noch knapp 30 Prozent.

Einige Risiken

Die jüngsten Entwicklungen bei KTM zeigen in die richtige Richtung. Doch zu einer Einbahnstrasse wird das Investment dadurch nicht. Denn die Erwartungen sind deutlich gestiegen. Die Bewertung ist laut Vontobel mittlerweile bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 22 (für 2018) angekommen, was über dem Durchschnitt des Industriesektors liegt. Und das Geschäft von KTM gilt als zyklisch. Einfach ausgedrückt: Sollte die Wirtschaft ins Stottern geraten, werden weniger Motorräder gekauft.

Während ihrer Zeit an der Wiener Börse - vor der Hauptkotierung in Zürich - ist die KTM-Aktie bereits deutlich angestiegen: Zwischen Oktober 2012 und Februar 2017 hat sich ihr Wert verzehnfacht. Gut möglich, dass nach dem steilen Anstieg der letzten Tage erst mal mit einer Kurskonsolidierung zu rechnen ist. Zumal auch der Einfluss der Bank Vontobel nicht unterschätzt werden darf. Äussert sie sich einmal pessimistisch, dürfte der Aktienkurs dementsprechend negativ reagieren. Was aber sicher ist: Tony Cairoli wird auch in der nächsten Saison wieder um die Motocross-Krone mitfahren – auf einer KTM-Maschine.