Während der US-Aktienmarkt für internationale Grossinvestoren als das Mass aller Dinge gilt, sind die europäischen Aktienmärkte bestenfalls ein Nebenschauplatz. Das zeigte sich zuletzt auch in der Coronavirus-Krise wieder. Den amerikanischen S&P 500 Index keine vier Prozent mehr von seinem Stand von Anfang Januar. Und der Nasdaq Composite Index schrieb in den letzten Tagen sogar neue Rekorde, der Dominanz zukunftsträchtiger Wachstumsunternehmen wie Facebook, Google oder Apple sei Dank. Dem steht ein um fast 13 Prozent tieferer Stoxx Europe 600 Index gegenüber.
Wie Erhebungen der UBS zeigen, zogen insbesondere US-Grossinvestoren in der Vergangenheit viel Geld aus Europa ab, weil sie es am heimischen Aktienmarkt als besser aufgehoben erachten. Dadurch stieg die Gewichtung amerikanischer Aktien am viel beachteten Weltaktienindex von MSCI seit Ausbruch der Finanzkrise von 49 auf 66 Prozent. Gleichzeitig schmolz die Gewichtung europäischer Aktien von 32 auf gerade noch 19 Prozent.
Viele US-Grossinvestoren sind nun unterinvestiert
Darf man der UBS Glauben schenken, dann treten nun erstmals wieder US-Grossinvestoren als Käufer von europäischen Aktien in Erscheinung. Dabei stützt sich die Schweizer Grossbank auf Statistiken zu den in New York gehandelten Fonds für europäische Aktien ab.

Bewertungsvergleich Europa/USA gemessen am KGV (links) und um die Branchenzusammensetzung bereinigt (rechts) (Quelle: IBES, Barclays)
Die UBS geht sogar davon aus, dass US-Grossinvestoren die europäischen Aktienmärkte wiederentdecken und letztere zu einer Aufholjagd ansetzen könnten. Dass viele dieser Investoren bei europäischen Aktien untergewichtet sind und die Bewertung deutlich unter jener von amerikanischen Aktien liegt, sollte helfen. Ausserdem sieht die Grossbank in den fiskalpolitischen Massnahmen in Europa einen möglichen Kurstreiber.
Ob davon auch der SMI profitieren würde, bleibt unklar
Wie Barclays schreibt, floss in der Coronavirus-Krise noch einmal viel Geld aus europäischen Aktien ab. Allerdings sieht auch die britische Grossbank das Pendel nun umschlagen. Neben den von der UBS genannten Kurstreibern erhofft man sich bei Barclays auch von einer Aufhellung der Weltwirtschaft sowie von einem schwächeren Dollar wichtige Impulse.
Inwiefern der Schweizer Aktienmarkt mit seinen konjunkturresistenten Indexschwergewichten Nestlé, Roche und Novartis davon profitieren würde, wird sich zeigen müssen. Kommt hinzu, dass sich beim Swiss Market Index (SMI) um Dividendenabgänge bereinigt seit Jahresbeginn ein Minus von weniger als drei Prozent errechnet.

