Die Aktie von Novartis büsste nach Forschungsrückschlägen am Montag erst 3 Prozent und dann am Dienstag 11 Prozent ein - Milliarden von Franken Börsenwert verpufften. Mehr noch: Das historisch schwache Abschneiden des Pharmariesen drückte auch den Gesamtmarkt. Der Swiss Market Index (SMI) verlor zur Schlussglocke 1,6 Prozent. Selbst das 2,1-prozentige Plus von Nestlé konnte den von Novartis ausgehenden Bremseffekt nicht aufheben.
Bei Investoren löste das Geschehen vom Dienstag Unbehagen aus, da es die Abhängigkeit des Schweizer Aktienmarktes von den Pharma-Schwergewichten illustriert. Novartis und Roche machen rund ein Drittel des SMI aus.
Wer nach Alternativen sucht, wird praktisch vor der eigenen Haustür fündig: Bei klein- und mittelkapitalisierten Schweizer Unternehmen. «Viele Schweizer Mid-Cap-Unternehmen sind in spezialisierten Nischen der Industrie, des Gesundheitswesens und des Konsumgütersektors tätig, die ein stärkeres strukturelles Wachstum aufweisen», sagt UBS-Stratege Matthew Gilman laut der Nachrichtenagentur Bloomberg. Seiner Auffassung nach bieten hiesige Midcaps auch eine überzeugendere Kombination aus strukturellem Wachstum, zyklischem Aufwärtspotenzial und angemessenen Bewertungen.
Manch ein Unternehmen hat sich in den vergangenen Tagen und Woche beispielhaft hervorgetan.
Arbonia
Das Allzeithoch bei 127 Franken aus dem Jahr 2007 ist auf absehbare Zeit zwar kaum erreichbar - dazu stehen die Titel von Arbonia mit aktuell 5 Franken zu tief. Doch der Bauzulieferer aus dem thurgauischen Arbon wurde am vergangenen Montag von der UBS von «Neutral» auf «Buy» hochgestuft, wobei das Kursziel von 4,10 auf 6,20 Franken hochgesetzt wurde.
Die zuständige Analystin begründete ihre Zuversicht damit, dass sich die schrittweise Verbesserung der Endmärkte im ersten Halbjahr 2026 in eine Trendwende beim organischen Wachstum übersetzt hat - eine Entwicklung, die sich beschleunigen dürfte, da die Volumina im Wohnimmobilienbereich in den Geschäftsjahren 2027 und 2028 weiter anziehen dürften. Zudem sei die Bewertung der Arbonia-Aktien attraktiv, die Titel würden zu einem deutlichen Abschlag gegenüber den Schweizer Mitbewerbern gehandelt.
Zur Belastung wurde derweil die Einführung einer integrierten Systemlandschaft bei der deutschen Tochter Garant. Sie veranlasste das Management, die Ebitda-Guidance für das Geschäftsjahr 2026 zu senken. Laut Experten ist der Negativeffekt nicht von Dauer und im Aktienkurs schon eingepreist.
Burckhardt Compression
Am Aktienpreis sind die Qualitäten des Industriekonzerns aus Winterthur nicht ablesbar. Das Allzeithoch bei 738 Franken vom August 2025 liegt mittlerweile mehr als ein Jahr und über 30 Prozent zurück.
Jedoch: Der Markt für Kolbenkompressoren ist durch hohe technische Anforderungen, jahrzehntelanges Know-how, strenge Sicherheitsstandards sowie lange Kundenbeziehungen geprägt. Entsprechend hoch sind die Eintrittsbarrieren für neue Wettbewerber und entsprechend weit ist der Burggraben, den Burckhardt aufgebaut hat: «Dank seiner globalen Präsenz, einer installierten Basis von mehreren tausend Anlagen und einer breiten geografischen Kundenstruktur ist Burckhardt Compression weltweit hervorragend positioniert», schreiben die Investment-Experten der Privatbank Baumann & Cie. in einem ihrer aktuellen Marktkommentare.
Das Unternehmen verfüge über eine robuste Bilanz, eine überdurchschnittliche Profitabilität und setze seine Strategie konsequent um, heisst es weiter.
Unter den von AWP erfassten Analystenstimmen sind fünf von acht ebenfalls zuversichtlich, indem sie die Aktie zum Kauf empfehlen. Die anderen drei Experten sind für «Halten». Es gibt keine Verkaufsempfehlung.
OC Oerlikon
Die Aktien des auf Oberflächentechnologien spezialisierten Konzerns haben den Gesamtmarkt im laufenden Jahr klar übertroffen. Sie zogen seit Anfang Januar um 66 Prozent an, während der Swiss Performance Index (SPI) um 9 Prozent zulegte.
Die Avancen der Aktien stehen auf solidem Grund. Umsatz, operativer Gewinn und Konzernergebnis des ersten Halbjahres lagen über den Analystenerwartungen; es war der erste Abschluss nach der Veräusserung der Tochter Barmag an den Winterthurer Industriekonzern Rieter.
Am Mittwoch verkündete das Oerlikon-Management auch neue Mittelfristziele. So soll der Umsatz bis 2030 bei über zwei Milliarden Franken liegen. Zugleich soll die operative Marge mehr als 20 Prozent betragen. «Vor allem auf Profitabilitätsstufe publiziert Oerlikon im Vergleich zu den aktuellen Erwartungen ambitiöse Ziele», notierte der zuständige Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB), Andreas von Arx. Trotz eines gemischten Leistungsausweises in den vergangenen Jahren seien die neuen Ziele ein Schritt in die richtige Richtung.
Aktuell stehen die Aktien bei 5,30 Franken, knapp über dem momentanen durchschnittlichen Kursziel von 5,18 Franken.
Georg Fischer
«Wir müssen überzeugen, indem wir einen besseren freien Cashflow abliefern, Disziplin halten und in allen Segmenten wachsen», sagte Georg-Fischer-CEO Andreas Müller im cash-Interview vom Juli - kurz, nachdem er unerwartet starke Halbjahreszahlen vorgelegt hatte. Der gute Lauf des ersten Semesters sollte anhalten und sich im zweiten Halbjahr sogar verstärken. So wurde der Ausblick für das organische Umsatzwachstum von einem «niedrigen einstelligen» auf einen «mittleren einstelligen» Prozentbereich angehoben.
Georg Fischer hat sich in den vergangenen Jahren vom Mischkonzern zum spezialisierten Anbieter von Durchflusslösungen gewandelt. Nun gibt unter anderem der Boom von Rechenzentren Schub. Für diese liefert das Schaffhauser Traditionsunternehmen Lösungen für das Wassermanagement und zur Kühlung der hochsensiblen Chips.
Seit der Vorstellung der Halbjahreszahlen haben diverse Analysten ihre Kursziele für die Georg-Fischer-Aktie angehoben. Im Schnitt sehen die Experten ein mittelfristiges Preisziel von 64,50 Franken, woraus sich ein 12,5-prozentiges Aufwärtspotenzial errechnet. Elf von elf Analysten stufen den Industriekonzern mit «Kaufen» ein - es gibt weder «Halten»- noch «Verkaufen»-Ratings.
Gurit
Beim Spezialkunststoffhersteller zeigt die Restrukturierung der vergangenen Jahre Wirkung. Die Aktie steht bei 58 Franken zwar deutlich unter dem Rekordhoch von 280 Franken, aber auch klar höher als das Allzeittief von 10 Franken.
Der Erstsemesterbericht bestätigte, dass sich der Geschäftsgang von Gurit nach schwierigen Jahren erholt. Umsatz und Gewinn lagen über den Erwartungen, der Ausblick für das Gesamtjahr 2026 wurde angehoben und Viktor Bernhardt als CEO fest eingesetzt. Er hatte die Geschäfte nach dem Abgang von Tobias Lührig interimistisch geführt.
Diese Woche traf eine neue Einschätzung des Analyseunternehmens Octavian ein. Die zuständige Analystin hat das Kursziel von 52 auf 65 Franken angehoben und so der Aktie nach dem schon starken Lauf der vergangenen Wochen weiteres Aufwärtspotenzial eingeräumt. Die Zuversicht wird mit einer stärkeren Nachfrage und einer strukturell schlankeren Kostenbasis begründet. Für die kommenden Jahre erwartet die Expertin eine sauberere Ertragsentwicklung und einen steigenden freien Cashflow.
Aktuell liegt der Kurszielkonsens aller Analysten, die Gurit abdecken, rund 2,7 Prozent über dem Stand der Aktie. Alle fünf erfassten Experten stufen den Titel mit «Buy» ein.
Stadler Rail
Auch der Zugbauer hat mit seinem Halbjahresbericht von Ende August überzeugt und einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen: «Mit den Halbjahreszahlen hat Stadler Rail den Turnaround nach anspruchsvollen Jahren unter Beweis gestellt und auch das Vertrauen in die Ziele bestärkt», schreibt der zuständige Analyst der ZKB, Tobias Klöpper, am heutigen Mittwoch. Mit der Bewältigung der Unwetterfolgen, Fortschritten am Standort Berlin und einem deutlich wachsenden Servicegeschäft dürfte die Profitabilität weiter gesteigert werden, so Klöpper weiter.
Er stuft das in Bussnang beheimatete Unternehmen mit «Übergewichten» ein und sieht den fairen Wert der Aktie bei 40,40 Franken - 38 Prozent über der momentanen Notierung von 29,30 Franken. Andere Experten sind weniger zuversichtlich. Jener der US-Bank JPMorgan ist nach dem Halbjahresbericht beim «Underweight»-Rating geblieben und hat das Kursziel um zwei Franken auf lediglich 24,50 Franken angehoben. Gemessen daran fallen die Stadler-Aktien in den kommenden zwölf Monaten um 16 Prozent.
Auf längere Sicht wird entscheidend sein, ob das Unternehmen sein mittelfristiges Ziel einer Ebit-Marge von 6 bis 8 Prozent erreicht. Für 2027 prognostiziert die ZKB einen Wert von 6,1 Prozent, womit sie den Zugbauer in dessen selbst gestecktem Zielkorridor sieht.
Das Management selbst weist darauf hin, dass das Margenziel «bei stabilen Lieferketten» realisierbar sei. Entsprechend können Störungen auf vorgelagerten Wertschöpfungsstufen zu Enttäuschungen führen.
Neueste UBS-Kursziele für Schweizer Halbleiterzulieferer / Angaben in Franken.
Gemäss den UBS-Analysten haben die drei Titel also erhebliches Aufwärtspotenzial. Sie zählen zudem zu den Zyklikern des Schweizer Aktienmarkt und hängen eng mit den Technologie-Werten in den USA zusammen. Daher werden an ihnen die Chancen zur Diversifikation im allgemein konservativ geprägten Schweizer Aktienmarkt besonders deutlich.
Das ist mehr als eine Nebensache. Denn gerade der Swiss Market Index wird ab dem 21. September noch ein Stück gesundheitslastiger und damit defensiver. Der Dermatologiespezialist Galderma und der Generikahersteller Sandoz werden in den Leitindex aufgenommen, das Logistikunternehmen Kühne+Nagel sowie die Telekommunikationsanbieterin Swisscom müssen ihn verlassen.
Umgekehrt bietet der neu zusammengestellte SMI aufgrund seines betont defensiven Profils eine gewisse Sicherheit, falls der Technologiesektor und damit auch die Schweizer Halbleiterzulieferer ins Hintertreffen geraten.
Für Anleger bietet die anstehende Indexanpassung letztlich die Gelegenheit, konservative Large-Cap-Investments und risikofreudigeres Engagement im Small- und Midcap-Segement zu kombinieren. Aktien wie die Halbleiterzulieferer, doch auch Arbonia, Burckhardt Compression, OC Oerlikon, Georg Fischer, Gurit und Stadler Rail bieten momentan interessante Perspektiven, die den Fokus auf Novartis, Roche, Nestlé und andere grosskapitalisierte Unternehmen ein Stück weit lösen können.

