In der neuen Börsenwoche dürften die Entwicklungen im Nahen Osten die Anleger weiter beschäftigen. «Seit Ende Februar dauert der Konflikt um die Strasse von Hormus an und das Erstaunliche ist, mit welchem Gleichmut die Anleger beinahe im Wochentakt zwischen Krieg und Friedenshoffnungen hin- und herspringen», schreiben die Experten der Helaba.
In der alten Woche beflügelten die Aussicht auf eine Einigung zwischen den USA und dem Iran und ein kräftiger Ölpreisrückgang den Aktienmarkt. Für gute Stimmung sorgten auch überraschend schwache US-Arbeitsmarktdaten, die Hoffnungen auf niedrigere Zinsen der US-Notenbank Fed schürten.
Dabei schrammte der Swiss Market Index (SMI) knapp an einem neuen Allzeithoch vorbei. Am Donnerstag fehlten gerade einmal 10 Punkte bis zum bisherigen Rekordstand von 14'656 Punkten. Derweil erreichte der deutsche Leitindex Dax am Freitagnachmittag einen neuen Rekord. Mit 26'445 Punkten lag er zeitweise mehr als drei Prozent über dem Vorwochenschluss. «Doch zum Ende der Woche gibt es wieder etwas Wasser in den Wein», heisst es im Helaba-Bericht weiter.
Am Donnerstag hatten die Ölpreise erneut um rund vier Prozent zugelegt, nachdem der Iran einen Gesetzentwurf zur Sperrung der Strasse von Hormus für Schiffe aus den USA und Israel geprüft hatte. Auch der vom Iran veröffentlichte Entwurf für die Transitbedingungen in der für Energietransporte wichtigen Meerenge verunsicherte die Anleger. Experten zufolge handele es sich dabei um eine kontrollierte und an Bedingungen geknüpfte Durchfahrt und nicht um eine Wiederherstellung des normalen Verkehrsflusses.
US-Inflationsbericht steht an
Anleger befürchten, dass das teurere Öl die Konsumentenpreise nach oben treibt und damit die US-Notenbank zu Zinserhöhungen veranlasst. Im Mittelpunkt der neuen Konjunkturdatenwoche stehen daher die Inflationsdaten für die USA im Juli, die am Mittwoch veröffentlicht werden. «Die erneute Eskalation am Persischen Golf hat sich bei den US-Konsumentenpreisen im Juli wohl noch nicht voll ausgewirkt», sagt Commerzbank-Ökonom Christoph Balz. «Die Inflationsrate ist vermutlich noch einmal gesunken, könnte im August aber wieder anziehen.» Ebenfalls zur Wochenmitte blicken Anleger auf die endgültigen deutschen Inflationszahlen für den vergangenen Monat.
Im Fokus steht zudem die Veröffentlichung des Barometers der Beratungsfirma Sentix für August am Montag. Dieses zeigt, wie Börsianer die Konjunktur in der Euro-Zone einschätzen. Am Donnerstag stehen die Daten zur Industrieproduktion in der Euro-Zone im Juni sowie der US-Index für die Erzeugerpreise (PPI) im Juli an. Die von den Produzenten erhobenen Preise gelten als Vorläufer für die weitere Entwicklung der Verbraucherpreise. Zum Wochenschluss folgen Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt und zum Arbeitsmarkt im Euroraum im zweiten Quartal. In den USA blicken Börsianer auf die Einzelhandelsumsätze für Juli.
Schweizer Berichtssaison geht weiter
Das zweite grosse Thema an den Kapitalmärkten neben dem Iran-Krieg sei weiterhin die Entwicklung der Technologieunternehmen in den USA, sagt Ulrich Kater, Chefökonom der DekaBank. «Gegenwärtig findet im KI-Sektor ein Übergang von einer generellen Euphorie in die harte Realität der Zahlen statt.» Auf Gesamtmarktebene gleichen sich einige Faktoren jedoch wieder aus: Preissenkungen bei Halbleitern etwa belasteten die Kurse einzelner Chiphersteller, reduzierten aber zugleich die Investitionskosten von KI-Unternehmen und stützten deren Aktienkurse. Die Gewinnentwicklung im vergangenen Quartal zeige zugleich, dass viele beteiligte Unternehmen und ihre Geschäftsmodelle erhebliche Substanz aufweisen. «Ob diese ausreicht, um die hochgesteckten Erwartungen zu erfüllen, kann niemand seriös vorhersagen.»
Die Bilanzsaison in den USA ist indes nahezu zu Ende. In der neuen Woche werden dort nur wenige Ergebnisse wichtiger Unternehmen erwartet.
In der Schweiz stehen die Berichte von Alcon, Aryzta, Bell, Tecan, St. Galler Kantonalbank, Graubündner Kantonalbank, Thurgauer Kantonalbank, Komax, Kuros, Montana Aerospace, Polypeptide, Swissquote und Mobilezone auf der Agenda.
In Deutschland blicken Anleger auf die Geschäftszahlen von Unternehmen wie E.ON, Hannover Rück, Brenntag, RWE, Salzgitter, RTL, K+S, TUI und Thyssenkrupp.
(Reuters/cash)

