Nach zwei Tagen mit Verlusten haben die Börsen am Mittwoch einen Erholungskurs eingeschlagen. Angesichts des anhaltenden ‌Krieges in ⁠Nahost mahnen Experten jedoch zur Vorsicht.

Der SMI verbessert sich um 1,1 Prozent, der Dax und der EuroStoxx50 notierten gegen Mittag jeweils rund 1,5 Prozent höher. Die ⁠Futures für die wichtigsten US-Indizes lagen ebenfalls leicht im Plus. Nach oben ging es auch für Edelmetalle und Kryptowährungen, während sich die Schwankungen beim Dollar und Euro weitgehend stabilisierten.

Die Anleger suchten «nach ‌Hinweisen auf einen Weg aus dem Krieg heraus», resümierte Jochen Stanzl von der Consorsbank. Die Streitkräfte der ‌USA und Israels haben ihre Angriffe auf den Iran massiv ausgeweitet. Dabei ​kommen die US-Streitkräfte nach eigenen Angaben bei der Zerstörung iranischer Abwehrstellungen schneller voran als geplant.

Die Führung in Teheran verschärfte den Konflikt ihrerseits mit der fortgesetzten Blockade der vor allem für den Ölhandel besonders wichtigen Strasse von Hormus, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet. Allerdings hat Trumps Plan, Schiffe durch militärischen Begleitschutz durch die Strasse von Hormus zu eskortieren, den Anstieg beim Ölpreis deutlich reduziert.

Rückholflüge dämpfen den Ausverkauf bei Airlines

Die Nordsee-Rohölsorte Brent ‌verteuerte sich um rund ein Prozent auf 82,30 Dollar je Fass (159 Liter), während der Preis für US-Leichtöl WTI nur noch leicht im Plus bei 74,69 Dollar lag. Allerdings sei es noch unklar, ob sich Trumps Plan tatsächlich umsetzen lässt, warnte Thomas Altmann, Portfoliomanager bei QC Partners. Insgesamt könne auch niemand sagen, ob ​sich die Verkaufswelle nicht fortsetzt und den Dax in Richtung 23'000 Punkte drücke, sagte Consorsbank-Experte Stanzl. Auch die Handelsvorgaben ​aus Asien stellten laut Andreas Lipkow von CMC Markets «kein gutes Omen dar».

Der massive Ausverkauf ​bei den Airline-Aktien hat sich ebenfalls etwas abgeschwächt. Anleger reagierten auf erste Rückholflüge aus dem Nahen Osten: So legten die Papiere der Lufthansa und der British-Airways-Mutter IAG um jeweils rund zwei ‌Prozent zu, nachdem sie in den vergangenen Tagen mehr als zehn Prozent verloren hatten.

Zur Wochenmitte hoben vereinzelt Maschinen am Flughafen in Dubai ab, einem Drehkreuz für viele Flugrouten nach Asien. Flüge der Airline Emirates gingen unter anderem nach Düsseldorf, München und Frankfurt. Die Lufthansa fliegt im Auftrag der Bundesregierung in der ​Nacht zum ​Donnerstag gestrandete deutsche Touristen von Maskat im Oman aus. Bundesaussenminister Johann Wadephul hatte ⁠weitere Flüge angekündigt. Auch Grossbritannien und Frankreich planen für Mittwoch die ersten Rückführungsflüge. Der Luftraum im ​Nahen Osten bleibt jedoch seit ⁠fünf Tagen weitgehend gesperrt. Die Reisebranche steckt damit in der insgesamt schwersten Krise seit der Corona-Pandemie.

Redcare und Adidas brechen ein

Für Gesprächsstoff bei den anderen ‌Einzelwerten sorgte unter anderem Adidas mit einem Minus von fast sechs Prozent trotz einer optimistischen Prognose. Das Unternehmen rechnet für dieses Jahr mit einem Betriebsgewinn von rund 2,3 Milliarden Euro, was laut Analysten von RBC einer Marge von 8,5 bis 8,8 Prozent entspricht ‌und damit unter Adidas' selbst gesetztem Ziel von 10 Prozent liegt. Zudem büssten Bayer und Symrise nach negativ aufgenommenen ​Finanzberichten jeweils rund drei Prozent ein.

Im MDax brachen die Titel von Redcare Pharmacy nach Geschäftszahlen um 17,6 Prozent ein. Unter Druck nach Bilanzen gerieten auch Bilfinger und Traton mit einem Minus von rund 2,5 und einem Prozent. Steil nach oben ging es hingegen für die Papiere von Sixt, die im SDax trotz einer pessimistischen Jahresprognose ‌um 8,6 Prozent zulegten.