Pandemie - Küchentisch statt Büro: 335'000 Banker arbeiten im Home Office

Bei den sechs grössten europäischen Banken haben in den letzten Monaten rund 335'000 Mitarbeiter von zu Hause aus gearbeitet. Die meisten Mitarbeiter wollen offenbar nur zu einem gewissen Grad ins Büro zurückkehren
31.07.2020 12:55
Die Logos von UBS und Credit Suisse in der Aeschenvorstadt in Basel.
Die Logos von UBS und Credit Suisse in der Aeschenvorstadt in Basel.
Bild: cash/mfo

Viele große europäische Kreditinstitute legen in diesem Monat ihr Ergebnis für das zweite Quartal vor. Bei den Telefonkonferenzen ist die Frage, wie sich ihre Belegschaften an das Leben in einer Pandemie angepasst haben, zu einem regelmäßigen Thema geworden.

“Rund 50'000 von 65'000 arbeiten in ganz Großbritannien aus ihren Küchen, Arbeits- und Wohnzimmern heraus”, sagte Antonio Horta-Osorio, Chief Executive Officer von Lloyds Banking, am Donnerstag.

Anderswo sieht es ähnlich aus. Thomas Gottstein, der Chief Executive Officer der Credit Suisse, berichtete, dass rund 80 Prozent der Belegschaft weltweit nicht in den Büros ist. Bill Winters von Standard Chartered sagte, dass die Büros in den USA und Grossbritannien zu weniger als 10 Prozent gefüllt seien. Rund drei Viertel der Mitarbeiter von Barclays arbeiten derzeit im Home Office, während bei der UBS während des Höhepunkts der Pandemie für 80 Prozent der weltweiten Mitarbeiter Heimarbeit angesagt war.

Bei den sechs größten europäischen Banken haben in den letzten Monaten rund 335'000 Mitarbeiter von zu Hause aus gearbeitet.

Unwahrscheinlich, dass es zu einer umfassenden Rückkehr an den Arbeitsplatz kommt

Die meisten CEO sagen immer noch, dass sie eines Tages in irgendeiner Form eine Rückkehr der Mitarbeiter an den Arbeitsplatz anstreben. “Wir möchten, dass unsere Kollegen ins Büro zurückkehren”, sagte Horta-Osorio und betonte gleichzeitig, dass Geduld und Umsicht notwendig seien.

In einigen Regionen hat das bereits begonnen. Winters sagte, in China seien fast alle Mitarbeiter wieder im Büro. Er selbst sei im letzten Monat erstmals wieder in der Londoner Zentrale von Standard Chartered gewesen, berichtete Winters. Er habe vor, in "ein paar Wochen" wieder vom Büro aus zu arbeiten, beginnend mit einem Besuch bei einigen asiatischen Standorten der Bank, wie beispielsweise Singapur und Südkorea.

Aber es ist keine Einbahnstraße. In Hongkong war die Präsenzrate auf 65 Prozent gestiegen, bevor sie mit zunehmenden Virusfällen unter 20 Prozent zurückgegangen ist, berichtete Gottstein. Und es ist unwahrscheinlich, dass es zu einer umfassenden Rückkehr an den Arbeitsplatz kommt.

Eine interne Lloyds-Umfrage ergab, dass die meisten Mitarbeiter nur zu einem gewissen Grad ins Büro zurückkehren möchten, und Horta-Osorio sagte in einer Telefonkonferenz, dass das Kreditinstitut weniger auf Büroraum angewiesen sei. Er wies darauf hin, dass die meisten Mitarbeiter mindestens bis Ende September im Home Office bleiben würden.

(Bloomberg)

 
Aktuell+/-%
Lloyds Banking G Rg0.275-2.18%
CS Group N9.888-1.37%
Standard Charter Rg3.962+0.10%
Barclays Rg1.037-2.00%
UBS Group N10.970-0.99%

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