Allein im Januar erreichte das Volumen der grenzüberschreitenden Fusionen und Übernahmen aus Grosschina nahezu 12 Milliarden Dollar - der höchste Wert für einen Jahresauftakt seit 2017. Auf der Einkaufsliste standen prominente Namen wie die deutsche Sportmarke Puma und der kanadische Bergbaukonzern Allied Gold.

Die Wende gewinnt nach einer langen Flaute an Fahrt, die Mitte bis Ende der 2010er Jahre begann, als China Auslandsinvestitionen deckelte, um ausschweifende Ausgaben zu zügeln. Ein besonders prominenter Fall war die HNA Group, die sich schuldenfinanziert auf eine internationale Einkaufstour mit Beteiligungen an Unternehmen wie Hilton Worldwide Holdings und der Deutschen Bank begab, bevor sie kollabierte.

«Wir haben ein zunehmendes Interesse aus China an Auslandstransaktionen festgestellt», sagte Richard Griffiths, Leiter M&A Asien-Pazifik bei BNP Paribas. «Derzeit werden viele neue Situationen geprüft, und wir erwarten, dass 2026 weitere bedeutende Transaktionen angekündigt werden.»

Gründe für den Strategiewechsel sind unter anderem der verschärfte Wettbewerb und weniger Möglichkeiten im Inland sowie neues Selbstvertrauen und finanzielle Stärke, da lokale Marken wachsen und Peking grünes Licht für den Erwerb strategischer Vermögenswerte und Übernahmen in Schlüsselindustrien gibt. Hürden wie Handelsbarrieren müssen jedoch weiterhin überwunden werden, da einige Länder chinesischen Investitionen zurückhaltender und misstrauischer gegenüberstehen.

«Wir erwarten, dass mehr chinesische Unternehmen Vermögenswerte in Übersee kaufen, in Märkten mit geringeren regulatorischen Hürden und in Branchen, die weniger sensibel sind, darunter Konsumgüter und Einzelhandel», sagte Nancy Zheng, Partnerin bei Bain in Shanghai. Länder in Asien, Kanada, einige europäische Märkte und Lateinamerika hiessen chinesische Käufer willkommen, sagte sie.

Einflussnahme und Suche nach Wachstum

China hat beispielsweise erheblichen Einfluss auf den chilenischen Strommarkt: Sowohl China Southern Power Grid als auch State Grid Corp. of China halten Beteiligungen an grossen Stromversorgern. China Southern Power versuche, seinen 28-Prozent-Anteil an Transelec in einer 4 Milliarden Dollar schweren Transaktion auszubauen, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten. Eine endgültige Einigung sei noch nicht erzielt worden.

Auf der Konsum- und Einzelhandelsseite erwägt der chinesische Marktführer Luckin Coffee, der Starbucks im Heimatmarkt überholt hat, Übernahmen - darunter Nestlés Blue Bottle Coffee -, um sein internationales Profil zu schärfen und im Premium-Kaffeesegment zu expandieren. Die Kette und ihr Private-Equity-Eigentümer Centurium Capital prüften zudem ein Angebot für Costa Coffee von Coca-Cola.

HSG - früher Sequoia Capital China - gehört zu einer Handvoll Bieter für Leica Camera, das deutsche Unternehmen im Besitz des österreichischen Milliardärs Andreas Kaufmann und Blackstone. Im vergangenen Jahr übernahm HSG den italienischen Sneaker-Hersteller Golden Goose sowie eine Mehrheitsbeteiligung am Audioausrüster Marshall Group. FountainVest Partners erwarb zudem eine Beteiligung an Eurogroup Laminations.

«Relativ bessere Wachstumsraten und eine positivere Verbraucherstimmung in Märkten ausserhalb Chinas in den vergangenen 18 Monaten machen grenzüberschreitende M&A-Transaktionen attraktiver», sagte BNP-Manager Griffiths.

Ein starker Aktienmarkt untermauert das Vertrauen der Unternehmensvorstände. Der Hang Seng Index in Hongkong legte nach einem Plus von 18 Prozent im Jahr 2024 im vergangenen Jahr um weitere 28 Prozent zu und hat seine Rally 2026 fortgesetzt. Der CSI-300-Index auf dem chinesischen Festland stieg in den vergangenen zwölf Monaten um 20 Prozent.

Wie das Chile-Engagement von China Southern Power zeigt, reicht der Expansionsdrang auch in sensible Bereiche. Das kann zu Komplikationen führen, etwa beim Versuch des Hongkonger Tycoons Li Ka-shing, Häfen der CK Hutchison Holdings im Panamakanal und anderswo zu verkaufen. Auch in den Bereichen kritische Metalle, Elektroautos und Rechenzentren schreiten chinesische Unternehmen voran. DayOne Data Centers beispielsweise, unterstützt von GDS Holdings aus China, investiert in Anlagen unter anderem in Südostasien und plant einen Börsengang in den USA.

«Der chinesische Markt ist äusserst wettbewerbsintensiv und treibt Innovation sowie Kosteneffizienz voran, was chinesische Unternehmen gut für den Schritt ins Ausland positioniert», sagte Griffiths. «Europa ist von besonderem Interesse», fügte er hinzu.

(Bloomberg/cash)

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