Der weitere geldpolitische Kurs der US-Notenbank könnte in der neuen Woche für die Aktienmärkte zum Zünglein an der Waage werden. Analysten rechnen zwar ‌nicht damit, ‌dass die Fed bei der nächsten Zinsentscheidung am Mittwoch ihre Lockerungspolitik fortsetzen wird. Sie erhoffen sich aber neue Hinweise darauf, wie die Notenbanker in den kommenden Monaten agieren werden.

«In der kommenden Woche dürften die Diskussionen um weitere Zinssenkungen wieder Fahrt aufnehmen», prognostiziert Commerzbank-Ökonom Michael Pfister. «Deutet Fed-Chef Jerome Powell an, dass der Leitzins bei der folgenden Sitzung im März - wie von uns ​erwartet - weiter gesenkt wird, dürfte der US-Dollar angesichts der derzeitigen Markterwartungen wieder leiden.» Die Federal Reserve hatte den ‌Leitzins im Dezember um einen Viertelprozentpunkt auf die aktuelle Spanne von 3,50 bis ‌3,75 Prozent gesenkt und dies vor allem mit dem schwachen Jobmarkt begründet.

Seit seinem Amtsantritt vor rund einem Jahr fordert US-Präsident Donald Trump von der Fed deutliche Zinssenkungen. Er wirft der Notenbank vor, mit ihrer Politik die Wirtschaft zu bremsen. Wiederholt hat Trump über eine Entlassung Powells spekuliert. Powells Amtszeit als Fed-Chef endet im Mai. Er war 2018 von Trump berufen worden. Laut US-Finanzminister Scott Bessent könnte der US-Präsident bereits in der nächsten Woche eine Entscheidung über den nächsten Vorsitzenden der US-Notenbank treffen.

Die ⁠Anleger blicken zugleich weiterhin auf die Entwicklungen im Streit um Grönland. Dieser setzte die Börsen zuletzt unter Druck:

In New York verlor der Leitindex Dow Jones Industrial am Freitag 0,58 Prozent auf 49.099 Punkte und auf Wochensicht damit 0,53 Prozent. Der marktbreite S&P 500 schloss am Freitag mit plus 0,03 Prozent auf 6916 Punkte und verbuchte ein Wochenminus von 0,35 Prozent. Der technologielastige Nasdaq 100 stieg am letzten Handelstag der Woche um 0,34 Prozent auf 25'605 Zähler, womit sich eine Wochenbilanz von plus 0,3 Prozent ergibt.

Der Schweizer Aktienmarkt hat am Freitag wieder klar nachgegeben und die Woche mit deutlichen Kursverlusten beendet. 

Der SMI beendete den letzten Handelstag der Woche 0,61 Prozent tiefer auf 13'147 Punkten (Tagestief 13'101). Der 30 Titel umfassende SLI ermässigte sich um 0,72 Prozent auf 2132 Zähler, wobei 22 seiner Einzeltitel im Minus schlossen. Der breite Markt gemessen am SPI büsste um 0,51 Prozent auf 18'222 Punkte ein.

Auf Wochensicht gab der SMI ziemlich genau 2 Prozent ab, wobei er an vier von fünf Tagen im Minus schloss. Der Tiefpunkt der Woche war am Mittwoch bei 13'064 Punkten. Damit ist der wichtigste Schweizer Aktienindex diese Woche auch wieder klar unter den Stand von Ende 2025 bei 13'267 gefallen. Und vom bisherigen Jahreshoch beziehungsweise Allzeit-Hoch am 15. Januar bei 13'529 ist er mittlerweile ziemlich weit entfernt.

In der neuen Woche: Roche im Fokus der Berichtssaison

Die kommenden Tage bringen den Anlegern Einblicke in den Geschäftsgang mehrerer SMI-Unternehmen. Den Auftakt macht Logitech am Dienstag mit dem Ergebnis des dritten Quartals im Geschäftsjahr 2025/26. Lonza gibt am Mittwoch die Zahlen zu 2025 bekannt.

Am Donnerstag kommt es zum ersten grossen Showdown des neues Jahres: Roche, ABB und Givaudan berichten die Resultate des Jahres 2025.

Zudem wird auch eine Reihe von SPI-Unternehmen die Bücher öffnen, so beispielsweise BucherEmmi und Interroll

SAP liefert Zahlen

Europas ‌grösster Softwarekonzern SAP läutet am Donnerstag mit seinen Geschäftszahlen für 2025 die heisse Phase der deutschen Bilanzsaison ein. ‍Erwartet zur Veröffentlichung in der neuen Woche sind zudem die Bilanzen von Unternehmen wie Deutsche Bank, DWS und Atoss Software.

Jochen Stanzl, Chefanalyst bei der Consorsbank, zeigt sich vorsichtig. «Angesichts milliardenschwerer Infrastruktur- und Rüstungsprogramme der ​Bundesregierung setzen Anleger auf ein Comeback der deutschen Wirtschaft», sagt der Experte. «Sollten die Unternehmenszahlen diesen Erwartungen jedoch nicht standhalten, könnte der derzeitige Optimismus schnell kippen.»

In den USA geht die Bilanzflut weiter. Erwartet werden am Dienstag unter anderem die Zahlen von General Motors, Texas Instruments, UnitedHealth und Boeing. Am Mittwoch folgen die mit Spannung erwarteten Zahlen ‌von Microsoft, Meta und Tesla. Am Donnerstag gewähren unter anderem Apple, Visa und Mastercard und Lockheed Martin ⁠einen Blick in ihre Bücher. Am Freitag stehen die Bilanzen von Chevron, Exxon Mobil, Colgate-Palmolive und ‌Verizon an.

«Nach wie vor treibt die boomende spanische Wirtschaft die Entwicklung an»

Die Konjunkturdatenwoche eröffnet am Montag der Ifo-Index, der die Stimmung in den deutschen Chefetagen widerspiegelt. Analysten sagen für Januar einen leichten Anstieg des Barometers voraus.

Am Dienstag folgen die Zahlen ‍zum Konsumentenvertrauen in den USA in diesem Monat. Zur Wochenmitte warten Anleger auf den GfK-Index, der Auskunft über die Kauflaune der deutschen Konsumenten gibt. Einen Tag später stehen die Daten zum Konsumentenvertrauen und zum Geschäftsklima in der Euro-Zone im Januar sowie zu den Aufträgen in der ​US-Industrie im November auf dem Plan.

Im Fokus am Freitag stehen die europäischen Wachstumszahlen für das vierte Quartal 2025, die ‍laut Experten erneut moderat zugelegt haben dürften. «Nach wie vor treibt die boomende spanische Wirtschaft die Entwicklung an», sagt Commerzbank-Experte Vincent Stamer.

In Deutschland ist die Wirtschaft im Schlussquartal nach einer ersten groben Schätzung des Statistischen Bundesamtes um 0,2 Prozent gewachsen. Dies dürfte kommende Woche bei der ersten offiziellen Schätzung bestätigt werden.

(Reuters/cash)