Der Montag, 1. März, war der erste Handelstag nach dem Kriegsausbruch in der Golfregion. Die Börsen-Bilanz seither sieht vor allem für den Swiss Market Index nicht gut aus. 7,5 Prozent hat der Schweizer Leitindex verloren. Bei seinen Pendants in Europa sieht es nicht viel besser aus. Sowohl der deutsche Leitindex Dax als auch der Euro Stoxx 50 haben 6 Prozent nachgegeben. Besser sieht es in den USA aus (ironischerweise in dem Land, das den Krieg losgetreten hat): Der Dow Jones hat rund 4 Prozent verloren, der technologielastige Nasdaq 100 nur etwas über 1 Prozent.
Im SMI konnten seit Kriegsbeginn nur die Aktien von Logitech (4 Prozent), Roche (3 Prozent) und Swisscom (0,3 Prozent) zulegen. In Deutschland und Europa waren vor allem Zalando und - in Zeiten von steigenden Öl- und Gaspreisen wenig überraschend - die Energieversorger RWE, TotalEnergies und ENI die Gewinneraktien. In den USA zählen die Titel von Chevron, IBM, Nvidia im Dow Jones und Crowdstrike, Palo Alto oder Palantir im Nasdaq zu den Profiteuren.
Daneben gibt es eine grosse Palette von Verlierer-Aktien in den Leitindizes, deren Mitglieder man «Blue Chips» nennt. Anleger können sich die Titel merken für einen möglichen Einstieg oder Nachkäufe - wobei im gleichen Atemzug erwähnt werden muss, dass bei den kriegerischen Auseinandersetzungen in der Golfregion noch kein Ende absehbar ist und der Ölpreis weiter anziehen könnte. Die Kurse können also noch weiter fallen.
SMI-Verlierer: Sika (-15 Prozent)
Ende 2021, als die Aktie 380 Franken kostete, begann die Abwärtsspirale beim Baustoffhersteller SIka - und der Iran-Krieg liess den Titel noch weiter fallen. Diese Woche rutschte die Aktie auf unter 132 Franken ab. Als ob Sika nicht schon genug Wachstumsprobleme hätte, machen nun steigende Energiepreise und Konjunktursorgen der Firma zu schaffen - wie anderen Bauwerten übrigens auch. Es ist nicht das erste Mal, dass Investoren nahegelegt wird, viel Geduld mitzubringen, sollten sie sich bei Sika für ein Engagement entschliessen.
SMI-Verlierer: Geberit (-14 Prozent)
Die Gründe für den Kursrückgang bei Sika treffen auch auf den Sanitärhersteller Geberit zu. Erschwerend kamen bei Geberit die vom Markt verhalten aufgenommenen Jahreszahlen und danach einige Kurszielsenkungen durch Analysten hinzu. «Der direkte Einfluss auf Geberit durch den Krieg ist limitiert», sagte CEO Christian Buhl zwar letzte Woche. Der Krieg erschwere aber den Ausblick auf das makroökonomische Umfeld sowie auf die für die Bauindustrie bedeutenden Entwicklungen der Inflation, Zinsen und Konsumentenstimmung. Ein potenziell toxischer Mix. Die Aktie handelt nun auf dem tiefsten Stand seit April 2025.
Dax-Verlierer: Beiersdorf (-30 Prozent)
Der Kurssturz der letzten rund zwei Wochen beim Konsumgüterkonzern Beiersdorf (Kernmarke: Nivea) liegt hauptsächlich am überraschend trüben Ausblick für das Geschäftsjahr 2026, den das Unternehmen letzte Woche anlässlich der Jahresergebnisse 2025 bekannt gab. Der Börsen-Rückgang von Beiersdorf ist beeindruckend, im negativen Sinn: Der Wert hat sich seit Mai 2024 halbiert, und der Titel befindet sich auf dem tiefsten Stand seit elf Jahren. Zurückhaltend formuliert: Eine Investition drängt sich vorderhand nicht auf.
Dax-Verlierer: Henkel (-16 Prozent)
Gleich beim Ausbruch des Golf-Krieges setzte bei der Aktie des Konsumgüterkonzerns Henkel ein schroffer Kursrückgang ein - ein Indiz dafür, dass der Markt aufgrund möglicher Eintrübung der Konjunktur weniger Geschäfte bei Henkel erwartet. Der Kurszerfall beschleunigte sich nach der Bekanntgabe der Jahresresultate am 11. März. Das geschäftliche Umfeld von Henkel war und sei von grossen Herausforderungen gekennzeichnet, sagte CEO Carsten Knobel letzte Woche. Er meinte damit geopolitische Spannungen sowie Zoll- und Handelskonflikte. Auch die Aktien von Henkel gehören erst mal nur auf die Beobachtungsliste.
Stoxx-Verlierer: Saint-Gobain (-17 Prozent)
Die Aktie des Baustoffherstellers Saint-Gobain gehört in die gleiche Kategorie wie Sika - bloss hat der Titel des französischen Konzerns mit einem Fall auf den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren nicht die erschreckenden Ausmasse der Sika-Aktie erreicht. Der Gewinnanstieg des Konzerns im Jahr 2025 blieb etwas unter den Markterwartungen. Immerhin konnte Saint-Gobain die Dividende leicht erhöhen. Berenberg hat noch immer ein Kursziel von 105 Euro für die Aktie (aktuell: 72 Euro). Abzuwarten bleibt, wie lange sich dieses Ziel mit Fortdauer des Iran-Konfliktes halten lässt.
Stoxx-Verlierer: Deutsche Bank (-15 Prozent)
Im Euro Stoxx 50 rangiert die Deutsche Bank an zweitletzter Stelle seit dem 1. März, im Dax an viertletzter Stelle. Eine durchaus zwiespältige Bilanz, zumal Konkurrenten wie die UBS (-7 Prozent) jüngst besser abgeschnitten haben. Am Ausblick der Deutschen Bank ändere der Iran-Krieg nichts, sagte Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing am Dienstag. Trotzdem musste er einräumen, dass der Krieg Unsicherheiten, Schwankungen und höhere Energiepreise mit sich bringe, die entscheidend seien für die deutsche Industrie. Der Iran-Krieg hat den seit August 2024 anhaltenden Aufwärtstrend der Aktie jäh unterbrochen. Sollte sich die Situation am Golf bald normalisieren, ist der Titel der Deutschen Bank eine Kauf-Option.
Dow-Jones-Verlierer: Nike (-12 Prozent)
Die Aktie von Nike performt seit Ende 2021 miserabel. Der Kurssturz von 170 Dollar auf aktuell 55 Dollar spricht Bände. Es ist der tiefste Stand seit nahezu neun Jahren. Die ganze Sportartikel-Branche ist angesichts zunehmender geopolitischer und handelspolitischer Spannungen unter Druck. Der Iran-Krieg verstärkte diesen Trend zusätzlich. Investoren befürchten eine schlechtere Konsumentenstimmung, was die Nachfrage nach Sneakers und anderen Sportartikeln beeinträchtigen könnte. Es bestehen starke Zweifel, ob die Nike-Aktien gerade im Jahr 2026 den Turnaround schaffen werden.
Dow-Jones-Verlierer: Home Depot (-10 Prozent)
Home Depot ist an der Börse an sich eine Erfolgsgeschichte: Die Aktie der weltgrössten Baumarktkette stieg von rund 34 Dollar im Jahr 2011 bis auf 430 Dollar im Jahr 2024. Der Irak-Krieg und die damit verbundenen Sorgen über die Konsumentenlaune warf den Titel nun auf den tiefsten Stand seit fast zwei Jahren zurück - wobei die Aktie schon vorher etwas schwächelte. «Unsere Kunden halten sich seit nunmehr drei Jahren mit grossen Renovierungsprojekten zurück», sagte Finanzchef Richard McPhail kürzlich. Die Hypothekenzinsen müssten weiter sinken und die Einkommen deutlicher steigen, damit sich das Wachstum beschleunige. Da ein möglicher Inflationsschub Leitzinssenkungen in den USA wahrscheinlich verhindert, sind bei der Aktie von Home Depot vorerst keine Sprünge zu erwarten.
Nasdaq-Verlierer: NXP Semiconductor (-17 Prozent)
Der niederländische Halbleiterhersteller mit Börsenkotierung an der Nasdaq präsentierte Anfang November Quartalszahlen, welche zwar über den Markterwartungen lagen, die Aktie aber dennoch drückten. Mit dem Katalysator Iran-Krieg fielen die Titel von 250 Dollar auf 193 Dollar. NXP Semiconductor profitiert eigentlich von der gestiegenen Nachfrage nach sicheren Verbindungschips, die in modernen Fahrzeugen und Fabrikautomatisierungssystemen zu den Komponenten gehören. Die Langzeit-Historie spricht im Prinzip für den Titel. Er hat sich in den vergangenen 14 Jahren verzehnfacht. Abwarten scheint aber auch hier die beste Wahl.
Nasdaq-Verlierer: Microchip Technology (-15 Prozent)
Microchip Technology produziert spezialisierte Halbleiter-Produkte für elektronische Steuerungen in den Branchen Industrie und Autos. Nach etwas schwachen Vorquartalen zeigten die letzten Dreimonatsergebnisse Anfang Februar eine Verbesserung. Die relativ starke Abhängigkeit von zyklischen Branchen brachte für die Aktien von Microchip Technology nun einen Rückschlag. Die Aktie ist auch sonst kein «Heuler»: Sie steht wieder etwa dort, wo sie vor fast fünf Jahren schon war.

