Einige Schlaglichter auf die jüngste Vergangenheit zeigen, dass sich mittel- und kleinkapitalisierte Schweizer Unternehmen an der Börse besser entwickelt haben als die Grossen. So sind die Aktien von Huber+Suhner (plus 83 Prozent), Accelleron (plus 42 Prozent) und Sensirion (plus 19 Prozent) seit Ende 2025 markant besser gelaufen als die Anteilsscheine von Nestlé (minus 1,6 Prozent), Novartis (plus 3,4 Prozent) und Roche (minus 3,9 Prozent).
Zudem ist der Mid- und Small-Cap-Index des Schweizer Aktienmarkts - der SPI Extra - um 3,6 Prozent gestiegen, während der Gesamtmarkt gemessen am Swiss Performance Index (SPI) um lediglich knapp 2 Prozent zugelegt hat. Der SPI Extra setzt sich grundsätzlich aus den Werten des SPI zusammen, wobei aber die Aktien des Swiss Market Index (SMI) ausgeklammert sind.
Die Frage stellt sich: Ist die Stärke der Schweizer Mid-Caps gegenüber den Large-Caps ein nur zeitweiliges Phänomen oder steckt ein Muster dahinter?
Innovationskraft treibt Schweizer Mid-Caps an
Schweizer Aktien, insbesondere Schweizer Small- und Mid-Caps, seien in den vergangenen 20 Jahren eine der leistungsstärksten Anlageklassen weltweit gewesen, heisst es in einem kürzlich erschienen Bericht des Vermögensverwalters EFG.
Die Zahlen dazu hat Damian Burkhardt, Leiter Aktien Schweiz von EFG, auf Anfrage von cash.ch zusammengestellt. Die Werte sind in Schweizer Franken und auf Total-Return-Basis berechnet. Sie weisen darum aus, welche Erträge aus der Kursentwicklung und den Dividenden die Investoren an den verschiedenen Aktienmärkten langfristig eingefahren haben.
Tabelle: Wertentwicklung verschiedener Aktien-Indizes zwischen 2004 und 2025 / Total Return, in CHF / Quelle: EFG.
Die Daten beschreiben, dass sich das Segment der Schweizer Small- und Mid-Caps über zwanzig Jahre hinweg stärker entwickelt hat als die europäischen, amerikanischen und globalen Aktien-Indizes. Indes trifft es auf kürzere Sicht auch zu, dass der US-Markt aufgrund der Tech-Rally den hiesigen Aktienmarkt übertroffen hat.
Relevant ist sodann aber die langfristig deutliche Differenz zwischen dem SPI Extra und dem SPI. Sie zeigt: «Kleinere und mittlere Unternehmen sind das Rückgrat des Schweizer Aktienmarktes und entwickeln sich an der Börse besser als die grossen SMI-Unternehmen», sagt Damian Burkhardt von EFG im Gespräch mit cash.ch.
Zur Begründung führt er aus: «Small- und Mid-Caps wachsen grundsätzlich schneller als Large-Caps, weil sie innovativer, agiler und weniger bürokratisch sind.»
Die vergleichsweise hohe Innovationskraft der kleineren und mittleren, an der Börse kotierten Unternehmen ist ausschlaggebend. Sie führt klassischerweise zu Wettbewerbsvorteilen, einer erhöhten Nachfrage und grösserer Preissetzungsmacht. Der somit wachsende Marktanteil begünstigt Profitabilität und Wachstum sowie als Folge davon bessere Aktionärserträge.
Der Zusammenhang trifft wohl nicht immer zu, wie etwa die Aktionäre der inzwischen insolventen Solarfirma Meyer Burger erfahren haben. Deren Solarzellen und -module passten zwar gut in die Energiewende, das Unternehmen scheiterte jedoch. Dennoch zeigen die Angaben von EFG, dass der Konnex überwiegend gegeben ist - ja, fast schon gegeben sein muss, wenn Schweizer Unternehmen überleben wollen. Denn der anhaltende Druck durch die Aufwertung des Schweizer Frankens und durch die hohen Arbeitskosten im Inland lasse den Unternehmen nur eine Chance: «Sie müssen fortwährend innovativ sein», schreiben die Experten von EFG in ihrem jüngsten Bericht.
Vier innovationsstarke SPI-Unternehmen
Ein Beispielunternehmen ist Sensirion. Dessen CEO, Marc von Waldkirch, sagte im cash-Interview: «Als Schweizer Firma mit einer sehr hohen Kostenbasis und dem Gegenwind des starken Frankens müssen wir uns durch Innovationen abheben.» Wie das Unternehmen am Investorentag im April mitteilte, fokussiert es sich ausgehend von der Umwelt‑ und Durchflusssensorik strategisch auf sogenanntes «Smart Gas Sensing». Dabei geht es unter anderem um das für die Sicherheit relevante Auffinden von Lecks, aus denen kritische Gase austreten, oder um medizinische Sensorlösungen zur Gesundheitsüberwachung und Atemgasanalyse.
Nach dem Kapitalmarkttag sah die Zürcher Kantonalbank (ZKB) das durch Marc von Waldkirch geleitete Unternehmen «auf einem guten Weg, in den nächsten Jahren die Umsatzgrenze von 500 Millionen Franken zu übertreffen». 2025 machte Sensirion 342 Millionen Franken Umsatz.
Der zuständige ZKB-Analyst, Michael Inauen, hat das Übergewichten-Rating bestätigt und den fairen Wert je Sensirion-Aktie nun auf 92 von 80 Franken angehoben. Damit traut er der Aktie einen rund 25-prozentigen Aufstieg zu.
Ein anderes Beispiel gibt das Tessiner Orthopädieunternehmen Medacta. Es ist seit 2019, dem Jahr des Börsengangs, um 120 Prozent gewachsen. Allein 2025 hatte es den Umsatz um 18,5 Prozent gesteigert und damit das selbst gesteckte Ziel mehr als erfüllt. Dieses sah ein Umsatzwachstum von 16 bis 18 Prozent vor.
Das positive Abschneiden sei mitunter auf Innovationen in allen Geschäftsbereichen zurückzuführen, teilte das Management mit. Zu den Innovationen von Medacta zählt ein Kniegelenksimplantat, das sich der natürlichen Beinstellung jedes Patienten anpasst und so eine gewisse Beugung nach innen oder aussen zulässt. Herkömmliche Produkte begradigen die Beine, was den Patienten oft Probleme im Alltag, bei der Arbeit und beim Sport bereitet.
Das Wachstum soll weitergehen. Medacta will bis 2027 im Schnitt pro Jahr um 12 bis 15 Prozent zulegen sowie die operative Gewinnmarge auf Stufe Ebitda graduell verbessern.
«Accelleron hat es geschafft, sich durch gezielte Diversifikation und innovative Ansätze in einem hart umkämpften Markt zu behaupten», hat die Bank Vontobel im März zu dem in Baden ansässigen Technologieunternehmen geschrieben. Neben dem angestammten Geschäft mit Turboladern für die Schifffahrt sei Accelleron auch in den Bereich der Notstromversorgung für Rechenzentren vorgestossen. Dieser Schritt habe sich als Treffer erwiesen, zumal der «globale Datencenter-Boom eine enorme Nachfrage nach zuverlässigen und leistungsstarken Notstromlösungen ausgelöst hat».
Spiegel davon ist der Aktienkurs: Die Titel von Accelleron haben seit dem Börsengang im Oktober 2022 um rund 380 Prozent angezogen. Der aktuelle Stand von 86 Franken liegt 15 Prozent über dem Konsens für das Kursziel. Gemessen daran hat die Aktie ihr Potenzial bereits mehr als ausgeschöpft.
Im Feld der Rechenzentren bewegt sich auch Huber+Suhner. Die optischen Schalter, die das in Herisau beheimatete Unternehmen liefert, treffen laut der UBS auf einen Markt, der bis 2028 rund zwei Milliarden Franken gross sein dürfte. Daraus werde sich ein Umsatzbeitrag von 400 Millionen Franken ergeben.
Zudem: Bis 2028 solle sich die Konzernmarge auf 17,6 Prozent von 10,5 Prozent im Jahr 2025 verbessern, so die UBS weiter, die das Kursziel für Huber+Suhner nun bei 320 Franken ansetzt (zuvor 230 Franken). Insofern dürften die Titel um weitere 20 Prozent steigen, nachdem sie in den vergangenen 52 Wochen schon um 255 Prozent nach oben geklettert sind.
Small- und Midcaps-Fonds als Alternative zu Einzeltiteln
Wer nicht auf Einzeltitel setzen will, kann Small- und Midcaps-Fonds ins Auge fassen. Die UBS bietet mit dem «Equities Switzerland Small & Mid» einen Indexfonds an, der dem SPI Extra folgt. Die Gesamtkostenquote beträgt hierbei 0,19 Prozent. Eine etwas teurere Alternative dazu ist der aktiv gemanagte «Swiss Small & Mid Caps Equity»-Fonds der Waadtländer Kantonalbank.
Der «Bellevue Entrepreneur Switzerland»-Fonds hat als Benchmark wiederum den SPI Extra - und diesen seit der Lancierung des Fonds im Jahr 2006 deutlich geschlagen. Er investiert aktiv, sodass die ausgewählten Titel nicht mit dem Schweizer Small- und Mid-Caps-Barometer übereinstimmen. Zu den Top-Positionen zählen Huber+Suhner sowie Accelleron, doch laut Factsheet auch Roche, ein SMI-Wert, der nicht im SPI Extra enthalten ist.
Vor einem Investment in einen Small- und Mid-Caps-Fonds ist die Durchsicht des Faktenblattes ohnehin aufschlussreich. Es beschreibt den Anlagefokus des Fonds, die Kosten, die Performance, weitere Kenngrössen sowie die aktuellen Top-Positionen.

