Mit dem von Donald Trump verhängten Zollhammer am Nationalfeiertag war der Auftakt in den Monat August alles andere einfach. Anleger und Experten fürchteten den Börsenstart am 4. August, jedoch blieb der vielerorts prognostizierte «Crash» aus. Einfach blieb der Monat dennoch nicht, denn Unsicherheit gilt als «Gift» an den Börsen - und davon gab es eine Menge.
Weitere Zolldrohungen seitens des US-Präsidenten, ein nach wie vor schwacher und volatiler Dollar, Friedensgespräche bezüglich der Ukraine zwischen Putin und Trump und die Entlassungsdrohung der Notenbankerin Lisa Cook, welche die Unabhängigkeit der Fed infrage stellt, halten die Anleger in Aufruhr - auch in der Schweiz.
Insbesondere Technologietitel wie VAT, Comet oder Sensirion büssten aufgrund verhaltener Ausblicke oder Kursentwicklungen von Branchengrössen wie Applied Materials ein. Auch Schwergewicht Roche verlor bis zur Mitte des Monats an Terrain, bevor die Titel eine Kehrtwende einläuteten.
Obwohl Pharmaprodukte von den Zöllen ausgenommen sind, hat Trump mit einem Erlass und einem Brief an siebzehn grosse Pharmaunternehmen den Druck für tiefere Medikamentenpreise erhöht. Laut Christian Gattiker von Julius Bär seien die angedrohten Pharmazölle jedoch kein Grund zur Sorge. «Für grosse Pharmaunternehmen mit signifikanter US-Produktion sind die neuen Zölle kaum operativ belastend. Die meisten könnten den US-Markt aus bereits in den USA vorhandenen Kapazitäten bedienen», lautete seine Aussage.
Einige Schweizer Aktien stachen im August jedoch mit ihrer positiven Performance ins Auge:
Orior
Überraschend steht die «günstigste» Aktie der Schweiz auf dem Siegertreppchen zuoberst. Die Aktien von Orior haben sich im August um 4 Franken verteuert (+30 Prozent) und notieren damit so hoch wie seit drei Monaten nicht mehr. Bei fast 60 Prozent Minus seit Januar scheint dies jedoch ein kleiner Aufsteller zu sein.
Ein grosser Aufsteller waren allerdings die Halbjahreszahlen. Wie Experten kommentierten, waren diese ein wichtiger Schritt in Richtung Turnaround. Es wurden tiefgreifende Restrukturierungen angekündigt, um die Verschuldung um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag zu senken. Dies betrifft die Trockenfleisch-Tochter Albert Spiess und die belgische Tochter Culinor, welche möglicherweise sogar verkauft wird. Das Unternehmen möchte den Fokus künftig stärker auf den Heimmarkt legen und im internationalen Geschäft nur noch ausgewählte Aktivitäten weiterverfolgen. Die delegierte Konzernchefin Monika Friedli-Walser will den Turnaround ohne Kapitalerhöhung schaffen.
Anleger wie auch Analysten reagierten positiv auf diese Ankündigungen und trieben den Aktienkurs in die Höhe. Schenkt man den Experten glauben, dürften die Titel jedoch mittlerweile ausgereizt sein. Sie sehen den fairen Wert bei rund 14,3 Franken, also unter dem Niveau von 17 Franken am Freitag. Zudem liegen keine Kaufempfehlungen vor, lediglich jeweils zwei Halten- und Verkaufsempfehlungen.
U-Blox
Die Halbjahreszahlen stiessen zwar nicht auf positive Reaktionen, dennoch hat U-Blox die Kursverluste in Grenzen gehalten und sogar den Turnaround geschafft. Kurz nach dem Zollhammer sorgten die Zahlen für Einbussen von 2,5 Prozent. Schlussendlich haben die Aktien im August jedoch rund 30 Prozent dazugewonnen und kosten nun 135 Franken. Damit hat sich der Preis seit Januar beinahe verdoppelt - 90 Prozent Kurszuwachs. U-Blox sind damit die achtbeste Aktie an der Schweizer Börse in diesem Jahr.
Bis Mitte des Monats betrug die Kursbilanz 40 Prozent, dann folgte der 15. August, der den Kurs um weitere 27 Franken steigen liess. Der Finanzinvestor Advent will den Schweizer Chip- und Softwarehersteller für 1,05 Milliarden Franken übernehmen. In der Folge schossen die Aktien im Tageshoch um mehr als 20 Prozent nach oben. Mehrheitlich geben die Analysten dem Deal eine grosse Erfolgswahrscheinlichkeit.
Der Deal sorgt jedoch auf für Unsicherheit: Es werden Stimmen laut, dass der Übernahmepreis zu tief sei - mehr dazu hier. 135 Franken je Aktie würden den inneren Wert und das Potenzial von U-Blox nicht widerspiegeln. Das Management des Technologieunternehmens stellte sich jedoch klar hinter die Offerte und sprach von einer äusserst attraktiven Chance für die Aktionäre.
Polypeptide
Ebenfalls profitiert von den Halbjahreszahlen hat Polypeptide. Der Pharmazulieferer konnte ebenfalls knapp 20 Prozent zulegen in den letzten 30 Handelstagen. Mit dem aktuellen Preis von 27 Franken nähern sich die Titel dem Niveau von 29 Franken Anfang Jahr, bevor die Linie im Kurschart bis April einer Abwärtstendenz folgte. Somit ist die Jahresbilanz weiterhin leicht negativ mit 1,5 Prozent Verlust - bis Mitte des Monats waren es immerhin noch 17 Prozent.
Die Halbjahresergebnisse übertrafen Umsatz mässig zwar die Erwartungen, dafür enttäuschte die Rentabilität. Entscheidend war jedoch, dass die Prognose für das Gesamtjahr auf eine starke zweite Hälfte deutet. Zudem kann die neue Grossanlage in Belgien wie geplant hochgefahren werden, wonach Kunden fristgerecht beliefert werden können und die Wachstumsziele realistisch erscheinen. Polypeptide investiert derzeit in neue Kapazitäten, um Chancen im Geschäftsfeld der Diätmedikamente zu nutzen. Polypeptide profitiert ausserdem von positiven Aussichten in der Branche von Pharmazulieferern. Diese sei laut UBS von starken mittelfristigen Wachstumsaussichten, untermauert durch gesicherte langfristige Verträge, geprägt.
Analysten passten ihre Kursziele und Ratings daraufhin nach oben an. Aktuell sind es vier Kaufempfehlungen, während je ein Analyst den Verkauf beziehungsweise das Halten empfiehlt. Das höchste Preisziel von 44 Franken steht der tiefsten Einschätzung von 27 Franken gegenüber. Durchschnittlich resultiert ein Kursziel von 33,40 Franken - die Aktie hat also noch Potenzial nach oben.
Logitech
Das Kurschart von Logitech kennt seit den zollbedingten Abgaben Anfang April nur eine Richtung: nach oben. So auch im August - es kamen 8,8 Prozent dazu. Auf Jahressicht resultieren 11 Prozent Zuwachs. Belastend wirkt hier der Einbruch in den ersten drei Monaten des Jahres, als sich die Aktie innerhalb kurzer Zeit von 94 Franken auf 55 Franken verbilligt hatte.
Noch im Juli legte Logitech starke Zahlen vor. Das Unternehmen steigerte Umsatz sowie Gewinn und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. «Unsere Fähigkeit, uns schnell an Veränderungen anzupassen - durch Kostensenkungen, eine diversifizierte Produktion und gezielte Preisanpassungen - war klar sichtbar», kommentierte CEO Hanneke Faber die Ergebnisse. Ähnlich quittierten die Banken den Zahlenkranz. Zuletzt Vontobel, welche die überragende Rentabilität sowie die starke Bilanz als Wettbewerbsvorteil sehen. Dieser sei für die Erschliessung des grossen adressierbaren Marktes von entscheidender Bedeutung.
Der Analyst liegt mit dem Kursziel von 95 Franken eher in der optimistischeren Hälfte. So resultiert ein nach Ansicht der Experten fairer Wert von 85,43 Franken - die Aktie kostet derzeit 83,22 Franken. Die Kaufempfehlungen (9) überwiegen die Verkaufsempfehlungen (2) klar, während sieben zurückhaltend zuversichtlich sind.
Novartis
Während Roche wie bereits erwähnt etwas zu kämpfen hatte, ging es für Novartis im August nach oben. Ende Juli kosteten die Titel noch 94 Franken, nun sind sie wieder über 101 Franken wert. Auf diesem Niveau notierten die Titel zuletzt im September 2024. Auf Jahressicht sind es doch beinahe 15 Prozent Kurszuwachs für das Pharma Schwergewicht im SMI.
Ausschlaggebend waren verschiedene Ereignisse: Einerseits verkündete das Basler Unternehmen einen Forschungserfolg mit Ianalumab, einem Kandidaten gegen das Sjögren-Syndrom, einer Autoimmunerkrankung. Dieser Wirkstoff hat laut verschiedenen Banken sogenanntes Blockbuster-Potenzial und ist eines der drei wichtigsten Pipeline-Projekte. Also die Chance, einen Umsatz von mehr als 1 Milliarde Dollar zu generieren. Ebenfalls ist Novartis eine Forschungskooperation mit der schwedischen BioArctic eingegangen, um einen neuen Wirkstoffkandidaten zu entwickeln.
Analysten äusserten sich ausserdem über den August gestreut positiv zu den Valoren von Novartis. Eine davon ist die Deutsche Bank, welche das höchste Kursziel für Novartis aussprach, nämlich bei 120 Franken. Von insgesamt 28 bei Bloomberg erfassten Analysten sprechen neuen eine Kaufempfehlung aus, 15 würden die Titel Halten und vier empfehlen den Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 100,60 Franken.
Richemont
Ein weiterer positiver Kandidat ist Richemont. Der Luxusgüterkonzern machte in der zweiten Monatshälfte seine Kursverluste vom Juli wett und verteuerte sich um 6 Franken. Die Jahresbilanz notiert nun ebenfalls im Plus (2,4 Prozent). Mit einem Preis von fast 140 Franken sind die Aktien allerdings noch weit vom diesjährigen Hoch im Februar bei 184 Franken entfernt.
Besonders in den letzten Handelstagen hat Richemont Boden gut gemacht. Grund dafür waren einerseits positiv Impulse seitens Swatch, aber auch aus dem letztjährig schwierigen Markt in China. «Dass aus der chinesischen Wirtschaft positive Signale kommen, passt ins positive Bild für Luxusgüteraktien», erklärt George Alevrofas, Anlagechef von VT Wealth Management.
Ob der Aufwind anhält, ist fragwürdig. Insgesamt wehen starke Gegenwinde. Einerseits dürfte die Einführung der US-Zölle zu einer schwächeren Nachfrage von Schweizer Uhren auf dem US-Markt führen. Allerdings dürfte der Effekt laut Analysten bei Richemont begrenzt sein. Das Unternehmen sei stark im Hochpreissegment positioniert und ein Grossteil des Schmucks komme aus Frankreich oder Italien, erklärt Kepler Chevreux. Aktuell empfehlen 13 Analysten die Titel zum Kauf, während acht Halten aussprechen und einer die Titel verkaufen würde. Den fairen Wert der Aktie sieht der Analystenkonsens bei 166,14 Franken.