SMI-Stand Ende 2014: Das sagen Anlageprofis

Dreht der Schweizer Leitindex im Schlussquartal nochmals so richtig auf - oder kommt eine deftige Korrektur? cash fragte bei Anlageprofis nach.
30.09.2014 01:00
Von Frédéric Papp
Anleger verdienten bislang gut Geld mit dem SMI.

Noch drei Monate, und das Anlagejahr 2014 ist Geschichte. Bislang verzeichnet der Swiss Market Index (SMI) ein Plus von 7 Prozent. Der Schweizer Leitindex profitiert heuer von seiner defensiven Ausrichtung in einem geopolitisch heiklen Umfeld.

Der SMI lässt mit seiner Performance andere europäischen Börsen weit hinter sich. So weisen der DAX oder der britische FTSE 100 2014 gar eine leichte Negativperformance aus. Da ein Abklingen der vielen geopolitischen Unruheherde nicht in Sicht ist, müsste eigentlich weiterhin Kapital in den Schweizer Markt fliessen.

Laut den meisten von cash befragten Anlageprofis bleibt dem Index nicht mehr viel Raum nach oben. Bei rund 8900 Punkten sieht Vontobel-Researchleiter Panagiotis Spiliopoulos den SMI Ende Jahr stehen - zum aktuellen Stand ein Plus von noch gut 1 Prozent. Der Kurszuwachs werde aus besseren Unternehmensgewinnen resultieren. "In den ersten neun Monaten des Jahres betrug das Gewinnwachstum nahezu null", sagt Spiliopoulos zu cash.

«Dicke Berta» stützt Märkte

Etwas höher, bei 8950 Punkten, sieht Thomas Stucki, Anlagechef bei der St.Galler Kantonalbank, den SMI per Ende Jahr. "Die solide US-Wirtschaft und die anhaltend aktienfreundliche Geldpolitik der Zentralbanken geben den Aktienkursen eine gute fundamentale Basis." Dadurch werde das Ausmass von vorübergehenden Rückschlägen, die auf den aktuellen Bewertungsniveaus häufiger vorkommen werden, begrenzt, so Stucki.

Einen stabilen bis leicht höheren SMI sehen auch jene sechs Anlageberater, welche kürzlich an einem cashPublikumsevent teilnahmen (zum Video). Von den sechs Anlageberatern glaubt nur einer an eine Korrektur im Rahmen von 5 Prozent bis Ende 2014. Am höchsten griff Sales Bischofberger, Portfolio-Manager bei Solitare Aquila, mit einem Kursziel von 9100 Punkten – ein Plus von knapp 4 Prozent.

Angeschoben oder zumindest gehalten werden die Börsen auch von der "Dicken Berta", so die Erwartung im Markt. Damit ist ein umfangreiches Kaufprogramm besicherter Unternehmenskredite durch die Europäische Zentralbank (EZB) gemeint. Ziel ist es, die Wirtschaft anzukurbeln. EZB-Präsident Mario Draghi wird am Donnerstag die technischen Details zum Kaufprogramm bekanntgeben.

Bessere Konjunkturzahlen, insbesondere aus Europa, seien denn auch notwendig, um eine nachhaltige Kurssteigerung an den Aktienmärkten zu erreichen, sagt Anlagechef Stucki. Doch vor allem in Europa stockt es derzeit gewaltig. Die Konjunkturlokomotive Deutschland hat deutlich an Zugkraft verloren, Frankreichs Wirtschaft stagniert und Italien steckt im Rezessionssumpf fest. Die Lähmung befällt zusehends auch die Schweiz. Diverse Ökonomen haben in den vergangenen Wochen ihre BIP-Prognosen für das laufende Jahr deutlich nach unten korrigiert.

Holprige Fahrt

Dies wird nicht spurlos an den Börsen vorbei ziehen. Roger Keller, Anlagechef bei BNP Paribas Wealth Management Schweiz, erwartet in den kommenden drei Monaten denn auch eine holprige Fahrt. Er verweist auf den Ende Oktober anstehenden Stresstest der europäischen Banken, die Anfang November stattfindenden Parlamentswahlen in den USA – den so genannten Midterm-Elections - und auf wichtige Makrodaten, unter anderem auf die regelmässig erscheinenden Arbeitsmarktdaten der USA.

Die Entwicklung der Arbeitslosenrate ist zentral für die Zinspolitik der USA. Besser als erwartet ausfallende Arbeitsmarktdaten machen eine frühzeitige Anhebung der US-Leitzinsen wahrscheinlich. Dies dürfte zu temporären Verstimmungen an den Aktienmärkten führen. Derzeit geht der Markt von einer US-Leitzinserhöhung im 2. Quartal 2015 aus.

Trotz stärkeren Kursausschlägen rät Keller nicht, Aktien zu verkaufen. Vielmehr empfiehlt er, in den Märkten investiert zu bleiben, er sieht auch Einstiegschancen. "Denn 2015 werden die Unternehmensgewinne anziehen und so den Markt nach oben hieven", so Keller. "Die Bewertungen sind vernünftig, und Anleger haben immer noch wenig Aktien im Depot", sagt Keller.