Das 2026 war bislang ein gutes Aktienjahr. Rund 8 Prozent höher steht der Swiss Perfomance Index (SPI) als zu Jahresbeginn.

Doch nicht ausser Acht gelassen werden darf, dass rund die Hälfte der 203 SPI enthaltenen Aktien eine negative Jahresperformance aufweist. An SPI-Ende stehen nicht überraschend Biotech-Aktien: Xlife, Addex, Newron und Mindmaze haben seit Jahresbeginn zwischen 60 und 90 Prozent verloren.

Während bei diesen Unternehmen die «Turnaround»-Aussichten beim Aktienkurs höchst unsicher und unberechenbar sind, gibt es eine Reihe von zuletzt gefallenen Schweizer Aktien, die an der Börse aus verschiedenen Gründen Aufholpotenzial haben. Bei fast allen von cash.ch ausgewählten Titeln hat die Gegenbewegung noch nicht eingesetzt. Ein Investment erfordert also unter Umständen Geduld.

Dass sich Mut bei abgestraften Aktien durchaus auszahlen kann, beweist die Entwicklung des Verbundwerkstoffspezialisten Gurit. Nach einem Absturz von rund 260 Franken Anfang 2021 auf rund 10 Franken setzte bei der Aktie Anfang 2026 die Trendwende ein. Mit einem Kursplus von über 400 Prozent ist Gurit nun die beste Schweizer Aktie im Jahr 2026.

1) Burkhalter

Die Aktie des Gebäudetechnikers und Elektroinstallateurs ist von 190 Franken im April bis zeitweise auf unter 120 Franken Mitte September abgesackt. Der Rückgang setzte nach Bekanntgabe der Jahreszahlen 2025 ein, die eigentlich im Rahmen der Erwartungen lagen. Auch eine Erhöhung der Dividenden wurde verkündet.

Analysten bemängelten jedoch das schwache organische Wachstum, das seit rund einem Jahr anhält. Für 2026 und 2027 wird allerdings eine Verbesserung prognostiziert. Zwei Trümpfe hat die Burkhalter-Aktie für vorsichtige Investoren weiterhin: Die Fokussierung auf den Markt Schweiz und den konstanten freien Cashflow, der traditionell eine hohe Dividende garantiert.

2) Bystronic

Es braucht zugegebenermassen schon einigen Mut, sollte man sich dieser Tage für einen Aktienkauf von Bystronic entscheiden. Denn der Kurssturz des Herstellers von Maschinen zur Blechbearbeitung ist schon ziemlich kolossal. Ende 2021 kostete die Aktie noch rund 1300 Franken, heute ist noch ein Zehntel davon übrig. Allein in diesem Jahr steht erneut ein Kursminus von 50 Prozent zu Buche. Das führte dazu, dass Bystronic Anfang September aus dem MSCI Global Small Cap Index flog.

Die Firma leidet unter Preisdruck im Einzelmaschinenverkauf und einer geringeren Kapazitätsauslastung. Der Verlust im Ersthalbjahr hat sich verdoppelt. Ein Lichtblick war allerdings das Plus von rund 10 Prozent beim Auftragseingang. Deshalb zeichnet sich laut Firmenchef Domenico Iacovelli auch ein «dramatisch besseres» Resultat ab, bei allerdings weiterhin unsicheren Perspektiven. Mut macht, dass sich der Aktienkurs seit Ende Juni stabil hält. Investoren müssen bei Bystronic einen langen Atem haben.

3) Dätwyler

Auch bei Dätwyler setzte Ende 2021 ein deutlicher Kursabschwung ein. Nach zwischenzeitlichen Erholungsphasen, während deren die Aktie aber nie mehr die alte Stärke erlangte, zeigt der Titel des Industriezulieferers aus Altdorf seit Mai wieder nach Süden. Die Halbjahreszahlen kamen an der Börse trotz Umsatzwachstum und trotz verbesserter Profitabilität nicht gut an. Investoren sind verunsichert wegen des vagen Ausblicks der Firma sowie wegen Entwicklungen in den Sparten Industrial und Food & Beverage.

CEO Volker Cwielong, im Amt seit März 2024, sieht das Unternehmen in der Mitte seiner Transformationsphase. Die Helvetische Bank hat einen positiven Gesamteindruck von Dätwyler. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 23 handle die Aktie deutlich unter ihrem Fünfjahresdurchschnitt von 44, auch die erwartete Dividendenrendite von rund 2,6 Prozent sei langsam wieder interessant. Und: Dätwyler biete nach einem Kursrückgang von 20 Prozent seit Jahresbeginn einen attraktiven Einstieg «in einen intakten Margensteigerungs-Case».

4) Galenica

Die Aktie des Gesundheitskonzerns ist vom Rekordhoch im Februar rund 20 Prozent gefallen und befindet sich auf dem tiefsten Stand seit eineinhalb Jahren. Der Kursrutsch wurde damals eingeleitet durch die Schliessung der pharmazeutischen Produktion Bichsel in Interlaken - ein Schritt, der von Analysten als teures Unterfangen eingestuft wurde. Operativ liefert Galencia, welche die Amavita-Apothekengruppe unterhält - aber regelmäsig ab. Zudem stieg Galenica vor einem Jahr durch die Übernahme der Labor-Team-Gruppe in das Diagnostik-Geschäft ein, was im Aktienkurs wohl noch nicht genug reflektiert ist.

Galenica gilt wegen des defensiven Geschäftsmodells als Aktie für vorsichtige Investoren. Mit dem fast ausschliesslichen Fokus auf die Schweiz ist sie weniger anfällig für Schwankungen und bietet mit einer Dividendenrendite von 3 Prozent einen ordentlichen Ausschüttungswert. Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt etwas über 15 Prozent des aktuellen Kurses.

5) Swissquote

Die Aktie der Online-Bank notiert 36 Prozent tiefer als im August 2025 und befindet sich - wie Galenica - auf dem tiefsten Stand seit eineinhalb Jahren. Zwischen Herbst 2023 bis Sommer 2025 war Swissquote an der Börse sehr stark angestiegen. Doch der Lack ist ab - und das hat sich Swissquote mit dem starken Aufbau des Kryptogeschäftes gewissermassen selbst in die Schuhe zu schieben.

Der Einbruch im Handel mit Bitcoin & Co. veranlasste die Bank im August zu einer Senkung der Jahresziele 2026. Der Anteil von Krypto an den Gesamterträgen beträgt damit nur noch 4 Prozent von 12 Prozent im letzten Jahr. Offenbar wird das «Exposure» zur Kryptowelt von Investoren laut Swissquote allzu stark wahrgenommen. Denn CEO Marc Bürki betont immer wieder, man werde die Ziele bis 2028 auch ganz ohne das Kryptogeschäft realisieren können. Geholfen haben solche Beteuerungen dem Aktienkurs jedoch nicht. Für die Swissquote-Aktie sprechen ein steigendes Zinsumfeld, das dem traditionellen Geschäft hilft. Und eine eventuell steigende Krypto-Volatilität in den Märkten, die aber vorhersehbar ist.

6) Flughafen Zürich

Nach einem Fall von 23 Prozent seit Ende Juni ist die Aktie des Flughafens Zürich auf dem Stand von November 2024 angelangt. Die Firma hat im ersten Halbjahr 2026 zwar so viel Gewinn gemacht wie noch nie in einem Semester. Doch auf dem Aktienkurs lasten gleich zwei grosse Brocken. Zu einem wird die Verzögerung bei der Eröffnung des Flughafens im indischen Noida - dem bislang grössten Auslandsengagement des Flughafens Zürich - einen Zusatzaufwand von etwa 80 Millionen Franken für 2026 und 2027 einbringen. Das wird laut Zürcher Kantonalbank (ZKB) zu einem tieferen Reingewinn wie auch zu einem Dividendenrückgang führen. Zum anderen lasten sinkende Flughafengebühren ab Oktober 2026 auf der Einnahmenseite.

Doch laut Sicht der ZKB müssten diese Negativfaktoren im Aktienkurs bereits enthalten sein. Hoffnungsvolle Investoren richten ihren Blick auf die Langfrist-Ziele des Flughafen-Managements bis 2040: Bis dann soll der Umsatz auf über 3 Milliarden Franken steigen, die Hälfte davon aus dem Ausland.

7) Sunrise

Die Aktie von Sunrise seit dem (zweiten) SIX-Börsengang im November 2024 ist eine einzige Enttäuschung. Der Kurs liegt rund 10 Prozent unter dem Eröffnungspreis und nahe einem Rekordtief. Kein Vergleich zur Konkurrenz: Die Aktie von Swisscom hat seit dem Sunrise-Börsengang 24 Prozent zugelegt. Sunrise - die vom früheren Eigentümer Liberty Global eine erhebliche Schuldenlast auferlegt bekam - vermeldete im zweiten Quartal 2026 weniger Umsatz und operativen Gewinn.

Nun tritt die Firma die Flucht nach vorn an und stellt über die nächsten Jahre einen Abbau von mehreren hundert Stellen in den Raum, das Betriebsmodell soll eventuell neu definiert werden. Geholfen hatte die Ankündigung dieser Massnahmen der Aktie nur kurzzeitig. Für Sunrise spricht die hohe Dividende, sie sollte für 2026 gesichert sein. Die Rendite von 8 Prozent überflügelt diejenige von Swisscom bei weitem. Die Risiken über die nächsten Jahre sind bei Sunrise nicht wegzudiskutieren – aber auch die Kurschancen. Die Deutsche Bank zum Beispiel hat ein Aktien-Kursziel von 65 Franken (aktueller Kurs bei rund 40 Franken).

 

Daniel Hügli
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