UBS und CS kürzen ihre Prognosen für Börsenindizes

Nach der Credit Suisse reduziert auch die UBS ihre Jahresendziele für die europäischen Aktienindizes.
01.07.2016 08:35
Von Lorenz Burkhalter
Brexit-Befürworter feiern in London. Doch der britische FTSE 100 Index wird allerorten heruntergestuft.
Brexit-Befürworter feiern in London. Doch der britische FTSE 100 Index wird allerorten heruntergestuft.
Bild: Bloomberg

Die Hoffnung auf orchestrierte Zentralbankeninterventionen hat den europäischen Aktienmärkten in den letzten Tagen wieder Auftrieb gegeben. In der Folge konnte der viel beachtete Stoxx Europe 600 Index knapp zwei Drittel seines Brexit-bedingten Rückschlags wieder wettmachen. Der britische FTSE 100 Index notiert mittlerweile sogar höher als noch vor dem EU-Referendum. Nur das schwache Pfund erinnert noch an dieses.

Dennoch sehen sich die Anlagestrategen der UBS dazu gezwungen, ihre Prognosen für die europäischen Aktienindizes substanziell nach unten anzupassen. Die grössten Einschnitte muss dabei der britische FTSE 100 Index hinnehmen. Neu sehen die Experten diesen bis Ende Jahr auf 5500 (6500) Punkte fallen, was vom Schlussstand vom Donnerstag aus betrachtet einem Abwärtspotenzial von mehr als 15 Prozent entspricht. Der Grund: Die gestiegenen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten.

Droht Europa ein Börsenrückschlag um 25 Prozent?

Nicht minder harsch fällt die Reduktion des Jahresendziels für den breit gefassten Stoxx Europe 600 Index aus. Mit 340 Punkten liegt die neue Prognose nicht weniger als 15 Prozent unter der bisherigen von 400 Punkten. Die Strategen trauen dem Börsenbarometer bis Ende Jahr aber wenigstens einen Anstieg um gut 5 Prozent zu.

Bislang gingen die für die UBS tätigen Experten davon aus, dass sich die Bewertung der europäischen Aktienmärkte jener der amerikanischen Leitbörse von unten her annähert. Das war denn auch der Grund für die optimistische Annahme eines auf 400 Punkte steigenden Stoxx Europe 600 Index. Nach dem überraschenden Volksentscheid in Grossbritannien rechnen sie vorderhand nicht mehr länger mit einer solchen Bewertungsannäherung.

Credit Suisse schon vor Tagen mit Prognoseanpassungen

Sollten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Gewinnaussichten in Europa weiter eintrüben, halten die Strategen bei diesem Börsenbarometer sogar einen Rückschlag auf 250 Punkte für möglich. Das entspräche aus heutiger Sicht einem Rückschlag um 25 Prozent. Ein schwächerer Euro würde sich wiederum positiv auf die Entwicklung der Unternehmensgewinne auswirken, so heisst es allerdings. Deshalb schätzt man die Wahrscheinlichkeit eines solch düsteren Szenarios als eher gering ein.

Die Berufskollegen der Credit Suisse reagierten schon vor knapp einer Woche auf die politischen Entwicklungen in Europa. Wie im Vorfeld des EU-Referendums angedroht, reduzieren sie das Jahresendziel für den britischen FTSE 100 Index auf 6200 (6600) Punkte, jenes für den EuroStoxx 50 Index sogar auf 2950 (3350) Punkte. Mit anderen Worten: Britische Aktien sehen die Strategen bis Ende Dezember fallen, die Kurse an den anderen europäischen Börsen hingegen steigen.

Dennoch reduzieren die Experten das bisweilen starke Übergewicht bei europäischen Aktien auf ein leichtes Übergewicht. Im Gegenzug kaufen sie amerikanische Aktien zu. Diese werden bei der Credit Suisse neu nur noch leicht untergewichtet.

Die beiden Schweizer Grossbanken sind die ersten, welche ihre Indexprognosen einer grundlegenden Anpassung unterziehen. Vermutlich werden zahlreiche weitere Banken, insbesondere jene aus Übersee, ihre Zielgrössen in den kommenden Wochen ebenfalls mit dem Rotstift überarbeiten.