Seitdem der Krieg im Iran Ende Februar aufgeflammt ist, hat der Swiss Market Index (SMI) mehr als 9 Prozent nachgegeben. Auch die als defensiv geltenden Aktien von Swisscom haben sich in diesem Umfeld nicht gehalten. Sie waren zuvor allerdings auf ein Langzeithoch gestiegen, sodass mehrjährige Swisscom-Investoren durch die Verkäufe Gewinne realisiert haben.
Nicht so bei Nestlé: Wer hier schon seit Jahren investiert ist, hat in den vergangenen rund dreieinhalb Wochen eine weitere Episode in der seit Anfang 2022 anhaltenden Talfahrt der Aktie miterlebt.
Hingegen haben sich einige Titel am breiten Markt in dem für Aktien allgemein schwierigen Marktumfeld behauptet.
Accelleron
Die Aktien des Technologiekonzerns sind ein Beispiel dafür, wie sich Einzelwerte durch eine starke Zahlenvorlege des Unternehmens von einem den Gesamtmarkt erfassenden Abwärtssog lösen können - vorübergehend zumindest. Denn bis zur Bekanntgabe des Jahresergebnisses 2025 standen auch die Valoren von Accelleron unter Druck. Nach dem Bericht zogen sie aber um 20 Prozent an und machen die zuvor erlittenen Verluste mehr als wett.
Der Hersteller von Turboladern hat in puncto Umsatz, Gewinn und Ausblick überzeugt. «Accelleron blickt trotz der geopolitischen Unsicherheiten auf ein weiteres sehr positives Geschäftsjahr zurück, das auf allen ebenen über den Erwartungen liegt», schrieb die Zürcher Kantonalbank (ZKB).
Allerdings wurden die Aktien schon bald wieder von der allgemein trüben Stimmung erfasst. So bleibt momentan ein 5-prozentiges Plus gegenüber dem letzten Freitag im Februar - dem Tag vor dem Wochenende, an dem die Vereinigten Staaten und Israel den Iran angriffen, und woraufhin das Regime in Teheran zurückschlug.
Leonteq
Über Jahre hinweg tief gefallen und dann innert weniger Tage im März 2026 um 45 Prozent angestiegen - so kann man den Aktienkursverlauf des Derivate-Spezialisten stark verdichtet beschreiben. Dass die Kursrally zeitlich mit der Eskalation im Nahen Osten zusammenfällt, ist keine Ironie, sondern hat Gründe.
Raiffeisen hat einen grossen Part der Beteiligung an Leonteq verkauft. Neuer Ankeraktionär wurde das Family Office von Rainer Marc Frey, der schon einen kleineres Paket an dem in Zürich beheimateten Finanzunternehmen besass.
Raiffeisen war seit Längerem nicht mehr besonders aktiv, sodass der Wechsel in der Eigentümerschaft auch auf Analystenseite durchaus positiv aufgenommen wurde: «Wir erwarten zwar keine wesentliche Änderung der aktuellen Strategie, betrachten es jedoch als positives Zeichen, dass der neue Hauptaktionär von Leonteq ein Branchenspezialist ist», hielten die Experten von Octavian fest.
In den darauf folgenden März-Tagen haben sich die Titel mehr oder weniger seitwärts bewegt. Auf dem Niveau von 15 Franken stehen sie rund 4 Franken oder 32 Prozent höher als Ende Februar. Das täuscht allerdings nicht darüber hinweg, dass die Leonteq-Aktie vor vier Jahren gut fünfmal so viel wert war, wie sie momentan ist.
Gurit
Ähnlich wie die Valoren von Leonteq sind die Aktien von Gurit über längere Zeit hinweg gefallen - von über 250 auf unter 12 Franken. Die Trendumkehr setzte schon zum Jahreswechsel 2025/2026 ein, und der Aufstieg wurde durch die gegenwärtigen geopolitischen Spannungen nicht gebrochen. So werden die Aktien des Verbundstoffspezialisten derzeit zu 34,80 Franken gehandelt. Gegenüber Ende 2025 beträgt das Plus 206 Prozent, gegenüber Ende Februar liegt der Zuwachs bei 27 Prozent.
Allem Anschein nach hat Gurit einerseits die Transformation und andererseits den Befreiungsschlag geschafft. Zum einen: Anfang März wurde unter anderem bekannt, dass das Unternehmen mit einem als stark einzuordnenden freien Cash Flow von 12,3 Millionen Franken die Nettoverschuldung zurückgefahren hat.
Zum anderen: «Der weltweite Windmarkt hat sich seit letztem Sommer gefangen. Das Preisdumping durch die chinesischen Konkurrenten hat nachgelassen», sagte Eugen Perger, Analyst von Research Partners im Gespräch mit cash.ch. Die Erholung werde 2026 - «wenn auch auf tiefem Niveau» - anhalten, fügte er hinzu.
Kantonalbanken
Eine Gruppe von Kantonalbanken hat die vergangenen dreieinhalb Börsenwochen gut bis sehr gut überstanden. Neue Allzeit- oder Mehrjahreshochs sahen unter anderem die Anteilsscheine der Graubündner, der Waadtländer und der St. Galler Kantonalbank.
In dem angespannten geopolitischen Umfeld profitieren die Geldinstitute von ihrer Ausrichtung auf den Heimmarkt und von der Staatsgarantie, die nicht alle, aber nach wie vor viele Kantonalbanken haben.
Speziell die Staatsgarantie ist Geld wert, wie eine Studie der Denkfabrik Avenir Suisse aufgezeigt hat. Die Logik ist diese: Die staatliche Rückendeckung senkt das Ausfallrisiko einer Bank, was ein besseres Kredit-Rating zur Folge hat. Dadurch fallen die Kapitalkosten für die Kantonalbanken niedriger aus. Laut Avenir Suisse profitieren die Kantonalbanken von günstigeren Finanzierungskonditionen zwischen 16 und 193 Millionen Franken pro Jahr, wobei sich die 193 Millionen Franken auf die nicht börsenkotierte Zürcher Kantonalbank beziehen.
Einen Anker finden Investoren auch in den Dividendenrenditen, die oft um 2,5 Prozent, bei der St. Galler Kantonalbank bei 3 und bei der Waadtländer Kantonalbank bei 3,6 liegen. Diese Renditen sind alles andere als schlecht, wenn man die markant gestiegenen Aktienkurse bedenkt.
Plazza
Dass sich die Immobiliengesellschaft in den vergangenen Wochen dem Abwärtsdrang der Börse widersetzt hat, liegt primär am soliden Geschäftsergebnis 2025. Es wurde Anfang März vorgestellt und löste am Berichtstag einen Sprung der Aktie um 3,6 Prozent auf 455 Franken aus. Sie stieg danach noch weiter, bevor sie wieder nachgab. Stand heute notiert sie nach wie vor über dem Niveau von Ende Februar.
Der Liegenschaftsertrag und der Gewinn des Jahres 2025 sind gegenüber dem Vorjahr gestiegen, die Analystenerwartungen wurden erfüllt und insbesondere beim Gewinn übertroffen. Die ZKB bezeichnete das Jahresergebnis als «erwartungsgemäss wachstumsstark.»
Herausgehoben haben die ZKB-Experten mitunter «das gut unterhaltene Bestandsportfolio im mittleren Preissegment mit Fokus auf Wohnnutzung in Zürich und der Westschweiz». Es bilde die Basis für solide Cash Flows.
Das Immobilienportfolio von Plazza besteht zum Grossteil aus Wohnliegenschaften. Die Erträge daraus sind berechenbarer und weniger konjunkturabhängig, als die Erträge aus Geschäftsliegenschaften es typischerweise sind. Diese relativ hohe Stabilität verspricht Anlegern auch in Phasen wie der aktuellen Halt.
Bachem
Das Ergebnis 2025 des Peptid-Herstellers, das vor wenigen Tagen präsentiert wurde, war mit unerwartet positiven Zahlen gespickt. Der Umsatz, die Gewinnzahlen und die Margen wuchsen und lagen über den Prognosen der Analysten. Diese goutierten den Jahresabschluss und zogen die Kursziele nach oben.
Die Deutsche Bank beispielsweise ging auf 80 von 75 Franken und bestätigte das Buy-Rating. Die Ergebnisse bestätigten den Wachstumspfad des Unternehmens, schrieb der zuständige Analyst. Bachem sage für 2026 weiterhin Umsätze von über 1 Milliarde Franken voraus und habe auch langfristig gute Wachstumschancen.
Die Investoren kauften zu und hievten den zuvor gefallenen Titel um 13 Prozent auf 62,25 Franken. Inzwischen stehen die Titel sogar noch etwas höher bei 64,50 Franken. An das Hoch von über 150 Franken des Jahres 2021 werden sie auf absehbare Zeit kaum herankommen. Doch auch gegenüber den Tiefständen von deutlich unter 50 Franken besteht ein nicht allzu dünnes Polster.
Aryzta
«Die Nachfolgefragen sind geklärt und die letzte Hybridanleihe wird zurückgezahlt. Damit ist der Weg frei für Dividenden», notierte Arben Hasanaj, Experte der Bank Vontobel, Anfang März zum Backwarenhersteller, der in den vergangenen Jahren an der Börse unten durch gegangen ist.
Im Herbst 2025 trat dann auch CEO Michael Schai zurück. Verwaltungsratspräsident Urs Jordi übernahm interimistisch, soll nun aber permanent die operative Geschäftsleitung verantworten und als Verwaltungsratsmitglied im obersten Aufsichtsgremium des Unternehmens verbleiben.
Dass damit die Wogen auf der obersten Führungsstufe geglättet sein sollten, die der Schais Abgang ausgelöst hatten, stützt auch die Aktie. Aryzta hat Anfang März zudem ein insgesamt gutes Jahresergebnis 2025 präsentiert. Auch die Verschuldung dürfte weiter zurückgehen.
Das Gesamtpaket an News hat die Investoren offensichtlich erleichtert und zum Kauf der Aktie animiert. Sie stieg im März um rund 8 Prozent auf 60 Franken. Vontobel-Analyst Hasanaj traut ihr mittelfristig sogar 75 Franken zu. So viel waren die Titel zuletzt im Sommer 2025 wert.
Bioversys
Eine durchschlagende Börsen-Erfolgsgeschichte ist das Biotechnologieunternehmen Bioversys nicht oder noch nicht. Zum Börsengang im Februar 2025 ging die Aktie bei 36,50 in den Handel und zog vorübergehend auf 37,00 Franken an. Darüber ging es seither nicht mehr - eher im Gegenteil: Die Aktie schwankt seit Monaten zwischen 20 und 26 Franken.
Durch einen 22-prozentigen Kursanstieg im März widersetzten sich die Titel allerdings dem Abwärtstrend des Gesamtmarktes - und hielten sich auf Monatssicht im Plus. Der Kurssprung ging mit einem Bericht einher, der das Kursziel von 70 Franken des zuständigen Stifel-Analysten einem grösseren Publikum bekanntmachte. Jenes Preisziel deutet einen 150-Prozent-Zuwachs der inzwischen auf knapp 28 Franken gestiegenen Aktie an.
Unterdessen arbeitet das Unternehmen weiter an seiner Pipeline. Es vermeldet Fortschritte bei den wichtigsten Wirkstoffen, BV100 und Alpibectir. Beide befinden sich in der Entwicklung. BV100 durchläuft zurzeit die Phase 3 der klinischen Studien, Alpibectir ist in der Phase 2.

