In den vergangenen zwölf Monaten ist der Swiss Performance Index (SPI) um 18 Prozent gestiegen. Dabei hat sich die Schweizer Börse auf einem Rekordniveau eingependelt. Diese Kursavancen wurden von etwas mehr als der Hälfte der Aktien im Index getragen. 

Demgegenüber stehen die Kursverluste der übrigen 85 Aktien. Diese Rückgänge fallen jedoch sehr unterschiedlich aus - von leichten Verlusten bis zu Einbrüchen von 90 Prozent. Einige dieser Aktien könnten nun in der zweiten Jahreshälfte Nachholpotenzial gegenüber dem Gesamtmarkt aufweisen und damit attraktive Einstiegschancen bieten. cash.ch hat deshalb jene Titel genauer analysiert, die in den vergangenen Monaten mindestens 20 Prozent verloren haben.

Sechs Aktien - davon fünf aus dem Gesundheitsbereich - stechen dabei besonders hervor. Bei ihnen erwarten Analystinnen und Analysten in den kommenden drei Jahren ein deutliches Gewinnwachstum. Gleichzeitig haben die Experten ihre Gewinnerwartungen für diese Unternehmen im letzten Halbjahr angehoben. Alle sechs Aktien notieren dennoch tiefer als noch vor sechs Monaten.

Bei vier weiteren Titeln aus dieser Auswahl wird ebenfalls mit einem Gewinnwachstum gerechnet, doch die Experten haben ihre Gewinnerwartungen für dieses Jahr reduziert. Da sie - mit einer Ausnahme - auch höhere Kursverluste während der vergangenen sechs Monate aufweisen, dürften die Risiken weitgehend im Kurs eingepreist sein. Anleger sollten hier insbesondere auf eine Trendwende bei den Gewinnrevisionen achten: Drehen die Schätzungen wieder nach oben, ohne dass der Kurs bereits reagiert, könnte sich ein günstiges Einstiegsfenster eröffnen.

Unternehmen mit Gewinnwachstum und positiven Revisionen

1) Skan

Der Pharmazulieferer Skan verfügt über die überzeugendste Kombination aus Gewinnwachstum und positiven Revisionen auf EPS-Ebene (EPS, «Earnings per Share» respektive «Gewinn pro Aktie»). Bis zum Geschäftsjahr 2029 rechnen Analysten mit einer Verdoppelung des Gewinns pro Aktie. Gleichzeitig haben die Experten die Gewinnschätzungen für dieses Jahr um rund 37 Prozent erhöht. Die Aktie hat darauf jedoch nicht reagiert. Sowohl auf Jahressicht als auch seit Jahresbeginn notiert sie 7 respektive 33 Prozent tiefer.

Alle drei Experten, die den Titel abdecken, empfehlen die Aktie des Isolatortechnologie-Spezialisten aus Allschwil BL zum Kauf. Das Kursziel liegt über 25 Prozent höher. Skan stellt Produkte für die Reinraumtechnik her, die in der Pharma-, Nahrungsmittel- oder Uhrenindustrie sowie in Spitälern und Apotheken Anwendung finden.

2) Medmix

Der Medizinaltechnik-Spezialist Medmix verzeichnet die höchsten Gewinnrevisionen. Der Konzern stellt hochpräzise Verabreichungssysteme für das Gesundheitswesen, den Konsumgütersektor und die Industrie her. Analystinnen und Analysten gehen von einem rund 50 Prozent höheren Gewinn in diesem Jahr aus als noch vor sechs Monaten. 

Über drei Jahre gerechnet dürfte das Gewinnwachstum mit rund 46 Prozent allerdings etwas tiefer ausfallen als bei Skan. Dennoch wird dem Titel erhebliches Kurspotenzial beigemessen: Sowohl UBS als auch der US-Broker Stifel sehen den Kurs innerhalb der nächsten zwölf Monate bei etwa 16 Franken - was einer nahezu Verdoppelung entsprechen würde.

Ob dieses Szenario realistisch ist, bleibt offen. Mit Viktor Vekselberg steht ein bedeutender Ankeraktionär auf den Sanktionslisten der USA, der EU und der Schweiz. Diese Konstellation – kombiniert mit der Einstufung als Nebenwert – könnte institutionelle Investoren weiterhin zurückhalten und eine Neubewertung verzögern.

3) Alcon

Auch Alcon überzeugt mit soliden Wachstumsaussichten: Innerhalb von drei Jahren dürfte der Gewinn um rund 50 Prozent steigen. Für das laufende Jahr wurden die EPS-Schätzungen um 12 Prozent erhöht.

Trotzdem verzeichnet die Aktie über sechs und zwölf Monate Verluste von 18 beziehungsweise 24 Prozent. Der Grossteil davon ist auf einen einzigen Handelstag zurückzuführen: Nach der Veröffentlichung durchzogener Quartalszahlen am 6. Mai brach der Kurs um mehr als 10 Prozent ein. Während jenseits des Atlantiks enttäuschte Analysten zu verzeichnen waren, fielen die Einschätzungen hier differenzierter aus. Insgesamt überwiegt jedoch die Zuversicht: 12 von 15 Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf, das durchschnittliche Kursziel liegt knapp 50 Prozent über dem aktuellen Niveau.

4) Siegfried

Beim Pharmazulieferer Siegfried erwarten Analysten bis 2029 ein Gewinnwachstum von rund 40 Prozent. Die Schätzungen für das laufende Jahr wurden um etwa 8 Prozent angehoben. Gleichwohl hat die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten bis zu einem Drittel an Wert verloren, im Halbjahresvergleich beträgt das Minus rund 10 Prozent.

Hier sind die Kaufempfehlungen zwar ebenfalls in der Überzahl, wenn auch in etwas geringerem Umfang: Sieben empfehlen den Kauf, fünf raten zum Halten. Das zwölfmonatige Kursziel liegt dennoch rund 40 Prozent höher.

5) Sonova

Sonova hat in einem Jahr rund einen Fünftel ihres Werts verloren. Über einen Zeitraum von sechs Monaten liegt die Aktie dagegen nur 7 Prozent im Minus. Dem gegenüber stehen ein erwartetes EPS-Wachstum von 34 Prozent über drei Jahre sowie eine Anhebung der Gewinnschätzungen um 6 Prozent.

Laut dem Wirtschaftswissenschaftler und Demograf Manuel Buchmann gehört der Hörgerätehersteller zu jenen Unternehmen, die deutlich von einer überalternden Gesellschaft profitieren, dank zunehmender Hör-, Seh- oder Zahnprobleme. In einer Studie haben die Forscher die demografisch bedingte Nachfrageverschiebung in den Absatzmärkten verschiedener Schweizer börsenkotierter Unternehmen analysiert. 

6) Lindt & Sprüngli

Schliesslich zählt auch Lindt & Sprüngli zur Gruppe mit Gewinnwachstum und positiven Revisionen. Bis 2029 wird ein Gewinnwachstum von 34 Prozent erwartet, die diesjährigen Gewinnerwartungen wurden um 3 Prozent erhöht.

Dies ist insofern bemerkenswert, als viele Marktbeobachter davon ausgegangen waren, dass weitere Preiserhöhungen schwer durchzusetzen sein würden. Insbesondere die Preisanpassungen rund um das Ostergeschäft kamen bei den Konsumenten nicht gut an. Ob das Wachstum künftig eher margen- oder volumengetrieben sein wird, bleibt daher abzuwarten.

Der stark schwankende Kakaopreis - in diesem Jahr allein zwischen 3000 und 6000 Dollar pro Tonne - könnte weiterhin für Spannung im zugrundeliegenden Geschäft sorgen. In der Summe raten die Analysten daher zum Halten. Das durchschnittliche Kursziel liegt jedoch über 20 Prozent höher.

Unternehmen mit Gewinnwachstum und negativen Revisionen

1) Sika

Die Aktien von Sika standen bis zuletzt stark unter Druck und haben zeitweise 40 Prozent ihres Werts innerhalb eines Jahres verloren. Jüngst gehörten sie jedoch zu den besten Aktien des Swiss Market Index. Unterstützung kam vornehmlich von einer Entspannung der geopolitischen Lage im Nahen Osten.

Bis dato wird mit einem Gewinnwachstum von etwa einem Drittel bis 2029 gerechnet, wobei die Gewinnschätzungen pro Aktie für dieses Jahr um 2 Prozent reduziert wurden. Ob sich die verbesserte geopolitische Lage nachhaltig positiv auf das Geschäft auswirkt, ist angesichts anhaltender Unsicherheiten offen.

2) Partners Group

Die Aktien des Privatmarktspezialisten zählen in diesem Jahr zu den schwächsten Werten am Schweizer Markt. Seit Jahresbeginn haben sie über 30 Prozent an Wert verloren. Grund dafür sind eine Verschärfung der Krise im Privatmarktsektor sowie Einschränkungen bei Auszahlungen aus Fonds.

Trotz der Herausforderungen gehen Analysten weiterhin von einem dreijährigen Gewinnwachstum von etwa 50 Prozent aus. Allerdings sind sie etwas vorsichtiger geworden: Die EPS-Schätzungen für dieses Jahr haben sie um 3 Prozent reduziert.

Die positive Grundhaltung zeigt sich auch in den Ratings und Kurszielen: Sieben von 15 Analysten raten zum Kauf - nur eine vergibt eine Verkaufsempfehlung. Das durchschnittliche Kursziel liegt knapp 40 Prozent über dem aktuellen Kurs.

3) Also

Die Aktien des Schweizer IT-Distributors Also haben im Jahresverlauf bis zu 50 Prozent eingebüsst und liegt aktuell noch rund ein Drittel im Minus. Die sieben Analysten, die den Konzern abdecken, bleiben langfristig jedoch positiv eingestellt: Bis 2029 könnte der Gewinn pro Aktie um fast 70 Prozent steigen.

Kurzfristig lasten - wie in vielen Teilen der Softwarebranche - die Unsicherheiten im Zusammenhang mit KI auf den Erwartungen. Innerhalb von sechs Monaten wurden die Gewinnschätzungen um rund 4 Prozent reduziert - der zweitschlechteste Wert dieser Vergleichsgruppe.

4) BKW

Die stärksten negativen Gewinnrevisionen haben die Aktien von BKW erfahren. Analysten haben die Gewinnschätzungen um ganze 26 Prozent reduziert. Das längerfristige Gewinnpotenzial liegt damit aktuell bei 36 Prozent.

Auslöser für die Anpassungen sowie den um einen Fünftel gesunkenen Aktienkurs dürfte die Meldung über einen massiven und unerwarteten Abschreiber an einem Kohlekraftwerk in Deutschland gewesen sein. Allein am Tag der Ankündigung gaben die BKW-Titel knapp 13 Prozent nach.

Die Korrekturen erscheinen vor diesem Hintergrund nachvollziehbar. Für die längerfristige Entwicklung dürften künftige Ergebnispräsentationen für Klarheit sorgen - denn die Preisvolatilität im deutschen Strommarkt und die Auslastung des Kohlekraftwerks sind keine konstante Grösse. Entsprechend zurückhaltend zeigen sich Analysten derzeit: Zwei empfehlen Halten, je einer Kauf beziehungsweise Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt dennoch rund 20 Prozent über dem aktuellen Kurs.
 

Luca_Niederkofler
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