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Der Schweizer Aktienmarkt kann an die Gewinne der ersten Handelstage des neuen Jahres anknüpfen – wenn auch mit einer gemächlicheren Geschwindigkeit. Stand Freitagmittag steuert der breit gefasste Swiss Performance Index (SPI) auf ein überschaubares Wochenplus von knapp einem halben Prozent zu.
Die UBS trug das ihre dazu bei und liess mit Umstufungen und Kurszielanpassungen gleich bei mehreren Aktien «die Kurse tanzen». Die Valoren von Autoneum etwa wurden am Mittwoch zeitweise um mehr als zehn Prozent tiefer gehandelt, nachdem der für die Grossbank tätige Analyst Patrick Rafaisz sein Anlageurteil von «Buy» auf «Neutral» senkte und das Zwölf-Monats-Kursziel auf 170 (zuvor 195) Franken anpasste. Rafaisz begründet seine vorsichtigere Haltung unter anderem mit der erfreulich starken letztjährigen Kursbilanz sowie mit der eher mässigen Marktstellung des Automobilzulieferunternehmens in Asien.
Auch die Aktien von Börsenüberflieger Swissquote gerieten an diesem Tag unter die Räder. Dass die Analystin Haley Tam ihr Zwölf-Monats-Kursziel auf 465 (zuvor 475) Franken trimmte und ihrer Verkaufsempfehlung damit Nachdruck verlieh, reichte am Mittwoch aus, um bei der Online-Bank eine kleinere Kurslawine loszutreten.
Im Gegenzug sorgte die grösste Schweizer Bank bei Comet und Ems-Chemie für ein geradezu beeindruckendes Kursfeuerwerk. In einer nicht weniger als 37 Seiten starken Unternehmensstudie mit dem passenden Titel «Die Chemie stimmt endlich» stufte der Autor Patrick Rafaisz die Aktien von Ems-Chemie mit einem Zwölf-Monats-Kursziel von 720 (zuvor 670) Franken von «Neutral» auf «Buy» herauf und hauchte ihnen damit neues Leben ein. Um gut acht Prozent nach oben ging es für die Valoren alleine am Mittwoch.
Für die Aktien der Ems-Chemie ging es diese Woche kräftig nach oben (Quelle: www.cash.ch)
Sein Abteilungskollege Sebastian Vogel sorgte hingegen bei den Aktien von Comet mit einer Erhöhung des Zwölf-Monats-Kursziels auf 275 (zuvor 252) Franken für Anschlusskäufe. Letztere überraschen insofern, als dass der Chefanalyst seine letztjährigen sowie seine diesjährigen Gewinnerwartungen für den Halbleiterausrüster aus Flamatt unangetastet lässt.
Die Leichtigkeit, mit welcher die UBS hierzulande die Aktienkurse bewegt, beeindruckt mich immer wieder. Mit der Verschmelzung der eigenen Vermögensverwaltungsaktivitäten mit jenen der Credit Suisse ist die Grossbank zu einer beinahe übermächtigen Marktakteurin aufgestiegen. Als ich die UBS im Mai letzten Jahres – in Anlehnung an den weltgrössten Vermögensverwalter - als «Blackrock der Schweiz» bezeichnete, war ich mir ihrer geballten Marktmacht noch gar nicht so bewusst. Ich habe in meinen mehr als drei Jahrzehnten an der Börse jedenfalls noch nichts auch nur annähernd Vergleichbares gesehen.
Auch ohne Zutun der UBS flott unterwegs waren diese Woche die Aktien der VAT Group. Im Zuge einer erfreulichen Umsatzentwicklung zwischen Anfang September und Ende Dezember und eines noch erfreulicheren Auftragseingangs waren die Valoren des Rheintaler Vakuumventileherstellers rege gefragt. Alleine gestern Donnerstag ging es für sie um 14 Prozent nach oben.
Dieser Kurssprung überrascht mich nicht, übertraf die VAT Group im Schlussquartal vergangenen Jahres mit einem Umsatz von 257 Millionen Franken doch selbst die kühnsten Analystenerwartungen. Noch eindrücklicher ist, dass Aufträge im Gesamtbetrag von 305 Millionen Franken beim Unternehmen eingegangen sind. Trotz starkem Franken sind das knapp 16 Prozent mehr als im selben Quartal des Vorjahres. Ausserdem waren Analysten gerade einmal von einem Auftragseingang in Höhe von 245 Millionen Franken ausgegangen.
Vermutlich stehen die Rheintaler erst ganz am Anfang eines neuen Ausrüstungszyklus. Da die VAT Group gut 60 Prozent mehr an Börsenwert auf die Waage bringt als noch vor wenigen Wochen, erscheint mir bereits einiges eingepreist. Selbst auf Basis der bereits überarbeiteten ersten Analystenschätzungen, werden die Aktien mit etwas mehr als dem Vierzigfachen des für das nächste Jahr zu erwartenden Gewinns bewertet. Das ist schon allerhand.
Anders als beim Vorzeigeunternehmen aus dem Rheintal kamen die Ergebnisse von Richemont, Geberit und Temenos an der Börse nicht ganz so gut an. Obwohl alle drei Firmen im vergangenen Quartal deutlich besser als gedacht abgeschnitten haben, beendeten ihre Aktien den Handelstag trotz vorbörslichen Kursgewinnen teilweise deutlich tiefer. Das wiederum ist dem Umstand geschuldet, dass sich bei allen dreien ein «Haar in der Zahlen-Suppe» finden lässt.
Geberit wurde von der Börse abgewatscht, weil Grosshändler ihre Lager im Dezember kurzerhand noch füllten, um ihre Bonusziele zu erreichen. Folglich gehen besagte Grosshändler mit randvollen Lagern ins neue Jahr, was sich im laufenden Quartal für den Sanitärtechnikspezialisten rächen könnte. Das geht zumindest aus einem Kommentar der französischen BNP Paribas hervor.
Bei Temenos stösst man sich hingegen an der noch immer verhaltenen Umsatzentwicklung im Bereich Software-as-a-Service sowie am enttäuschenden freien Cashflow. Ausserdem schreibt die Bank Julius Bär, dass sich das starke Abschneiden im Unterhaltsgeschäft so vermutlich nicht wiederholen lässt. Der Analyst Cengiz Sen sihet im Genfer Unternehmen übrigens einen heissen Übernahmekandidaten.
Die Valoren von Richemont sind für die Bank of America nicht länger ein Kauf. Die Londoner Analystin Ashley Wallace senkt ihr Anlageurteil von «Buy» auf «Neutral» und hält am bisherigen Kursziel von 190 Franken fest. Wallace warnt vor kurzfristigen Folgen der gestiegenen Edelmetallpreise auf die Bruttogewinnmarge. Sie spricht damit auch anderen Berufskollegen aus der Seele. Auch das verhaltene Weihnachts-Geschäft in China wird dem Luxusgüterhersteller in hiesigen Börsenkreisen negativ ausgelegt.
Mir kommt es so vor, als hätten die Marktakteure geradezu auf eine Entschuldigung gewartet, um die aufgelaufenen Gewinne bei den drei genannten Aktien mitnehmen zu können.
Kommen wir an dieser Stelle auf Sika zu sprechen. Den Aktionärinnen und Aktionären bietet sich auch im neuen Börsenjahr ein bitteres Déjà-Vu: Mit einem Minus von etwas mehr als acht Prozent finden sich die Valoren des Bauchemieherstellers aus dem steuergünstigen Baar nach nur wenigen Handelstagen bereits wieder am SMI-Tabellenende wieder.
Zwar schrammte das einstige Vorzeigeunternehmen im vergangenen Jahr mit einem Umsatz von 11,2 Milliarden Franken und einem leicht rückläufigen organischen Wachstum von 0,4 Prozent nur um Haaresbreite an den Markterwartungen vorbei. Allerdings buchstabierte man bei den Gewinnvorgaben zurück und geht neuerdings noch von einer operativen Gewinnmarge (EBITDA) von mehr als 19 Prozent (zuvor 19,5 bis 19,8 Prozent) aus. Lange Rede, kurzer Sinn: Obwohl viele Analysten ihre Schätzungen bereits vor der Umsatzveröffentlichung mit dem Rotstift überarbeitet hatten, müssen sie diese gleich noch einmal unter negativen Vorzeichen überarbeiten.
Schon seit Jahren zeigt die Aktienkursentwicklung bei Sika nach unten (Quelle: www.cash.ch)
Dass die Flaute in China im vierten Quartal für dicke Bremsspuren sorgte, ist aus Unternehmenssicht besonders bitter, stellt sie die milliardenschwere Übernahme der französischen Parex doch in kein allzu gutes Licht. Und auch von der Euphorie rund um den Kauf des einstigen Bauchemiegeschäfts des deutschen Chemiegiganten BASF ist nicht mehr viel geblieben. Stummer Zeuge bleibt der Goodwill hierfür in der Bilanz Sikas.
Sowohl Vontobel-Analyst Alexander Koller als auch sein Berufskollege Hans Peter Schmidlin von der Basler Kantonalbank betonen, dass die Aktien des Bauchemieherstellers mittlerweile einen Bewertungsabschlag von mehr als 30 Prozent gegenüber dem Durchschnittswert der letzten zehn Jahre aufweisen. Schmidlin preist die Valoren deshalb mit «Übergewichten» und einem Kursziel von 200 (zuvor 220) Franken ein und auch Koller hält an seinem «Buy» lautenden Anlageurteil fest – wenn er sein Kursziel von 220 Franken noch nicht überarbeitet hat. Wenig überraschend halten beide Analysten den Rückschlag vom Dienstag für übertrieben.
Wenn der Bewertungsabschlag gegenüber dem Durchschnittswert der letzten zehn Jahre als Kaufargument angeführt wird, dann sei an dieser Stelle erwähnt, dass die wachstumsstarken Jahre an der Börse linear in die Zukunft extrapoliert wurden. Irgendwann konnte Sika diesen Erwartungen schlichtweg nicht mehr gerecht werden und strauchelte so letztendlich über den eigenen Erfolg.
Wichtige Anhaltspunkte darauf, ob die Aktienkursentwicklung die Talsohle denn auch wirklich erreicht hat, erhoffe ich mir vom 20. Februar. An diesem Tag wartet das Unternehmen sowohl mit dem detaillierten Zahlenkranz fürs vergangene als auch mit dem Ausblick fürs neue Geschäftsjahr auf.
Was Vontobel-Analyst Matteo Lindauer da schreibt, will vermutlich kein börsenkotiertes Unternehmen so über sich lesen: In einem Kurzkommentar zu Barry Callebaut legt er dar, weshalb die Aktien des Schokoladenherstellers für ihn kein Kauf sind.
Nachdem Spekulationen, wonach das Unternehmen privatisiert werden oder das Kakaogeschäft ausgegliedert werden könnte den Aktienkurs seit dem vergangenen Mai um nicht weniger als 80 Prozent haben steigen lassen, erachtet der Analyst die Papiere als höchst schwankungsanfällig. Folglich seien diese eher für den Handel als für eine langfristige Anlage geeignet, schreibt er weiter. Sprich: Er sieht Barry Callebaut zu einem Spielball für Spekulanten verkommen und bleibt deshalb mit «Hold» und einem Kursziel von 1150 Franken weit unter den zuletzt bezahlten Kursen.
Mit einem Stimmenanteil von etwas mehr als 30 Prozent gibt es beim Schokoladehersteller kein Vorbeikommen an der Familie Jacobs. Und auch Artisan Partners hätte durchaus ein Wörtchen mitzureden, hält der Finanzinvestor doch ein Zehn-Prozent-Paket.
Nach der deutlichen Kurserholung in den vergangenen 12 bis 18 Monaten dürften die Privatisierungspläne – sollte es solche denn überhaupt gegeben haben – wieder in der Pultschublade des Ankeraktionärs verschwunden sein. Eine Ausgliederung des Kakaogeschäfts liegt zwar weiterhin im Rahmen des Möglichen, erscheint zu aktuellen Kursen allerdings weitestgehend eingepreist.
Mit Blick auf die kommende Woche gilt mein persönliches Interesse insbesondere den Umsatzzahlen von DocMorris. Wie die Versandapotheke im Schlussquartal abgeschnitten hat und wie ihre Aktien darauf reagieren wissen wir spätestens am nächsten Freitag, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.
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