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In den letzten Tagen gehörte die Bühne am Schweizer Aktienmarkt ganz den Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe und ihren Zahlenkränzen für die erste Jahreshälfte. Für Überraschungen war gesorgt – genauso wie für teils prozentual zweistellige Kursverwerfungen. Und so überrascht es mich nicht, dass nicht eben wenige dieser Aktien auch auf der Liste der Wochengewinner oder -verlierer zu finden sind. Ich denke da etwa an Aryzta (-13 Prozent), Komax (+36 Prozent) oder Swissquote (-12 Prozent).
Eine kalte Dusche gab es diese Woche auch für die Aktionärinnen und Aktionäre von Tecan. Dem Laborausrüster aus Männedorf war es mit Blick auf die erste Jahreshälfte zwar möglich, die Analystenerwartungen zu erfüllen. Mit einem operativen Gewinn (EBITDA) in Höhe von 64,5 Millionen Franken bei einem Umsatz von 427,5 Millionen Franken blieben – anders als auch schon – unliebsame Überraschungen aus. Dennoch reagierte die Börse unterkühlt auf den Zahlenkranz und strafte die Aktien am Dienstag mit Kursverlusten von mehr als zehn Prozent ab.
Die wohl naheliegendste Erklärung für diese Kursverluste ist der geradezu beeindruckende Lauf, welchen die Aktien von Tecan in die Zahlen hinein hatten. Mit etwas mehr als 200 Franken gingen die Valoren des Laborausrüsters am Vorabend der Ergebnisveröffentlichung auf dem höchsten Stand seit Februar 2025 aus dem Handel.
Es setzt sich zusehends die Erkenntnis durch, dass das Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte sowohl beim Umsatz als auch bei der operativen Gewinnmarge (EBITDA) eine gehörige Schippe drauflegen muss, will es die diesjährigen Finanzziele denn erfüllen.
Für die Aktien von Tecan gab es zuletzt einen Kursrücksetzer (Quelle: www.cash.ch)
Zumindest der für die Basler Kantonalbank tätige Analyst Elmar Sieber findet versöhnliche Worte. Er hebt einerseits die gute Auftragslage und andererseits den steigenden Anteil wiederkehrender Erträge hervor. Auch was die Erreichbarkeit der diesjährigen Finanzziele anbetrifft, bleibt Sieber dank dem Restrukturierungsprogramm «Rewired» zuversichtlich. Mit einem Kursziel von 220 (zuvor 170) Franken zieht der Analyst sogar mit seinem Berufskollegen bei der Berenberg Bank gleich. Am «Übergewichten» lautenden Anlageurteil hält er indes fest.
Thomas Schmidheiny und seine Mitinvestoren dürften für die unterkühlte Börsenreaktion bloss ein müdes Lächeln übrighaben. Mitte März hatten sie sich über ihr Investment-Vehikel SEO mit gut drei Prozent beim Laborausrüster eingenistet und ihr Paket – nach dem üblichen «Drehbuch» – in den darauffolgenden Wochen auf mehr als fünf Prozent ausgebaut. Sowohl zum Zeitpunkt des Einstiegs als auch rund um die Beteiligungserhöhung herum wurden die Aktien von Tecan zu Kursen unter 130 Franken gehandelt. Da fällt der jüngste Rücksetzer nicht sonderlich ins Gewicht, zumal die Grossaktionäre Mitte April ja auch noch eine Dividende in Höhe von 3 Franken je Aktie einheimsen konnten...
Für Gesprächsstoff sorgt in hiesigen Börsenkreisen eine Offenlegungsmeldung an die SIX Swiss Exchange. Wie aus dieser Meldung hervorgeht, hat LLB Swiss Investment am Dienstag bei Aryzta in die zahlenbedingte Kursschwäche hinein wacker Aktien zugekauft. Erstmals seit Ende Juni hält der Fondsanbieter wieder mehr als drei Prozent am Backwarenhersteller.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass sich LLB Swiss Investment als eine Plattform für Private-Label-Fondslösungen versteht. Sprich: Es dürften einzelne Kunden auf dieser Plattform sein, welche bei Aryzta in den letzten Tagen mutig «ins fallende Messer» gegriffen haben.
Eine weitere Herunterstufung hatten diese Woche die Valoren der Partners Group zu verkraften. Der Juni war erst wenige Tage alt, als der für die Deutsche Bank tätige Analyst Sharath Kumar den dicken Rotstift ansetzte und sein Kursziel auf 930 (zuvor 1100) Franken zusammenstrich, die Kaufempfehlung bei dieser Gelegenheit jedoch bestätigte. Auch als er sein Kursziel Mitte Juli erneut unter negativen Vorzeichen überdachte und dieses auf 840 (zuvor 930) Franken senkte, hielt er an seiner Kaufempfehlung fest.
Doch nun verlässt ihn doch noch der Mut. In einem mir zugespielten Kommentar stuft er die Aktien des Risikokapitalspezialisten aus Baar von «Buy» auf «Hold» herunter. Das Kursziel gibt er neuerdings noch mit 785 (zuvor 840) Franken an.
Die Aktien der Partners Group notieren noch immer weit unter dem Stand der ersten Januar-Tage (Quelle: www.cash.ch)
Der Analyst räumt zwar ein, dass die Kundennachfrage robust bleibt, das Geschäftsmodell durchaus seine Qualitäten hat und die Ausschüttungspolitik mit einer Dividendenrendite von momentan sechs bis sieben Prozent nachhaltig sein dürfte. Er geht jedoch davon aus, dass sich das Geschäft mit dem Flaggschifffonds «Master Fund» und ähnlichen Anlagegefässen langsamer als gedacht normalisieren wird und die Partners Group in Sachen Gewinnwachstum hinter der europäischen Konkurrenz zurückbleiben wird.
Auch wenn die Kampagne des Leerverkäufers Grizzly Research im mir vorliegenden Kommentar mit keinem Wort erwähnt wird, trifft die Amerikaner massgeblich eine Mitschuld an den Problemen der Baarer.
Ich hielt Ende April wie folgt fest:
...und weiter...
Wichtige Erkenntnisse in Sachen Tagesgeschäft verspreche ich mir vom detaillierten Halbjahresergebnis. Dieses steht am Morgen des 1. Septembers zur Veröffentlichung an.
In den letzten Tagen stolperte ich gleich über mehrere Kaufempfehlungen mit geradezu abenteuerlich hohen Kurszielen. Ich denke da etwa an jene des für die Berenberg Bank tätigen Analysten Patrick Laager für die Aktien der R&S Group. Wie ich kürzlich bereits berichtete, hält der frühere Credit-Suisse-Analyst trotz kurzfristiger Herausforderungen eisern an seinem Kursziel von 35 Franken für den Trafohersteller fest. Das wiederum läge um nahezu 80 Prozent über den zuletzt bezahlten Kursen.
Dem steht die Kaufempfehlung von Stifel-Analyst Christian Glennie für die Aktien von Santhera in Nichts nach. In einem mir zugespielten Kommentar verleiht Glennie dem 25 Franken lautenden Kursziel einmal mehr Nachdruck und verweist auf ermutigende Aussagen des japanischen Partnerunternehmens Nxera für den dortigen Absatz mit dem Medikament Agamree.
Den Beweis, dass es in Sachen Kursziel noch extremer geht, tritt der ebenfalls für Stifel tätige Pharmaanalyst Clemence Thiers an. Nach seiner Rückkehr von einer Investorenkonferenz im amerikanischen Newport und einem Treffen mit BioVersys-Chef Marc Gitzinger und Finanzchef Hernan Lewett fühlt er sich in seiner Kaufempfehlung bestätigt. Mit 70 Franken liegt das Kursziel weit über den zuletzt bezahlten 26 Franken.
Die Kaufempfehlung für die Valoren von BioVersys geht auf März 2025 zurück, als noch Kurse von knapp 35 Franken bezahlt wurden. Ich hielt damals wie folgt fest:
...und weiter...
Auch die jetzige Charme-Offensive scheint dem Mauerblümchen BioVersys nicht wie erhofft neues Leben einzuhauchen. Viel bräuchte es im Wissen um den engen Markt eigentlich nicht, wechselten in den vergangenen zehn Tagen durchschnittlich doch weniger als 1200 Titel im Gegenwert von keinen 30'000 Franken die Hand...
Da ich mich am nächsten Mittwoch für zwei Wochen in die Ferien verabschiede, erscheinen in der Zeit vom 19. August bis und mit dem 2. September keine Kolumnen und kein Insider Briefing. Ich wünsche meinen geschätzten Leserinnen und Lesern schon jetzt eine gute Zeit und steigende Kurse.
Herzlichst, der cash Insider
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