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Die Nebenwertespezialisten der Berenberg Bank haben eine Liste von Schweizer Aktien zusammengestellt, bei welchen sie über die kommenden Monate mit deutlichen Kursgewinnen rechnen.
Diese Liste setzt sich aus den Valoren des Pharmazulieferers Bachem («Buy» mit einem Kursziel von 86 Franken), des Milchverarbeiters Emmi («Buy» mit einem Kursziel von 900 Franken), des Lausanner Unterhaltungselektronikanbieters Logitech («Buy» mit einem Kursziel von 110 Franken), des Transformatorenherstellers R&S Group («Buy» mit einem Kursziel von 35 Franken) sowie jenen des Laborausrüsters Tecan («Buy» mit einem Kursziel von 205 Franken) zusammen.
Logitech wiederum erachten sie als gut positioniert, um von einer Erholung der Konsumausgaben im Technologiesektor und einer Verbesserung der operativen Hebelwirkung zu profitieren. Bei der R&S Group sehen die Analysten dank der elektrifizierungsgetriebenen Nachfrage und der im Vergleich zu Wettbewerbern sehr attraktiven Bewertung Raum für deutlich höhere Kurse.
Der Aktienkurs der R&S Group zog zuletzt zahlenbedingt kräftig an (Quelle: www.cash.ch)
Am jeweiligen Kursziel gemessen weisen die R&S-Aktien mit gut 80 Prozent rein rechnerisch das üppigste Kurspotenzial auf. Immerhin noch um die 60 Prozent höher sieht man bei der Berenberg Bank die Valoren von Logitech und Tecan – wobei Kursziele ja bekanntlich immer mit Vorsicht zu geniessen sind. Was den Laborausrüster anbetrifft, so wartete am gestrigen Dienstag mit der deutschen Sartorius ein direkter Branchennachbar mit einem eher enttäuschenden Ausblick auf. Dieser hinterliess auch bei Tecan Spuren in der Kursentwicklung.
Im 53 Seiten starken Strategiepapier treffe ich übrigens auf den Namen eines «alten Bekannten», nämlich auf jenen von Patrick Laager. Bei seiner früheren Arbeitgeberin Credit Suisse hatte der Chefanalyst über lange Jahre hinweg immer wieder vor Investments in die Aktien des Solarunternehmens Meyer Burger gewarnt. Rückblickend lag er damit – als einer der ganz wenigen seines Berufsstandes - goldrichtig.
An dieser Stelle bleibt mir nichts weiter übrig, als ihm und seinen Abteilungskollegen viel Erfolg mit ihren Schweizer Nebenwertefavoriten zu wünschen. Neugierig wie ich bin, werde ich die Kursentwicklung der fünf genannten Aktien künftig im Auge behalten.
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Als ABB am letzten Donnerstag über die Geschäftsentwicklung im Schlussquartal berichtete, richtete das schweizerisch-schwedische Industrie-Urgestein gleich mit der grossen Kelle an: Mit einem Umsatz von gut 9 Milliarden Dollar und einem operativen Gewinn (EBITA) von 1,6 Milliarden Dollar übertraf das Ergebnis selbst die kühnsten Analystenschätzungen.
Mein persönlicher Lichtblick war an diesem Tag jedoch der Auftragseingang. Mit 10,3 Milliarden Dollar lag dieser um nicht weniger als 36 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum und damit weit über den durchschnittlich von Analysten erwarteten 8,5 Milliarden Dollar.
In einem mir zugespielten Kommentar trägt nun auch Analyst Gale de-Bray von der Deutschen Bank der überzeugenden Geschäftsentwicklung im zurückliegenden vierten Quartal Rechnung. Zähneknirschend erhöht er das Kursziel – wenn auch widerwillig – auf 58 (zuvor 54) Franken. An seiner Verkaufsempfehlung hält der Analyst indes fest.
Die Aktien von ABB steigen und steigen (Quelle: www.cash.ch)
Zur Erinnerung: Es war im Juni 2024, als de-Bray die Aktien von ABB in Erwartung von Gewinnenttäuschungen von «Hold» auf «Sell» herunterstufte. Seither ruderte er bei seinem Kursziel nach und nach zurück. Im April 2024 lautete dieses noch 41 Franken, Ende Juni desselben Jahres 42 Franken, Mitte September jedoch 45 Franken und gut vier Wochen später dann 47 Franken und kurze Zeit später 49 Franken.
Bei sämtlichen dieser Gelegenheiten blieb das «Sell» lautende Anlageurteil unangetastet. Doch der Aktienkurs beim schweizerisch-schwedischen Industrie-Urgestein stieg und stieg. Folglich muss sich der Deutsche-Bank-Analyst den Vorwurf gefallen lassen, dass es sich bei der Abfolge von Kurszielerhöhungen um eine «Kapitulation in Raten» handelt.
Der neuste Kommentar reiht sich nahtlos in diese Abfolge ein. Neben der mittlerweile luftig hohen Bewertung begründet der Autor sein Festhalten an der Verkaufsempfehlung übrigens auch damit, dass ABB vor einer Grossübernahme stehen könnte und er nicht sicher sei, ob mit einer solchen denn nun Aktionärswerte geschaffen oder vernichtet würden. Dem Unternehmen stünden hierfür bis zu 20 Milliarden Dollar zur Verfügung, wie er schreibt.
Mit dieser bewussten Aussage schiebt der Analyst das Gerüchte-Karussell an, war doch erst im vergangenen Oktober hinter vorgehaltener Hand von einem möglichen Interesse an der französischen Legrand die Rede. Ob die Rivalin mit einem Börsenwert von umgerechnet 42 Milliarden Dollar tatsächlich ins Beuteschema passt, bleibe mal so dahingestellt.
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