Der cash Insider berichtet auch im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf X/Twitter aktiv.
+++
Auch bei uns am Schweizer Aktienmarkt stand das Geschehen in den letzten Wochen ganz im Zeichen des Zinsentscheids der amerikanischen Notenbank. Diese erhöhte die Leitzinsen erwartungsgemäss um 25 Basispunkte und signalisierte gleichzeitig einen weiteren Zinsschritt noch vor Ende Jahr.
Nach dem geldpolitischen Entscheid ist – zumindest aus Schweizer Sicht – bekanntlich vor dem geldpolitischen Entscheid. Anders als in Übersee ist eine Erhöhung der Leitzinsen durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) keineswegs in Stein gemeisselt.
Umso mehr überraschen mich die klaren Worte der Währungsstrategen der UBS Investmentbank. In einem mir aus London zugespielten Kommentar raten sie mit Blick auf das vierte Quartal unverblümt zu einem Leerverkauf von Euros gegen Franken.
Wie die Strategen schreiben, hat der Franken den japanischen Yen als die bevorzugte Finanzierungswährung für sogenannte «Carry Trades» abgelöst. Unter Berücksichtigung der dadurch hohen Wetten gegen den Franken, der üblichen saisonalen Gegebenheiten für die Zeit bis Ende Jahr und der künftig womöglich restriktiveren Geldpolitik der SNB sehen sie wieder Raum für einen stärkeren Franken. Von daher erscheint ihr Ziel für den Euro-Franken-Kurs von 0,9150 bis Ende Dezember durchaus stimmig.
Der Euro konnte zuletzt gegenüber dem Franken Boden gutmachen (Quelle: www.cash.ch)
Etwas widersprüchlicher kommen da die Aussagen aus dem Chief Investment Office des UBS Global Wealth Management daher. Die dort angesiedelten Währungsstrategen rechnen kommende Woche mit einem zinsseitigen Nullentscheid durch die SNB. Darauf abgestützt halten sie ein kurzfristiges Überschiessen beim Euro auf 0,96 Franken für denkbar. Mit 0,94 liegt ihr Jahresendziel für das Währungspaar denn auch über jenem der Investmentbank.
Etwas mehr «unité de doctrine» bekäme der grössten Schweizer Bank bei ihren Franken-Prognosen da wohl nicht schlecht. Interessant erscheint mir übrigens, dass man in den Büroräumen des Global Wealth Management auf eine rechnerische Kaufkraftparität zwischen dem Euro und dem Franken von 0,92 kommt. Tendenz seit Jahren rückläufig.
Kommen wir nun aber auf das hiesige Börsengeschehen zu sprechen. Eine Überraschung der unfeinen Art erwartete diese Woche die Publikumsaktionärinnen und -aktionäre der Swiss Marketplace Group. In einer Medienmitteilung liess die Scout24-Mutter am frühen Dienstagmorgen die Öffentlichkeit wissen, dass die Mobiliar ihr Paket von 19,3 auf 11,8 Prozent reduzieren werde. Wie sich der Mitteilung ausserdem entnehmen liess, wolle mit der TX Group eine weitere Grossaktionärin ihre Beteiligung weiter ausbauen. Und auch das Unternehmen selbst werde einen Teil der zum Verkauf kommenden Aktien auf eigene Rechnung übernehmen.
Noch vor Börseneröffnung hiess es dann, die von der Mobiliar beauftragten Banken – namentlich die UBS und Goldman Sachs – hätten die Aktien erfolgreich zu 28,50 Franken je Stück platziert.
Dass die anfänglichen Verluste im Tagesverlauf rasch eingegrenzt werden konnten, dürfte nicht zuletzt den wohlwollenden Analystenkommentaren geschuldet gewesen sein. So hielt der für die Zürcher Kantonalbank tätige Daniel Bürki etwa fest, dass der tiefe Free Float schon im Vorfeld des Börsengangs vom September 2025 bemängelt worden und die jetzige Platzierung zusätzlicher Aktien im Publikum deshalb positiv zu werten sei. Er selber preist die Aktien seit dem 19. November mit «Übergewichten» zum Kauf an, als ebenfalls Kurse in Höhe von etwas mehr als 30 Franken bezahlt wurden. Ganz uneigennützig sind diese Aussagen folglich nicht.
Auch sein Berufskollege Clément Genelot bei Stifel spielt die Aktienplatzierung herunter. Er habe dieses Risiko explizit thematisiert, als er kürzlich die Erstabdeckung der Valoren mit «Buy» und einem Kursziel von 48 Franken aufgenommen habe, hält er in seiner Stellungnahme fest. Dank des Stillhalteabkommens zwischen den Grossaktionären bis September 2027 und der anhaltend starken Ertragsentwicklung, glaubt er, dass die Platzierung gut absorbiert wird.
Interessant erscheint mir, dass mit der UBS und Goldman Sachs auch diesmal zumindest zwei der drei Hauptverantwortlichen des seinerzeitigen Börsengangs involviert waren. Nicht nur mit Blick auf den damaligen Ausgabepreis von 46 Franken je Aktie bleibt die Publikumsöffnung der Swiss Marketplace Group den Erwartungen vieles schuldig. Rückblickend müssen sich sämtliche darin involvierte Parteien unangenehme Fragen gefallen lassen – auch das Unternehmen selber.
Der Kurszerfall bei der Partners Group setzt sich ungebremst fort. Gestern Donnerstag kosteten die Aktien zeitweise keine 613 Franken mehr. Mit einem Minus von 37 Prozent seit Jahresbeginn hält der Risikokapitalspezialist aus Baar bei den Grossunternehmen aus dem Swiss Market Index (SMI) weiterhin die Schlusslaterne.
Selbst das Bekanntwerden zweier weiterer Titelkäufe aus der Chef-Etage im Gesamtbetrag von 17 Millionen Franken wusste die Talfahrt nicht zu bremsen. Das wiederum mag dem Umstand geschuldet sein, dass es sich bei genauerem Hinschauen bloss um so etwas wie Absichtserklärungen handelt. Beide Käufer wollen zwischen dem 15. September dieses Jahres und dem 30. März nächsten Jahres Aktien im Umfang von je bis zu 8,5 Millionen Franken erwerben – wobei man die Umsetzung von der Kursentwicklung abhängig macht. Die Absichtserklärung lässt übrigens das Ausnutzen von Kursschwankungen zu – was auch immer damit gemeint sei.
Die Aktien der Partners Group schreiben seit Wochen fast täglich neue (Mehr-)Jahrestiefstkurse (Quelle: www.cash.ch)
Neugierig, wie ich bin, habe ich mich kurz schlau gemacht: Die Valoren anderer Risikokapitalspezialisten schneiden seit Januar um einiges besser als jene der Partners Group ab. So hat der amerikanische Rivale Kohlberg Kravis Roberts, kurz KKR, seit Jahresbeginn «bloss» 24 Prozent seines Börsenwerts eingebüsst und die schwedische EQT sogar nur 15 Prozent. Lange Rede, kurzer Sinn: Neben dem schwierigen Branchenumfeld fordern bei den Baarern auch firmenspezifische Gegebenheiten ihren Tribut. Ich denke da etwa an die Kampagne des amerikanischen Leerverkäufers Grizzly Research gegen das Unternehmen.
Bei den Aktien der Partners Group scheint mir folglich viel Geduld gefragt. Zumindest wird einem das Warten aus Anlegersicht mittlerweile mit einer jährlichen Dividendenrendite von mehr als sieben Prozent «versüsst» – sollte die Ausschüttungspolitik denn auch wirklich in Stein gemeisselt sein.
Nachdem Finanzchef Baris Oran kürzlich nach weniger als fünf Monaten gehen musste, kommt es bei der ehemaligen Holcim-Tochter nun zu einer weiteren, nicht weniger aufsehenerregenden Veränderung. Mario Gross übernimmt von Jake Gosa die Leitung des aufstrebenden Geschäftsbereichs Building Envelope. Dieser Geschäftszweig steuerte zuletzt knapp einen Drittel zum Gruppenumsatz bei – Tendenz steigend.
Diese beiden Personalrochaden lassen mehrere Rückschlüsse zu. Ist der Wechsel an der Spitze des Geschäftsbereichs Building Envelope etwa ein Hinweis darauf, dass den Aktionärinnen und Aktionären mit Blick auf die Ergebnisveröffentlichung für das dritte Quartal eine weitere Enttäuschung ins Haus steht? Oder bringt Firmenchef Jan Jenisch ganz einfach nur den Laden auf Vordermann, um den Erwartungen künftig endlich gerecht werden zu können?
Auch in die Ernennung von Sam Poletti zum Finanzchef lässt sich einiges hineininterpretieren. Als «Holcim-Veteran» war Poletti zuvor Hauptverantwortlicher für Firmenübernahmen und gilt als einer der Architekten der Abspaltung des Nordamerika-Geschäfts. Deutet dieser Wechsel künftig eine aktivere Akquisitionsstrategie an? Angesichts des schwierigen Branchenumfelds in Nordamerika liessen sich momentan womöglich attraktive Zukäufe tätigen.
Den grösstmöglichen Nutzen entfalten ergänzende Firmenübernahmen bekanntlich dann, wenn man sie vom Preis her nicht überzahlt. Zugegeben: Das ist für mich als Aussenstehender natürlich einfacher gesagt als getan. Beim Aktienrückkaufprogramm gelingt dies Amrize allerdings nicht schlecht. Die hartnäckige Kursschwäche der letzten Wochen hat also auch etwas Gutes.
Dass die für Jefferies tätige Analystin Glynis Johnson bei ihren Schätzungen für den Baumaterialhersteller den dicken Rotstift ansetzt und das Kursziel auf 30,60 (zuvor 41,40) Franken zusammenstreicht, wirft in hiesigen Börsenkreisen hohe Wellen. Die Aktien stuft sie indes auch weiterhin mit «Hold» ein.
Mit 30,60 Franken liegt das überarbeitete Kursziel der Jefferies-Analystin neuerdings sogar unter den 32 Franken ihres Berufskollegen bei der Bank of America. Dieser hatte die Aktien von Amrize erst kürzlich von «Neutral» auf «Underperform» heruntergestuft. Vermutlich fühlen sich für Firmenchef Jan Jenisch beide dieser Analystenkommentare wie Tritte gegen das Schienbein an...
Mal schauen, ob nächste Woche weitere einschneidende Schätzungs- und Kurszielreduktionen für das «Sorgenkind» Amrize eintreffen. Falls ja, dann mehr zum Thema am kommenden Freitag, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.
| Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar. |
