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Börsenwoche im Schnelldurchlauf

Grossbank geht bei Techaktien nur wenige Stunden vor dem Kursdebakel auf «Kaufen»

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Diese Woche: Freude über SMI-Rekord hält nur kurz, ein Meisterstreich des Lonza-Chefs, auffällige Umsätze vor dem Meier-Tobler-Angebot, dicke Überraschung bei Rieter - Und: Medacta-Warnung wirft Fragen auf.

06.11.2026   11:55
Von cash Insider
Der Bärenmarkt von 2022 pausiert, ein Vorstoss zu neuen Rekorden unwahrscheinlich.

Der Bärenmarkt von 2022 pausiert, ein Vorstoss zu neuen Rekorden unwahrscheinlich.

Quelle: IMAGO/Zoonar

Der cash Insider berichtet auch im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf X/Twitter aktiv.

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Der Schweizer Aktienmarkt konnte in den letzten Tagen nahtlos an die jüngsten Rekorde anknüpfen. Und obwohl die beiden Schwergewichte Roche und Novartis dem Swiss Market Index (SMI) nach den prozentual zweistelligen Kursgewinnen vom Oktober keine grosse Hilfe mehr waren und diese erst einmal «verdauen» mussten, stiess das viel beachtete Börsenbarometer erstmals in seiner Geschichte auf über 15'000 Punkte vor.

Allerdings sollte die Freude hierüber bloss von kurzer Dauer sein. Nach dem Rücksetzer der Leitbörse in New York muss heute Freitag auch der SMI Federn lassen. Mit Blick auf die schmerzhaften Kursverluste in Übersee kommen wir in der Schweiz mit nur einem «blauen Auge» davon.

Etwas unglücklich stehen die Strategen der Deutschen Bank da. Sie hatten den Technologiesektor am Donnerstagnachmittag von «Neutral» auf «Overweight» heraufgestuft und dabei insbesondere die Aktien von Hardwareherstellern zum Kauf angepriesen. Beinahe zeitgleich gerieten die Kurse dann von New York aus ins Rutschen.

An dieser Stelle sei gesagt, dass diesbezüglich das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Gerade im Wissen, dass dieses Titelsegment in den vergangenen Wochen bereits eine schmerzhafte Bewertungskorrektur durchlebt hat, könnte die Kursentwicklung die Talsohle durchaus bald erreicht haben. Sprich: Was nicht ist, kann immer noch werden.

Wenden wir uns nun aber wieder dem hiesigen Börsengeschehen zu. Gefragt waren diese Woche insbesondere die diesjährigen SMI-Schlusslichter. Ich denke da etwa an die Valoren der Partners Group, Amrize und Holcim – dem überraschend starken Abschneiden der Demokraten anlässlich der Zwischenwahlen sei Dank. Die neuen Machtverhältnisse in Washington würden abrupte wirtschaftspolitische Kurswechsel erschweren, heisst es.

Im obersten Drittel auf der Liste der SMI-Wochengewinner ist auch Lonza anzutreffen. Als ich im Anschluss an den Investorentag im kalifornischen Vacaville die Vermutung äusserte, dass Firmenchef Wolfgang Wienand schon bald mit Ergänzungskäufen nach altbewährtem Strickmuster nachlegen werde, war mir nicht bewusst, wie richtig ich mit dieser Vermutung liegen sollte.

Seit dem frühen Dienstagmorgen ist bekannt, dass der Pharmazulieferer gleich fünf Produktionsstandorte der deutschen Merck erwirbt. Was den Kaufpreis anbetrifft, wollen sich die Basler nicht so recht in die Karten blicken lassen. Während in der Medienmitteilung von einem «niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionenbetrag» die Rede ist, lassen Aussagen des Firmenchefs anlässlich einer Analystenkonferenz auf einen Kaufpreis in der Region von 350 bis 400 Millionen Franken schliessen.

Aktienkursentwicklung bei Lonza seit Januar (Quelle: www.cash.ch)

Da in Analystenkreisen seit Dienstag bereits viel zu diesem Thema geschrieben wurde, hier nur die wichtigsten Erkenntnisse: Die Transaktion erscheint günstig, dürften die fünf Merck-Werke momentan doch nicht vollständig ausgelastet sein. Dadurch besteht bei der Rentabilität aus Sicht von Lonza durchaus Luft nach oben. Lange Rede, kurzer Sinn: Der Kaufpreis erscheint attraktiv, lässt sich finanziell problemlos stemmen und stellt das geplante Aktienrückkaufprogramm im Umfang von 500 Millionen Franken in keinster Weise in Frage.

Es sind genau Transaktionen wie diese, welche ich mir von Firmenchef Wolfgang Wienand erhofft hatte. Denn schliesslich hatte sich Wienand schon bei seinem vorherigen Arbeitgeber Siegfried mit Ergänzungsübernahmen nach demselben Strickmuster einen Namen gemacht.

Ich bleibe auf längere Sicht sehr zuversichtlich für die Aktien von Lonza, halte diese nach dem starken Lauf der letzten Wochen jedoch für gar überhitzt. Vermutlich gibt es sie mit etwas Geduld wieder etwas günstiger zu kaufen.

Dem Verwaltungsrat von Meier Tobler liegt ein Übernahmeangebot aus Schweden vor. Wie seit dem frühen Mittwochmorgen bekannt ist, bietet die dortige Ahlsell gut 490 Millionen Franken oder 45,50 Franken je Aktie in bar für das Gebäudetechnikunternehmen aus Schwerzenbach. Das wiederum entspricht einem Aufschlag von mehr als 30 Prozent gegenüber dem volumengewichteten Durchschnittspreis der letzten 60 Handelstage.

Mittlerweile hat sich der Aktienkurs – für mich wenig überraschend - knapp unterhalb des Barangebots eingependelt. Denn schliesslich haben die Skandinavier nicht nur den Segen des Verwaltungsrats, sondern auch jenen der Familienaktionäre um Silvan Meier mit ihren knapp 57 Prozent der Stimmen. Er hat den Schweden sein Paket mittlerweile für knapp 294 Millionen Franken angedient. Die Wahrscheinlichkeit einer Gegenofferte seitens eines industriellen Mitbieters oder eines Finanzinvestors erscheint deshalb als schwindend klein.

Auch die Zürcher Kantonalbank hält das vorliegende Angebot für attraktiv und schreibt, dass die beiden Unternehmen strategisch betrachtet gut zueinander passen. Am «Marktgewichten» lautenden Anlageurteil ändert sich indes nichts.

Einen genaueren Blick verdienen meines Erachtens die jüngsten Handelsumsätze in den Papieren, haben diese in den vergangenen zwei Wochen trotz Nachrichtenflaute doch kräftig angezogen. Honi soit qui mal y pense...

Dem grossen Geld ein gutes Stück näher sind auch die Top-Manager bei PolyPeptide. Wie gleich aus mehreren Offenlegungsmeldungen an die SIX Swiss Exchange hervorgeht, wurden Samsung Biologics noch vor Ablauf der Nachfrist auch die letzten Aktien und synthetische Beteiligungsrechte noch angedient. Ich zähle Transaktionen im Gesamtvolumen von fast 22 Millionen Franken.

Gerade für die langjährigen Aktionärinnen und Aktionäre des Pharmazulieferers geht mit dem Zustandekommen ein wenig ruhmreiches Kapitel zu Ende, wurde PolyPeptide im April 2021 einst doch zu Kursen von 64 Franken an die Börse gebracht. Erst recht das Nachsehen hat, wer sich in den Monaten nach dem Börsengang von den vielen Kaufempfehlungen bei Kursen von 140 Franken und mehr zum Einstieg verleiten liess.

Bereits Mitte April machte ich auch den mit dem Börsengang betrauten Banken gewisse Vorwürfe:

Einem sogenannten «Squeeze-out» und einer anschliessenden Dekotierung steht aus heutiger Sicht nun wohl nichts mehr im Weg. So lautstark der Gang von PolyPeptide an die Börse war – so leise dürfte nun der Abschied werden.

Das hatte man sich im Verwaltungsrat von Rieter vermutlich alles ganz anders vorgestellt. Noch bevor Daniel Lippuner – er gilt als ein «Branchen-Veteran» - seine Stelle als Firmenchef antritt, hat man sich mit ihm überworfen. Wie aus der Medienmitteilung hervorgeht, forderte Lippuner nachträglich weitere Zugeständnisse in Bezug auf seine Vergütungen. Das wiederum kam am Hauptsitz des Textilmaschinenherstellers in Winterthur verständlicherweise gar nicht gut an.

Kursentwicklung der Rieter-Aktien im mehrjährigen Verlauf (Quelle: www.cash.ch)

Mit dem ehemaligen Barmag-Chef Georg Stausberg präsentiert das Unternehmen nun einen würdigen Ersatzkandidaten. Auch er gilt als ein bestens vernetzter Branchenkenner.

Als Stausberg dem Verwaltungsrat zusagte, dürfte ihm klar gewesen sein, dass viel Arbeit auf ihn wartet. Die Barmag-Integration kommt einer Herkulesaufgabe gleich und die Aktien von Rieter trennen nur wenige Rappen von den langjährigen Tiefstkursen – wobei sich ihm daraus durchaus auch Chancen eröffnen.

Für Gesprächsstoff sorgt in hiesigen Börsenkreisen die Umsatz- und Gewinnwarnung von Medacta. Neuerdings geht das Orthopädieunternehmen aus dem Tessin fürs laufende Jahr von einer operativen Marge von rund 27,9 Prozent (zuvor 28,4 Prozent) bei einem Umsatzwachstum von rund 9 Prozent (zuvor zwischen 10 und 14 Prozent) aus und das alles zu konstanten Wechselkursen.

Nachdem die Aktien von Medacta in den vergangenen Wochen langsam wieder Fahrt aufgenommen hatten, kommt die jetzige Warnung einer «kalten Dusche» gleich. Auch viele Analysten zeigen sich überrascht, dass die Tessiner bei ihren diesjährigen Finanzzielen zurückkrebsen müssen.

An der Börse gehen die Wogen nicht zuletzt auch deshalb hoch, weil der SIX Swiss Exchange Ende Oktober knapp 10 Kursfranken höher gleich drei Titelverkäufe aus der Chef-Etage des Orthopädieunternehmens im Gesamtbetrag von fast 880'000 Franken gemeldet worden waren...

Mit Blick auf die kommende Woche gilt mein persönliches Interesse sowohl den Zwischenberichten von Swiss Life am Mittwoch und von Zurich Insurance am Donnerstag als auch dem Zahlenkranz von AMS Osram am Freitag. Beim Sensorenhersteller dürfte das Hauptaugenmerk vor allem den zukunftsgerichteten Aussagen gelten. Viel Bewegung ist den Aktien jetzt schon bestimmt.

Mehr dazu, wie AMS Osram im vergangenen Quartal gegenüber den Analystenerwartungen abgeschnitten hat, verrate ich am nächsten Freitag, wenn es wieder heisst: Die Börsenwoche im Schnelldurchlauf.

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.
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