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Im Raum stehen 12,80 Pfund je Aktie oder umgerechnet etwas mehr als 10 Milliarden Dollar in bar. Das wiederum entspricht einem überaus grosszügigen Aufschlag von 56 Prozent gegenüber dem Schlusskurs am Vorabend des Bekanntwerdens des Übernahmeangebots.
Dennoch weist Beazley-Chef Adrian Cox dieses als «ungenügend» zurück. Dank einer gewollten Indiskretion seinerseits gegenüber der britischen «Times» wissen wir nun auch, dass Zurich Insurance bereits im Juni letzten Jahres sogar mit einem Angebot in Höhe von 13,15 Pfund je Aktie an den britischen Spezialversicherer herangetreten war.
Mit interessanten Planspielen warten nun die Finanzwertespezialisten von Keefe, Bruyette & Woods auf. Wie der zuständige Analyst William Hawkins schreibt, könnte Zurich Insurance das Barangebot ohne weiteres auf 15 Pfund je Aktie nachbessern. Und selbst dann liesse sich noch eine Gewinnverdichtung erzielen.
Was das momentane Angebot anbetrifft, glaubt Hawkins, dass dieses zu 38 Prozent aus flüssigen Mitteln, zu 16 Prozent aus zusätzlichen Schulden sowie zu 45 Prozent über neue Aktien finanziert wird. Bei einer Nachbesserung dürfte insbesondere die dritte und letzte Komponente höher ausfallen.
Nach einem ersten Kurssprung haben sich die Beazley-Aktien unter dem Angebot eingependelt (Quelle: www.cash.ch)
Auch auf die Möglichkeit einer Gegenofferte geht der Londoner Analyst bei seinen Planspielen ein. Seines Erachtens verfügen Munich Re und Allianz über die deutlich besseren Karten, sollte es zu einem Bieterstreit kommen. Die beiden deutschen Rivalen könnten sogar bis zu 29 Pfund je Beazley-Aktie bieten und dank umfassender Synergien selbst dann noch Aktionärswerte schaffen.
Wer nun vermutet, dass bei den Berechnungen von Keefe, Bruyette & Woods viel Eigennutzen mitschwingt, der irrt. Die Aktien von Beazley werden zwar auch weiterhin mit «Outperform» eingestuft. Mit 11 Pfund liegt das Kursziel allerdings deutlich unter der im Raum stehenden Offerte.
Am Freitag begegnete ich letzterer mit folgenden Worten:
Dass sich der Aktienkurs von Beazley mit 11,30 Pfund weit unter der Barofferte eingependelt hat, überrascht mich schon sehr. Für gewöhnlich lassen sich die Trittbrettfahrer nicht lange bitten...
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Die Aktien des Stromanbieters BKW geraten heute Mittwoch unter Verkaufsdruck. Losgetreten wird die Kurslawine durch eine Unternehmensstudie der Zürcher Kantonalbank. Darin straft der Autor Yannik Ryf die Valoren mit einer Herunterstufung von «Übergewichten» auf «Untergewichten» für die kürzlich ausgesprochene Gewinnwarnung ab.
Der Analyst setzt bei seinen Gewinnschätzungen den dicken Rotstift an und streicht diese um bis zu 30 Prozent zusammen. Darauf abgestützt errechnet er neuerdings noch einen fairen Aktienkurs von knapp 143 (zuvor 202) Franken. Seinen Angaben zufolge steuern die BKW-Aktien im Vergleich zum Gesamtmarkt auf eine Unterperformance von 15 Prozent zu.
Die Gewinnwarnung hinterlässt bei der BKW deutliche Spuren in der Aktienkursentwicklung (Quelle: www.cash.ch)
Es ist weniger der ausserordentliche Abschreiber auf der Beteiligung am Kohlekraftwerk in Wilhelmshaven, welcher bei Ryf für Unbehagen sorgt. Stattdessen stösst er sich am enttäuschenden Ausblick des Stromanbieters fürs laufende Jahr. Von diesem schliesst der Analyst darauf, dass man sich künftig auf tiefere Gewinnbeiträge aus dem Handelsgeschäft einstellen muss.
Während sein Berufskollege Emanuele Oggioni von Kepler Cheuvreux seine Schätzungen kürzlich unter negativen Vorzeichen überarbeitet hat, müssten viele andere Analysten ihre Hausaufgaben erst noch machen. Ob mit weiteren Folgen für die Aktienkursentwicklung zu rechnen ist, wird sich dabei zeigen müssen.
Fein raus ist Blackrock. Wie vor einer Woche bekannt wurde, hat sich der weltgrösste Vermögensverwalter in den Tagen unmittelbar vor der Gewinnwarnung eben noch rasch von Aktien getrennt. Alles bloss ein Zufall...?
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