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Novartis, ABB und Co: Aktienanalysten kassieren ihre Verkaufsempfehlungen

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Erneut rudern Analysten bei ihren Verkaufsempfehlungen nahe den Höchstkursen zurück. Was das für Anleger bedeuten könnte. Und: Macht Amrize-Chef Jan Jenisch nun endlich «Jenisch-Dinge»?

07.01.2026   11:55
Von cash Insider
Der Novartis-Campus in Basel.

Der Novartis-Campus in Basel.

Quelle: ZVG

Der cash Insider berichtet auch im Insider Briefing jeweils vorbörslich von brandaktuellen Beobachtungen rund um das Schweizer Marktgeschehen und ist unter @cashInsider auch auf X/Twitter aktiv.

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Die Rekordjagd am Schweizer Aktienmarkt bringt nicht mehr länger nur die Leerverkäufer an den Rand der Verzweiflung. Angesichts der steigenden Aktienkurse verlässt auch die Analysten bei ihren Verkaufsempfehlungen immer öfter der Mut.

Alleine heute Mittwoch ziehen zwei weitere Vertreter dieser Berufsgilde die Reissleine. Der für Bernstein Société Générale tätige Analyst Alasdair Leslie rudert bei ABB zurück und stuft die Valoren des schweizerisch-schwedischen Industrie-Urgesteins von «Underperform» auf «Market Perform» herauf. Er begründet die Abkehr von seiner Verkaufsempfehlung mit den besseren Gewinnaussichten des Unternehmens und trägt diesen mit einem überarbeiteten Kursziel von 60 (zuvor 50) Franken Rechnung.

Neugierig wie ich bin, habe ich anhand meiner Aufzeichnungen herausgefunden, dass die Verkaufsempfehlung auf die ersten Januar-Tage 2025 zurückgeht. Damals – als noch Kurse unter 50 Franken bezahlt wurden – warnte derselbe Analyst vor wegbrechenden Gewinnen und damit verbunden vor möglichen Enttäuschungen. Rückblickend blieb beides aus.

Die Aktien von ABB kosten deutlich mehr als noch vor einem Jahr (Quelle: www.cash.ch)

Ebenfalls für Gesprächsstoff sorgt in hiesigen Börsenkreisen eine viele Seiten starke Studie der britischen Barclays über die europäischen Pharmahersteller. Darin warnen die Autoren um James Gordon bei wichtigen Novartis-Medikamenten wie Entresto, Tasigna oder Promacta vor wegbrechenden Umsätzen sowie vor zunehmendem Wettbewerbsdruck in vielen Therapiegebieten. Das hält die Analysten allerdings nicht davon ab, die Aktien des Basler Unternehmens im Rahmen einer Wiederabdeckung mit «Equal Weight» und einem Kursziel von 120 Franken einzustufen.

Zuvor hatte seine Vorgängerin Emily Fields die Novartis-Aktien während langen Jahren bloss mit «Underweight» eingestuft. Ich musste weit in meinen Unterlagen zurückblättern, geht die seinerzeitige Herunterstufung von «Equal Weight» auf «Underweight» doch auf Anfang Dezember 2018 (!!!) zurück, als noch Kurse um die 75 Franken bezahlt wurden.

Nun, da die Valoren von ABB und Novartis neue Kursrekorde feiern, soll plötzlich alles ganz anders sein. Solche «Handtuchwürfe» tragen nicht unbedingt dazu bei, die oft gehörte Kritik an der Berufsgruppe der Aktienanalysten zu entkräften, wonach nicht eben wenige unter ihnen einen sehr prozyklischen Ansatz verfolgen würden.

Es sind übrigens nicht nur ABB und Novartis. Ich denke da etwa auch an die Heraufstufung der Valoren von Givaudan von «Underweight» auf «Equal-weight» durch Morgan Stanley von gestern Dienstag.

Im übertragenen Sinn liesse sich auch sagen, dass dieses urplötzliche Einknicken von Analysten bei ihren Verkaufsempfehlungen durchaus auch als Anhaltspunkt für eine Überhitzung an den Aktienmärkten verstanden werden könnte.

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Jan Jenisch – was dieser Mann anfasst, wird zu Gold. Der heutige Amrize-Chef führte zuerst den Bauchemiespezialisten Sika und dann selbst den etwas angestaubten Zementkonzern Holcim zum Erfolg. Bei beiden Unternehmen verdienten die Aktionärinnen und Aktionäre kräftig mit.

Herzstück dieses Erfolgs waren ergänzende Firmenübernahmen – stets verpackt in leicht verdaulichen Happen. Das wiederum brachte Jenisch den Ruf ein, ein geschickter «Deal-Maker» zu sein. Doch während sein Nachfolger Miljan Gutovic beim ehemaligen Mutterhaus Holcim schon seit Wochen beherzt Konkurrenten zusammenkauft, wartete man diesbezüglich bei Amrize bisher vergebens auf Neuigkeiten.

Bis zum heutigen Mittwoch. Denn wie einer Mitteilung an die Medien entnommen werden kann, übernimmt Amrize die texanische PB Materials mit einem Jahresumsatz von rund 180 Millionen Dollar. Zum Kaufpreis wurde – wie bei solchen Transaktionen üblich – Stillschweigen vereinbart. Allerdings soll sich die Übernahme bereits im laufenden Jahr positiv in der Gewinn- und Cashflow-Entwicklung von Amrize niederschlagen.

Die Börse reagiert am Mittwoch positiv auf die Amrize-Neuigkeiten (Quelle: www.cash.ch)

Dass die Aktien von Amrize von der Börse mit deutlichen Kursgewinnen belohnt werden, dürfte auch damit zu tun haben, dass das lange Warten auf Ergänzungsübernahmen endlich ein Ende hat. Firmenchef Jenisch muss nun aber mit weiteren Transaktionen nach demselben Strickmuster nachlegen – oder um es etwas salopp zu formulieren: Jan Jenisch muss endlich «Jenisch-Dinge» tun.

Er selber scheint jedenfalls fest an einen Erfolg zu glauben, hatte sich ein nicht mit Namen genannter Käufer aus dem Führungsgremium Mitte August und Ende Oktober doch Aktienpakete in Millionenhöhe angelacht. In hiesigen Börsenkreisen wird vermutet, dass der Firmenchef höchst persönlich hinter diesen Transaktionen steckt.

Rückblickend ist die Abspaltung von Holcim aus Sicht der Aktionärinnen und Aktionäre von Amrize den Erwartungen vieles schuldig geblieben. Obwohl die Valoren zuletzt Boden gutmachen konnten, notieren sie noch immer unter dem seinerzeitigen «Referenzkurs» von etwas mehr als 46 Franken. Zum Vergleich: Bei jenen des ehemaligen Mutterhauses errechnet sich gegenüber dem «Referenzkurs» für die Abspaltung ein sattes Plus von fast 70 Prozent (!!!).

Die amerikanische Baumaterialindustrie gilt seit je her als stark fragmentiert. Sprich: Es stehen sich viele kleine und mittelgrosse Anbieter gegenüber, welche geradezu perfekt ins «Beuteschema» des Amrize-Chefs passen würden...

Der cash Insider nimmt Marktgerüchte sowie Strategie-, Branchen- oder Unternehmensstudien auf und interpretiert diese. Marktgerüchte werden bewusst nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft. Gerüchte, Spekulationen und alles, was Händler und Marktteilnehmer interessiert, sollen rasch an die Leser weitergegeben werden. Für die Richtigkeit der Inhalte wird keine Verantwortung übernommen. Die persönliche Meinung des cash Insiders muss sich nicht mit derjenigen der cash-Redaktion decken. Der cash Insider ist selber an der Börse aktiv. Nur so kann er die für diese Art von Nachrichten notwendige Marktnähe erreichen. Die geäusserten Meinungen stellen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen an die Leserschaft dar.
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